{"id":144,"date":"2016-12-06T16:36:03","date_gmt":"2016-12-06T15:36:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=144"},"modified":"2016-12-06T16:44:52","modified_gmt":"2016-12-06T15:44:52","slug":"umgangsverweigerung-ist-koerperverletzung-oder-warum-der-kuss-so-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2016\/12\/06\/umgangsverweigerung-ist-koerperverletzung-oder-warum-der-kuss-so-wichtig\/","title":{"rendered":"Umgangsverweigerung ist K\u00f6rperverletzung &#8211; oder: Warum der Kuss so wichtig ist"},"content":{"rendered":"<p>Die Teilnahme an juristischen Kongressen und Veranstaltungen lehrt und bildet ja bekanntlich. Letzteres f\u00f6rderte auf der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im DAV vom 24. bis 26.11.2016 in N\u00fcrnberg Professor Dr. rer. nat., Dipl.-Ing. (Informatik\/E-Technik) <em>Peter Beyerlein<\/em>, Professor und Leiter der Arbeitsgruppe Bioinformatik. Der Titel seines Vortrags &#8222;Neurobiologie und Kindeswohl \u2013 Viel mehr als Recht und Psychologie&#8220; weckt in Juristinnen und Juristen voyeuristische Erwartungseuphorie, Einblick in eine fremde naturwissenschaftliche Welt zu bekommen, der schon begrifflich kaum beizukommen ist und deren Begriffe, kaum dass sie entbeamt werden, dem Ged\u00e4chtnis entschwinden.<\/p>\n<p>Gleichwohl habe ich Folgendes behalten: Der Informationsaustausch zwischen Eltern und ihren Kindern ist nicht auf den Austausch ihres genetischen Materials bei der Zeugung und die anschlie\u00dfende intellektuelle, kulturelle und sprachliche Korrespondenz beschr\u00e4nkt. Die Neurobiologie kann vielmehr heute erkl\u00e4ren, dass jeder Kuss, jeder Handschlag und jeder K\u00f6rperkontakt ein Informationsaustausch ungeahnten Ausma\u00dfes verursacht, dessen Resultat nicht auf die Psyche allein beschr\u00e4nkt bleibt, sondern unmittelbar die genetisch kodierte Funktion der Zellen beeinflusst. So kann die Wissenschaft nachweisen, dass Fehler im menschlichen Genom durch solch postnatalen Kontakte larviert (\u201everdeckt\u201c) und funktional repariert werden k\u00f6nnen, weil die bei den Eltern bereits erfolgte verhaltenskontrollierte Reparatur des Defekts an das Kind weitergegeben wird, nicht durch \u201aVererbung\u2018 sondern durch den bei jedem K\u00f6rperkontakt \u00fcber das Mikrobiom vermittelten Datenaustausch. Das funktioniert neurobiologisch allerdings nur beim Kontakt zwischen Kindern und ihren <em>leiblichen<\/em> Eltern, weil nur die Eltern neben einem genetischen Defekt auch das erfolgreiche Larvierungsmuster erworben haben. Stief- und Pflegeeltern versagen dabei, weil ihnen der zu larvierende genetische Defekt fehlt. Deswegen kam der Referent zu dem Schluss, dass die Verweigerung von Umgangskontakten zwischen Kindern und ihren leiblichen Eltern K\u00f6rperverletzung am Kind sei.<\/p>\n<p>Nach dem <em>Genom-Project<\/em>, das das menschliche Genom entschl\u00fcsselt, hat die Forschung das <a href=\"http:\/\/www.fz-juelich.de\/portal\/DE\/Forschung\/it-gehirn\/human-brain-modelling\/hbp.html\"><em>Human Brain Project<\/em><\/a> in Angriff genommen. Darin wird das menschliche Hirn kartographiert und nachgewiesen, dass wir derzeit nur einen winzigen Bruchteil unseres intellektuellen Potentials nutzen und an welcher Stelle des Hirns das zu lokalisieren ist. Jetzt entzaubert die Neurobiologie unsere Vorstellung vom eigenverantwortlich handelnden \u201aFreien Menschen\u2018 und f\u00fchrt Aggressivit\u00e4t, Duldsamkeit, Liebe und Sexualit\u00e4t, Faulheit und Dummheit auf biochemische Prozesse zur\u00fcck, die in Formeln und chemischen Reaktionsketten ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ist das das Ende der Autonomie? Nat\u00fcrlich nicht. Sie zu erm\u00f6glichen und zu f\u00f6rdern, sollten wir Familienrechtler aber vielleicht nicht allzu forsch Umgangskontakte verweigern und damit den Kindern die M\u00f6glichkeit nehmen, genetisch kodierte Defizite zu reparieren. Biochemisch gesprochen scheinen Umgangskontakte zwischen Eltern und Kindern letzteren zu helfen, Herr ihrer Defizite zu werden und damit tats\u00e4chlich autonom zu entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Teilnahme an juristischen Kongressen und Veranstaltungen lehrt und bildet ja bekanntlich. 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