{"id":475,"date":"2019-02-26T14:49:08","date_gmt":"2019-02-26T13:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/?p=475"},"modified":"2019-02-26T14:49:31","modified_gmt":"2019-02-26T13:49:31","slug":"das-grosse-schweigen-gibt-es-eine-krise-berufsstaendischer-versorgungssysteme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/famrb\/2019\/02\/26\/das-grosse-schweigen-gibt-es-eine-krise-berufsstaendischer-versorgungssysteme\/","title":{"rendered":"Das gro\u00dfe Schweigen \u2013 Gibt es eine Krise berufsst\u00e4ndischer Versorgungssysteme?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Der Wert einer Versorgung wird ma\u00dfgeblich durch deren H\u00f6he und Dynamik bestimmt. Deshalb ist gut beraten, wer im Versorgungsausgleich sich nicht nur nach der Versorgungsh\u00f6he erkundigt, sondern auch deren Entwicklung in Anwartschafts- und Leistungsphase betrachtet. Nur dadurch gewinnt man ein realistisches Bild vom Wert einer Versorgung. Ihr Kapitalwert gibt dar\u00fcber nur unzureichend Auskunft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">In dem bis zum 31.8.2009 geltenden Versorgungsausgleichsrecht galt der Grundsatz, die \u00f6ffentlich-rechtlichen Grundversorgungen, gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung und die berufsst\u00e4ndischen Versorgungen seien \u00e4quidynamisch und daher miteinander ohne Umrechnung saldier- und bilanzierbar. Dieser Narrativ h\u00e4lt sich beharrlich auch im neuen Versorgungsausgleichsrecht und wird von den Tr\u00e4gern der berufsst\u00e4ndischen Versorgungssysteme und dem faktenlosen Vorverst\u00e4ndnis der Berufstr\u00e4ger gen\u00e4hrt. Wer wollte den ersten Stein werfen und eine Krise der berufsst\u00e4ndischen Versorgungssysteme ausrufen? Stattdessen wird von den Versicherten dieser Versorgungssysteme eitler D\u00fcnkel gepflegt, die berufsst\u00e4ndischen seien \u201abesser\u2018 als die gesetzlichen Versorgungssysteme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Wer darangeht, die Fakten dieses Vorverst\u00e4ndnisses zu pr\u00fcfen, reibt sich verwundert die Augen. Einzelne Stichproben ergeben ein desastr\u00f6ses Bild: Die Renten- und Anwartschaftsdynamik der berufsst\u00e4ndischen Versorgungssysteme scheint fl\u00e4chendeckend weit hinter der Dynamik der gesetzlichen Rentenversicherung und der Beamtenversorgung zur\u00fcckzubleiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Das ist nicht verwunderlich, versichern diese Systeme doch gut ausgebildete Gutverdiener, die eine deutlich h\u00f6here Lebenserwartung als im Bev\u00f6lkerungsdurchschnitt haben. Au\u00dferdem handelt es sich bei diesen Versorgungssystemen um stark kapitalgedeckte Versorgungen, deren Rendite und damit Leistungsf\u00e4higkeit unter der bisher lang anhaltenden Kapitalmarktschw\u00e4che, deren Ende nicht absehbar ist, leidet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Um nun f\u00fcr Vergleiche im Versorgungsausgleich eine belastbare Grundlage zu schaffen, habe ich 90 \u00f6ffentlich-rechtliche Versorgungstr\u00e4ger angeschrieben und gebeten, mir f\u00fcr eine Publikation die Dynamisierungswerte der letzten zehn Jahre zur Verf\u00fcgung zu stellen. Man k\u00f6nnte erwarten, dass \u00f6ffentlich-rechtliche Versorgungen ein solches Anliegen erf\u00fcllen, sind sie doch zur Publikation verpflichtet. Weit gefehlt. F\u00fcnf Versorgungen haben geantwortet und Daten zur Verf\u00fcgung gestellt. 85 halten von Transparenz offenbar nicht viel. Einige bekennen sich offen und schriftlich zu dieser geheimnistuerischen Intransparenz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Die Konsequenz dieses Publizit\u00e4tsboykotts ist l\u00e4stig. Ich muss nun hunderte Gesch\u00e4ftsberichte durchsehen, um die Daten zu ermitteln. Ich kann aber vorab schon eines feststellen: es gibt eine Krise der berufsst\u00e4ndischen Versorgungen. Der bisher von mir ermittelte Spitzenreiter dynamisiert Anwartschaften und Leistungen in den letzten 10 Jahren mit ca. 0,74\u00a0% pro Jahr. Die Deutsche Rentenversicherung schafft immerhin 1,94\u00a0% und vermeidet damit wenigstens einen Kaufkraftverlust.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Sicher ist richtig, dass etliche \u201aBerufsst\u00e4ndische\u2018 durch Magerjahre ihre Gesundung einleiten (Heilfasten). Das kann aber weder die derzeitigen noch die zuk\u00fcnftigen Versorgungsbezieher beruhigen, weil eine Schw\u00e4che der Anwartschaftsdynamik \u00fcber einen langen Zeitraum zu einer Schw\u00e4che der sp\u00e4teren Versorgungen f\u00fchrt und beim besten Willen nicht erkennbar ist, wie sich diese schleichende Devaluisierung ins Positive verkehren soll.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Diese Schw\u00e4che der \u201aBerufsst\u00e4ndischen\u2018 ist kein Skandal. Skandal\u00f6s ist, dass die Situation nicht offen kommuniziert wird und dass deshalb im Versorgungsausgleich munter eine Saldierung berufsst\u00e4ndischer Versorgungen gegen gesetzliche Versorgungen unternommen wird, weil der Berufstr\u00e4ger von der Qualit\u00e4t und Leistungsf\u00e4higkeit seiner Versorgung so \u00fcberzeugt ist, dass er deren Strukturprobleme ignoriert. Diese kann man beheben, wenn man dar\u00fcber spricht und \u00c4nderungen einleitet. Auch politisch k\u00f6nnte geholfen werden. Wenn man aber die eigene Leistungsschw\u00e4che als despektierlich empfindet und verschweigt, wird man eine \u00c4nderung nicht herbeif\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">F\u00fcr den Versorgungsausgleich kann nur vor saldierenden Vergleichen auf Renten- oder Kapitalbasis von berufsst\u00e4ndischen und gesetzlichen Versorgungen gewarnt werden. Es w\u00e4re zu begr\u00fc\u00dfen, wenn die Tr\u00e4ger der berufsst\u00e4ndischen Versorgungen aktiv dazu beitr\u00fcgen, derartige ihre Versicherten benachteiligende Vergleiche dadurch zu verhindern, dass sie ihre Leistungen offen publizieren. Bei der gesetzlichen Rente erkennt man die Dynamisierung auf den ersten Blick an dem omnipr\u00e4senten aktuellen Rentenwert. Sch\u00f6n w\u00e4re es, die Berufsst\u00e4ndischen w\u00fcrden auf ihren Internetseiten ebenso offen nachziehen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wert einer Versorgung wird ma\u00dfgeblich durch deren H\u00f6he und Dynamik bestimmt. Deshalb ist gut beraten, wer im Versorgungsausgleich sich nicht nur nach der Versorgungsh\u00f6he erkundigt, sondern auch deren Entwicklung in Anwartschafts- und Leistungsphase betrachtet. Nur dadurch gewinnt man ein realistisches Bild vom Wert einer Versorgung. Ihr Kapitalwert gibt dar\u00fcber nur unzureichend Auskunft. 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