{"id":407,"date":"2018-07-23T13:33:19","date_gmt":"2018-07-23T11:33:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=407"},"modified":"2018-07-23T13:33:19","modified_gmt":"2018-07-23T11:33:19","slug":"versorgungsausgleich-bvv-knickt-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2018\/07\/23\/versorgungsausgleich-bvv-knickt-ein\/","title":{"rendered":"Versorgungsausgleich: BVV knickt ein!"},"content":{"rendered":"<p>Bei der internen Teilung von ehezeitlich erworbenen Anspr\u00fcchen in der betrieblichen und privaten Altersversorgung findet oftmals eine wundersame Abwertung der Versorgung f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person statt:<\/p>\n<ul>\n<li>Der <strong>BVV (Bankenversicherungsverein)<\/strong> schl\u00e4gt den Gerichten seit langem vor, den Ausgleichswert f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person im Tarif ARLEP zu begr\u00fcnden. Dieser Tarifwechsel ist verbunden mit einem Rechnungszinsverlust. W\u00e4hrend im Ausgangstarif ein Rechnungszins von 3,5\u20134 % angewandt wird, ist der Zieltarif derzeit lediglich mit einem Rechnungszins von 0,9 % ausgestattet. F\u00fcr eine 50-j\u00e4hrige Frau bedeutet dies, dass die gesicherte Versorgungserwartung sich gegen\u00fcber dem Quelltarif in etwa halbiert.<\/li>\n<li>Auch die <strong>private Versicherungswirtschaft<\/strong> (Allianz &amp; Co) begr\u00fcndet den Ausgleichswert der Versorgung f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person nach der Teilungsordnung zu den im Zeitpunkt der Rechtskraft ma\u00dfgeblichen Versicherungstarifen. Auch bei diesen Versorgungen kommt der sog. aktuelle H\u00f6chstrechnungszins als \u201eGarantiezins\u201c zur Anwendung, was zu einer deutlich verminderten Versorgungsleistung gegen\u00fcber der Quellversorgung f\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Rechtsprechung hat dies teilweise erkannt und moniert.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Der <strong>BVV korrigiert nun seine Praxis<\/strong> und hat angek\u00fcndigt, k\u00fcnftig die Versorgungsverluste durch Umstellung der Tenorierung und Tarifierung zu vermeiden. In allen laufenden Verfahren werden indessen vom BVV nicht freiwillig neu Ausk\u00fcnfte erteilt. Die Anwaltschaft ist daher aufgerufen, in den noch nicht rechtskr\u00e4ftigen Verfahren unter Beteiligung des BVV das Gericht auf die Notwendigkeit der Einholung neuer Ausk\u00fcnfte ausdr\u00fccklich hinzuweisen. F\u00fcr die ausgleichspflichtige Person entstehen dadurch keine versorgungsrechtlichen Nachteile. Die ausgleichsberechtigte Person gewinnt einen fairen Ausgleich und damit ein h\u00f6heres Alterseinkommen, was m\u00f6glicherweise auch zu geringeren Unterhaltsleistungen der ausgleichspflichtigen Person f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Die privaten Versorgungstr\u00e4ger<\/strong> beharren allerdings auf ihrer Standardteilungsordnung und bieten lediglich dann, wenn die Beteiligten die mangelnde Angemessenheit des Teilungsergebnisses r\u00fcgen, an, die Tarifierung an die Quellversorgung anzupassen.<\/p>\n<p>Die Anwaltschaft ist aufgerufen, im Versorgungsausgleich aufmerksam darauf zu achten, dass die interne Teilung nicht zu Lasten ihrer Mandanten in einen neuen Tarif des Versorgungstr\u00e4gers erfolgt.<\/p>\n<p>Vor Umstellung der Praxis des BVV hatte das OLG K\u00f6ln<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> das Risiko des Versorgungsverlusts durch folgende Tenorierung gebannt:<\/p>\n<p><em>Im Wege der internen Teilung werden zu Lasten der f\u00fcr die ausgleichspflichtige Person bei dem BVV-Versicherungsverein des Bankgewerbes a.G. unter der Vertragsnummer \u2026 bestehenden betrieblichen Altersversorgung zugunsten der ausgleichsberechtigten Person nach Ma\u00dfgabe der Versicherungsbedingungen ARLEP\/oG-V 2017 ein Anrecht in H\u00f6he von \u2026 Euro, bezogen auf den \u2026 inklusive der Wertentwicklung bis zum 31.7.2018, <strong>verbunden mit der weiteren Ma\u00dfgabe, dass f\u00fcr das zu begr\u00fcndende Anrecht der ausgleichsberechtigten Person der Rechnungszins, der dem auszugleichenden Anrecht des Antragstellers zugrunde liegt, zur Anwendung kommt.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Bis auch die privaten Versorgungen ihre Teilungsanordnung der Rechtslage entsprechend umstellen, kann\u00a0eine Tenorierung analog der Praxis des OLG K\u00f6ln Versorgungsverluste f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person vermeiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> OLG Schleswig v. 12.2.2014 \u2013 13 UF 215\/13, FamRZ 2014, 1113; OLG Frankfurt v. 25.8.2017 \u2013 4 UF 146\/15, FamRZ 2018, 500 (LS); OLG Frankfurt v. 30.11.2016 \u2013 6 UF 115\/16; OLG Saarbr\u00fccken v. 6.7.2015 \u2013 6 UF 16\/15; OLG Stuttgart v. 18.2.2016 \u2013 11 UF 230\/15, FamRZ 2016, 1689 (LS); OLG K\u00f6ln v. 4.7.2017 \u2013 4 UF 45\/14, best\u00e4tigt durch BGH v. 9.5.2018 \u2013 XII ZB 391\/17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> OLG K\u00f6ln v. 4.7.2017 \u2013 4 UF 45\/14, best\u00e4tigt durch BGH v. 9.5.2018 \u2013 XII ZB 391\/17.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der internen Teilung von ehezeitlich erworbenen Anspr\u00fcchen in der betrieblichen und privaten Altersversorgung findet oftmals eine wundersame Abwertung der Versorgung f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person statt: Der BVV (Bankenversicherungsverein) schl\u00e4gt den Gerichten seit langem vor, den Ausgleichswert f\u00fcr die ausgleichsberechtigte Person im Tarif ARLEP zu begr\u00fcnden. 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