{"id":1099,"date":"2024-05-20T07:56:02","date_gmt":"2024-05-20T05:56:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=1099"},"modified":"2024-05-20T04:57:44","modified_gmt":"2024-05-20T02:57:44","slug":"buchtipp-spangenberg-richtergestalten-von-salomo-bis-sancho-pansa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2024\/05\/20\/buchtipp-spangenberg-richtergestalten-von-salomo-bis-sancho-pansa\/","title":{"rendered":"Buchtipp: Spangenberg, RICHTERGESTALTEN &#8211; VON SALOMO BIS SANCHO PANSA"},"content":{"rendered":"<p><em>Ernst Spangenberg<\/em> hat nach einer kurzen sch\u00f6pferischen Pause ein weiteres Werk aus seinem reichen Erfahrungsschatz als fr\u00fcherer Richter sowie bis heute Schriftsteller und K\u00fcnstler geschaffen. Dabei handelt es sich keineswegs nur um eine rechtsgeschichtliche Biographie \u00fcber bedeutende Richtergestalten, sondern auch um eine erw\u00fcnschte Fortsetzung von \u201eEin kleines Rechtsproblem bleibt ungel\u00f6st\u201c, das der Rezensent hier vor wenigen Jahren besprochen hat:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"uwmkbSnpEy\"><p><a href=\"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2020\/10\/01\/buchtipp-spangenberg-ein-kleines-rechtsproblem-bleibt-ungeloest\/\">Buchtipp: Spangenberg, Ein kleines Rechtsproblem bleibt ungel\u00f6st<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8220;Buchtipp: Spangenberg, Ein kleines Rechtsproblem bleibt ungel\u00f6st&#8221; &#8212; FamRB-Blog\" src=\"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2020\/10\/01\/buchtipp-spangenberg-ein-kleines-rechtsproblem-bleibt-ungeloest\/embed\/#?secret=uwmkbSnpEy\" data-secret=\"uwmkbSnpEy\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>So beginnt das neue Buch, dessen <strong>Titelbild \u201eDas Hohe Gericht selbdritt\u201c<\/strong> auch vom Autor stammt, denn auch mit der Frage an sich selbst &#8222;Was habe ich nicht alles w\u00e4hrend meiner 40 Dienstjahre entschieden: ob eine Frau die Scheidung ihrer Ehe verlangen kann, wenn ihr Mann sie \u201edu alte Mooskuh\u201c genannt hat, ob ein frei laufender Hund oder ein betrunkener Radfahrer eine gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr den Stra\u00dfenverkehr bilden, &#8230;&#8220;\u00a0 Aber was folgt nach mehreren Tausend Entscheidungen nun, fragt der Autor in diesem ersten Kapitel weiter, um uns einen Traum zu pr\u00e4sentieren, der uns tats\u00e4chlich an das oben zitierte fr\u00fchere Werk erinnert. Drei H\u00e4ftlingen ist es darin gelungen, den Richter auszutricksen, der nicht mehr wei\u00df, wie er den Prozess zu Ende bringen soll. Aus diesem Gef\u00fchl der Ohnmacht heraus wendet sich das Buch in einem &#8222;Wegweiser&#8220; aus elf Teilen der Frage zu, was einen &#8222;guten Richter&#8220; ausmacht. Einfallsreiche Falll\u00f6sungen werden unterhaltsam pr\u00e4sentiert, ehe es dann in einem zweiten Kapitel tats\u00e4chlich weit zur\u00fcckgeht in die Rechtsgeschichte, wie es der Untertitel des Buchs ja schon verr\u00e4t. Es werden die verschiedensten Richtergestalten der Literaturgeschichte von der Bibel bis in die neueste Zeit beschrieben und die Originalfundstellen zum vertiefenden Weiterlesen auch jeweils mitgeteilt. Im Anschluss an eine Forderung von Kafka geht es dann im dritten Kapitel &#8222;Richter aus alter Zeit&#8220; anhand ber\u00fchmter Prozesse u. a. gegen Sokrates und Jesus sowie der Hexensachen beim Reichskammergericht nicht mehr nur um die vielfach in ihrer Entscheidungsfreiheit stark eingeschr\u00e4nkten und \u00fcberforderten Entscheidungstr\u00e4ger, sondern auch um die kritische W\u00fcrdigung anzuwendenden Rechts von minderer Qualit\u00e4t seit jeher, ohne dass man auf das systematische Unrecht speziell der NS-Zeit extra hinweisen muss, dessen Aufarbeitung nicht Gegenstand dieses Buchs sein konnte.\u00a0 Ein gro\u00dfer Zeitsprung f\u00fchrt deshalb im 4. Kapitel direkt vom Mittelalter in die Jahre kurz vor Aufnahme der eigenen Richtert\u00e4tigkeit des Autors mit selbst beobachteten Prozessen in Madrid und bereits als Referendar in Gie\u00dfen. Soweit sich in der Beschreibung des in Spanien beobachteten Prozesses die verst\u00f6rende Verwendung des verp\u00f6nten Begriffs &#8222;Zigeuner&#8220; findet, ist das historisch zu sehen und entspringt einem damaligen Zitat des vorurteilsbehaftet t\u00e4tigen Staatsanwalts gegen die auch in der sp\u00e4ten Francozeit weiterhin ausgegrenzten Menschen. Der Gie\u00dfener Fall ist eine menschliche Trag\u00f6die, mit der sich auch die &#8222;Richter der Gegenwart&#8220; schwertun.<\/p>\n<p>So m\u00fcnden die Betrachtungen im 5. Kapitel in die immer fortw\u00e4hrende Frage nach der Gerechtigkeit und zur\u00fcckkommend auf das geschehene Unrecht an Jesus die Feststellung: &#8222;Gerechtigkeit auf der Erde d\u00fcrfen wir von Gott nicht erhoffen. Aber vielleicht im Jenseits?&#8220; Damit wendet sich der Autor abschlie\u00dfend noch den gro\u00dfen Weltreligionen zu. Sie ahnen es, eine Antwort wird es nicht geben, aber doch eine &#8222;Schlussfolgerung&#8220;, die aber hier nicht verraten wird.<\/p>\n<p>Interesse geweckt? Dann finden Sie das 99 Seiten umfassende kurzweilig zu lesende, im <strong>Justus von Liebig Verlag, Gagernstra\u00dfe 9, 64283 Darmstadt, <\/strong>erschienene Buch mit der <strong>ISBN 978-3-87390-509-2, <\/strong>unter <strong><em>www.liebig-verlag.de<\/em><\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Spangenberg hat nach einer kurzen sch\u00f6pferischen Pause ein weiteres Werk aus seinem reichen Erfahrungsschatz als fr\u00fcherer Richter sowie bis heute Schriftsteller und K\u00fcnstler geschaffen. 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