{"id":262,"date":"2017-06-19T17:48:42","date_gmt":"2017-06-19T15:48:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=262"},"modified":"2017-06-19T17:49:43","modified_gmt":"2017-06-19T15:49:43","slug":"kein-zugriff-der-eltern-einer-verstorbenen-minderjaehrigen-auf-deren-facebook-chats-kg-v-31-5-2017-21-u-916","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2017\/06\/19\/kein-zugriff-der-eltern-einer-verstorbenen-minderjaehrigen-auf-deren-facebook-chats-kg-v-31-5-2017-21-u-916\/","title":{"rendered":"Kein Zugriff der Eltern einer verstorbenen Minderj\u00e4hrigen auf deren Facebook-Chats (KG v. 31.5.2017 &#8211; 21 U 9\/16)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Das KG hatte \u00fcber den Antrag der Mutter einer verstorbenen Minderj\u00e4hrigen zu entscheiden, ihr Zugang zu den Facebook-Chats ihrer Tochter zu gew\u00e4hren.\u00a0Es lehnte den Antrag trotz der Behauptung der Mutter ab, ihre Tochter sei mit ihrem Zugriff auf ihre pers\u00f6nliche Kommunikation einverstanden gewesen. Zwar sei in einem solchen Fall das Pers\u00f6nlichkeitsrecht des (einverstandenen) Account-Inhabers durch den Zugriff nicht verletzt, dies gelte allerdings nicht f\u00fcr das Pers\u00f6nlichkeitsrecht der Absender der Chatnachrichten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Die Entscheidung wird\u00a0bislang haupts\u00e4chlich deswegen kritisiert, weil die Angeh\u00f6rigen eines Verstorbenen schlie\u00dflich auf Briefe, die sie im Nachlass vorfinden, oder auch auf Emails oder Chatverl\u00e4ufe, f\u00fcr die die Zugangsdaten zuf\u00e4lligerweise bekannt sind, Zugriff h\u00e4tten. Diese Kritik ist allerdings verkehrt herum gedacht. Bedenklich ist nicht, den Zugriff auf pers\u00f6nliche Daten einer verstorbenen Person durch Erben und\/oder Angeh\u00f6rige zu verhindern, \u00a0sondern vielmehr umgekehrt, den faktischen Zugriff der Erben\/Angeh\u00f6rigen auf pers\u00f6nliche Kommunikation eines Verstorbenen nicht zu sanktionieren, obwohl in vielen F\u00e4llen tats\u00e4chlich eine Strafbarkeit nach \u00a7\u00a7 202, 202a StGB vorliegen d\u00fcrfte.\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Das KG hat die Revision zum BGH zugelassen. Die Angelegenheit bleibt also spannend. <\/span><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Hinweis f\u00fcr die Praxis:\u00a0<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Sollte der BGH die Entscheidung des\u00a0KG (richtigerweise) best\u00e4tigen, ergibt sich bei der Nachlassplanung ggf. zus\u00e4tzlicher Regelungsbedarf: <\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Wenn eine Person w\u00fcnscht, dass ihree Erben\/Angeh\u00f6rigen Zugriff auf die eigene pers\u00f6nliche Kommunikation erhalten, ist der erste Schritt, dieses Einverst\u00e4ndnis ausdr\u00fccklich und schriftlich zu erteilen, so dass es ggf. nachgewiesen werden kann. Der zweite Schritt w\u00e4re, das Einverst\u00e4ndnis s\u00e4mtlicher betroffener Kommunikationspartner einzuholen. Hierzu k\u00f6nnte sich anbieten, dass die Email-Anbieter und sozialen Netzwerke nach dem Tod des Verstorbenen eine automatische Anfrage an die Kommunikationspartner des Verstorbenen senden, die es zul\u00e4sst, mit einem Klick das Einverst\u00e4ndnis zu erteilen oder zu versagen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das KG hatte \u00fcber den Antrag der Mutter einer verstorbenen Minderj\u00e4hrigen zu entscheiden, ihr Zugang zu den Facebook-Chats ihrer Tochter zu gew\u00e4hren.\u00a0Es lehnte den Antrag trotz der Behauptung der Mutter ab, ihre Tochter sei mit ihrem Zugriff auf ihre pers\u00f6nliche Kommunikation einverstanden gewesen. 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