{"id":1064,"date":"2023-07-21T12:17:27","date_gmt":"2023-07-21T10:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=1064"},"modified":"2023-07-21T12:17:27","modified_gmt":"2023-07-21T10:17:27","slug":"hilfeaufruf-an-die-famrb-leserinnen-und-leser-uebersehene-verschwiegene-oder-vergessene-anrechte-im-va","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2023\/07\/21\/hilfeaufruf-an-die-famrb-leserinnen-und-leser-uebersehene-verschwiegene-oder-vergessene-anrechte-im-va\/","title":{"rendered":"Hilfeaufruf an die FamRB-Leserinnen und -Leser: \u00dcbersehene, verschwiegene oder vergessene Anrechte im VA"},"content":{"rendered":"<p>Wird in einer Entscheidung zum Versorgungsausgleich bei der Scheidung ein existierendes Anrecht nicht ber\u00fccksichtigt, weil es nicht angegeben oder vom Gericht \u00fcbersehen wurde, sieht der BGH darin keine bewusste Teilentscheidung (BGH FamRZ 2014, 1614 = FamRB 2014, 405 [<em>Siede<\/em>]). Die Rechtskraft der Entscheidung bezieht sich daher auch auf die Tatsache, dass sonstige Anrechte nicht vorhanden sind. Damit ist eine sp\u00e4tere Korrektur der Entscheidung durch Ab\u00e4nderung nach \u00a7 51 VersAusglG bzw. \u00a7\u00a7 225 f. FamFG nicht m\u00f6glich (BGH FamRZ 2013, 1642 = FamRB 2013, 353 [<em>Siede<\/em>]).<\/p>\n<p>Weder kommt nach derzeitiger Rechtsprechung des BGH eine Erg\u00e4nzung des Ausgangsbeschlusses nach \u00a7 43 FamFG (BGH FamRZ 2014, 1614 = FamRB 2014, 405 [<em>Siede<\/em>]) noch ein Ausgleich nach der Scheidung gem\u00e4\u00df \u00a7 20 VersAusglG in Betracht (BGH FamRZ 2013, 1548 = FamRB 2013, 353 [<em>Siede<\/em>]). Der BGH ist der Ansicht, dass der schuldrechtliche Ausgleich keine generelle Korrekturfunktion f\u00fcr im Ausgangsverfahren \u00fcbersehene, verschwiegene oder vergessene Anrechte hat (vgl. auch <em>Siede<\/em>, NZFam 2023, 577; <em>Weil<\/em>, NZFam 2023, 594).<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnen in der Ausgangsentscheidung \u00fcbersehene Anrechte nach derzeitiger Rechtslage zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt nicht mehr ausgeglichen werden. Dies kann f\u00fcr die betroffenen Beteiligten zu existenziellen Notlagen f\u00fchren, insbesondere wenn sie im Scheidungsverfahren nicht anwaltlich vertreten wurden und damit eine Berufshaftpflichtversicherung des Rechtsanwalts nicht f\u00fcr den Schaden eintritt.<\/p>\n<p>Dies stellt einen dringenden Handlungsbedarf dar, da es sich um einen Versto\u00df gegen den Halbteilungsgrundsatz handelt. Der Fachausschuss Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) hat daher bereits im Dezember 2022 eine <a href=\"https:\/\/anwaltverein.de\/de\/newsroom\/sn-72-22-vergessene-anrechte-im-va\">Initiativstellungnahme<\/a> an das BMJ gerichtet. Das BMJ hat mitgeteilt, dass die Problematik erkannt sei. Es bedarf allerdings einer Fallsammlung, da die Dunkelziffer dieser F\u00e4lle erheblich sein d\u00fcrfte und das BMJ eine quantitative Grundlage f\u00fcr eine Erg\u00e4nzung des VersAusglG ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Als Mitglied des Ausschusses Familienrecht im DAV hat sich der Verfasser bereit erkl\u00e4rt, eine Fallsammlung anzulegen und diese dem BMJ zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ich w\u00e4re daher dankbar, wenn mir geeignete F\u00e4lle unter meiner E-Mail-Adresse (weil@familienanwaelte-marburg.de) mitgeteilt w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird in einer Entscheidung zum Versorgungsausgleich bei der Scheidung ein existierendes Anrecht nicht ber\u00fccksichtigt, weil es nicht angegeben oder vom Gericht \u00fcbersehen wurde, sieht der BGH darin keine bewusste Teilentscheidung (BGH FamRZ 2014, 1614 = FamRB 2014, 405 [Siede]). 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