{"id":1313,"date":"2025-12-08T04:58:08","date_gmt":"2025-12-08T03:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=1313"},"modified":"2025-12-10T14:59:29","modified_gmt":"2025-12-10T13:59:29","slug":"kindesunterhalt-bei-erweitertem-umgang-asymmetrisches-wechselmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2025\/12\/08\/kindesunterhalt-bei-erweitertem-umgang-asymmetrisches-wechselmodell\/","title":{"rendered":"Kindesunterhalt bei erweitertem Umgang (&#8222;asymmetrisches Wechselmodell&#8220;)"},"content":{"rendered":"<p>Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat wegen des (jedenfalls vorl\u00e4ufigen) Scheiterns der Reformpl\u00e4ne der fr\u00fcheren Bundesregierung zur gesetzlichen Regelung des Kindesunterhalts in den F\u00e4llen eines erweiterten Umgangs (sog. &#8222;asymmetrisches Wechselmodell&#8220;) in seine Unterhaltsgrunds\u00e4tze 2025 eine neue <strong>Ziffer 12.5 &#8222;Erweiterter Umgang&#8220; <\/strong>eingef\u00fcgt und diese auch in den Unterhaltsgrunds\u00e4tzen f\u00fcr 2026 beibehalten. Darin wird f\u00fcr die Bestimmung des Barunterhaltsbedarfs eines Kindes ausdr\u00fccklich auf die M\u00f6glichkeit der Herabstufung um eine oder mehrere Einkommensgruppen nach BGH v. 12.3.2014 \u2013 XII ZB 234\/13, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2014.11.r.05\">FamRZ 2014, 917<\/a> sowie zwei weitere Regelungen zur Ber\u00fccksichtigung von Umgangskosten verwiesen (bei besonderen Kosten evtl. auch durch Erh\u00f6hung des Selbstbehalts, Ziffer 21.2 Abs. 3).<\/p>\n<p>Diese Regelungen k\u00f6nnten schon im kommenden Jahr wieder eine \u00c4nderung erfahren m\u00fcssen, falls der BGH auf eine ihm vorliegende Rechtsbeschwerde <strong>(XII ZB 415\/25)<\/strong> gegen einen der bisherigen Rechtsprechung entsprechenden Beschluss des OLG D\u00fcsseldorf vom 27.8.2025 \u2013 5 UF 86\/24, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2025.21.i.1711.01.e\">FamRZ 2025, 1711<\/a> so entscheiden w\u00fcrde wie von <em>Rubenbauer\/Dose<\/em> in <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2025.21.i.1677.01.a\">FamRZ 2025, 1677<\/a> ff. vorgeschlagen.<\/p>\n<p><strong>Aber ist das nur Zukunftsmusik oder muss tats\u00e4chlich damit gerechnet werden, dass der BGH in Abkehr von seiner bisherigen Rechtsprechung einer gesetzlichen Neuregelung vorgreift?<\/strong><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon wie man die Auffassung von <em>Rubenbauer\/Dose<\/em> a.a.O. beurteilt, dass <strong>bereits de lege lata<\/strong> (also mit einem noch unver\u00e4nderten \u00a7 1606 III 2 BGB) auch schon beim sog. &#8222;asymmetrischen Wechselmodell&#8220; die komplizierten Regeln der Unterhaltsberechnung nach \u00a7 1606 III 1 BGB \u00e4hnlich wie beim parit\u00e4tischen Wechselmodell gelten sollen, ist jedenfalls die Aufforderung im zitierten Aufsatz S. 1679 an die Instanzgerichte, in solchen F\u00e4llen die BGH-Entscheidung &#8222;abzuwarten&#8220; (hie\u00dfe praktisch, auch den hiesigen Grundsatz Ziffer 12.5 nicht mehr anzuwenden und die F\u00e4lle liegen zu lassen), beim Unterhalt f\u00fcr Kinder kritisch zu sehen (ausf\u00fchrlich zu den drohenden Nachteilen, aber auch zu anderen Optionen: <em>Lies-Benachib<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2025.23.i.1849.01.a\">FamRZ 2025, 1849<\/a> ff.).<\/p>\n<p>Das gilt umso mehr, als die Ergebnisse bei einer angemessenen Herabstufung wie seit der Entscheidung des BGH 2014 und nach hiesiger Ziffer 12.5 in vielen Fallkonstellationen gar nicht so erheblich von den komplizierten Berechnungen, wie sie ja auch der letztj\u00e4hrige Referentenentwurf und das Eckpunktepapier vorsahen, abweichen, was <em>Seiler<\/em> in seinen Vergleichsberechnungen in <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2024.08.i.0591.01.a\">FamRZ 2024, 591<\/a> ff. an einigen Beispielen vorgerechnet hat.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Verfassers ist es nach wie vor (auch verfassungsrechtlich) problematisch, ohne Abschaffung bzw. \u00c4nderung von \u00a7 1606 III 2 BGB ganz neue Berechnungsmodelle de lege lata &#8222;einzuf\u00fchren&#8220;, sei es beim Kindesunterhalt (kritisch auch <em>Lies-Benachib<\/em> aaO mwN, ferner m. E. zutreffend OLG D\u00fcsseldorf aaO) oder beim Ehegattenunterhalt (Stichwort: Naturalunterhalt des Betreuenden, nach wie vor streitig, ablehnend h.M. in der Literatur, u.a. <em>Schwamb,<\/em> <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrb.2022.09.i.0342.01.e\">FamRB 2022, 342<\/a>, aber auch OLG Oldenburg <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrz.2023.17.i.1371.01.e\">FamRZ 2023, 1371<\/a> m. zust. Anm. <em>Seiler).<\/em> Ein Risiko wie bei der &#8222;Uminterpretation&#8220; von \u00a7 1578 BGB mit den sich von der gesetzlichen Regelung zu weit entfernenden &#8222;wandelbaren ehelichen Lebensverh\u00e4ltnissen&#8220; auf der Bedarfsebene sollte die Rechtsprechung besser nicht noch einmal eingehen (dazu damals <em>Schwamb,<\/em> <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=famrb.2011.04.a.01\">FamRB 2011, 120<\/a> ff.), denn die richterliche Rechtsfortbildung hat ihre Grenzen.<\/p>\n<p><strong>Anm. der Redaktion:<\/strong><\/p>\n<p>Den Text der D\u00fcsseldorfer Tabelle sowie die aktuellen Unterhaltsleitlinien f\u00fcr das Jahr 2026 finden Sie <a href=\"https:\/\/www.otto-schmidt.de\/blog\/familienrecht-blog\/dusseldorfer-tabelle-2026-und-weitere-unterhaltsleitlinien-FAMRBLOG0001334.html\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat wegen des (jedenfalls vorl\u00e4ufigen) Scheiterns der Reformpl\u00e4ne der fr\u00fcheren Bundesregierung zur gesetzlichen Regelung des Kindesunterhalts in den F\u00e4llen eines erweiterten Umgangs (sog. &#8222;asymmetrisches Wechselmodell&#8220;) in seine Unterhaltsgrunds\u00e4tze 2025 eine neue Ziffer 12.5 &#8222;Erweiterter Umgang&#8220; eingef\u00fcgt und diese auch in den Unterhaltsgrunds\u00e4tzen f\u00fcr 2026 beibehalten. 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