{"id":1628,"date":"2023-11-21T09:30:45","date_gmt":"2023-11-21T08:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/?p=1628"},"modified":"2023-11-21T10:17:55","modified_gmt":"2023-11-21T09:17:55","slug":"zufing-bt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/2023\/11\/21\/zufing-bt\/","title":{"rendered":"Zukunftsfinanzierungsgesetz: \u00c4nderungen im Parlament"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/Finanzmarktpolitik\/2022-06-29-eckpunkte-zukunftsfinanzierungsgesetz.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eckpunktepapier<\/a> vom Juni 2022 (s. etwa <em>Kuthe<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ag.2022.15.m.r208.01.a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AG 2022, R208<\/a>), dem <a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Gesetzgebung\/RefE\/RefE_Zukunftsfinanzierungsgesetz.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Referentenentwurf<\/a> vom April 2023 (dazu u.a. <em>Harnos<\/em>, AG 2023, 348; <em>Joser<\/em>, ZIP 2023, 1006; <em>von der Linden<\/em>\/<em>T. Sch\u00e4fer<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=db1435758\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB 2023, 1077<\/a>) und dem <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/082\/2008292.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regierungsentwurf<\/a> vom August 2023 (hierzu u.a. <em>Kuthe\/Reiff<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ag.2023.00.o.s007.01.a\">AG 2023, R308<\/a>; <em>von der Linden<\/em>\/<em>T. Sch\u00e4fer<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=db1447968\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB 2023, 2292<\/a>) hat der Bundestag am 17.11.2023 das Zukunftsfinanzierungsgesetz beschlossen und dabei einige \u00c4nderungen vorgenommen, die auf Vorarbeiten des Finanzausschusses zur\u00fcckgehen (<a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/093\/2009363.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363<\/a>). Nun steht das ZuFinG auf der <a href=\"https:\/\/www.bundesrat.de\/SharedDocs\/TO\/1038\/tagesordnung-1038.html?nn=4352766\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesordnung der 1038.\u00a0Bundesratssitzung am 24.11.2023<\/a> (TOP 58). Die \u00c4nderungen gegen\u00fcber dem Regierungsentwurf werden im Folgenden dargestellt.<\/p>\n<p><strong>Aktienrecht<\/strong><\/p>\n<p>Die Neuregelungen der Mehrstimmrechtsaktie, eAktie und SPACs haben das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren weitgehend unver\u00e4ndert verlassen. Die \u00c4nderungen, die der Finanzausschuss angesto\u00dfen hat, sind redaktioneller Natur:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Neuregelung in \u00a7 67 Abs. 1 Satz 7 AktG, der eine <strong>Informationsversorgung von<\/strong> <strong>Emittenten elektronischer Aktien<\/strong> sicherstellen soll (hierzu Begr. RegE ZuFinG, BT-Drucks. 20\/8292, 109 f.), wird auf \u00a7 67 Abs. 1 Satz 2 AktG i.d.F. des MoPeG erstreckt. Damit sollen Emittenten elektronischer Aktien auch mit Informationen \u00fcber Aktion\u00e4re, die eine juristische Person oder eine rechtsf\u00e4hige Personengesellschaft sind, versorgt werden (s. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 127 \u2013 Vorabfassung).<\/li>\n<li>Im Vergleich zum Regierungsentwurf neu gefasst wurde \u00a7 12 Satz 2 AktG. Die <strong>Mehrstimmrechtsaktien<\/strong> sind darin nun vor den Vorzugsaktien genannt, was ausweislich des Ausschussberichts deutlich machen soll, dass die Mehrstimmrechtsaktie keine Unterart der Vorzugsaktie ist (BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 127 \u2013 Vorabfassung; zur anderweitigen Deutung des \u00a7 12 Satz 2 AktG i.d.F. des RegE ZuFinG s. <em>von der Linden<\/em>\/<em>T. Sch\u00e4fer<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=db1447968\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB 2023, 2292<\/a>). Nach \u00a7 135a Abs.\u00a04 AktG n.F. <em>berechtigen<\/em> \u2013 und nicht <em>berechtigten<\/em> \u2013 die Mehrstimmrechtsaktien bei Beschl\u00fcssen nach \u00a7 119 Abs.\u00a01 Nr. 5, \u00a7 142 Abs. 1 AktG zu nur einer Stimme. Gem\u00e4\u00df \u00a7 41 Abs. 1 Satz 1 WpHG n.F., der an \u00a7 49 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WpHG n.F. angelehnt ist, muss der Inlandsemittent bei einer Zu- oder Abnahme von Stimmrechten die Gesamtzahl der Stimmrechte <em>unter Angabe der auf diese entfallenden Anzahl von Mehrstimmrechten<\/em> ver\u00f6ffentlichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch im Bereich des <strong>Kapitalerh\u00f6hungsrechts<\/strong> bleiben einige Elemente des Regierungsentwurfs erhalten: Der Bundestag hat es bei der Anhebung der Wertgrenzen in \u00a7 186 Abs. 3 Satz\u00a04, \u00a7\u00a0192 Abs. 3 Satz 1 AktG n.F. belassen (dazu statt vieler <em>Harnos<\/em>, AG 2023, 348 Rz.\u00a017\u00a0ff.) und auch nicht den Riegel des \u00a7 202 Abs. 1 Satz 2 AktG n.F. entfernt, wonach die Ausgabe von Mehrstimmrechtsaktien nicht im Rahmen des genehmigten Kapitals vorgesehen werden kann (hierzu etwa <em>Kuthe<\/em>\/<em>Reiff<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ag.2023.00.o.s007.01.a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AG 2023, R308, R309<\/a>; <em>von der Linden<\/em>\/<em>T. Sch\u00e4fer<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=db1447968\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB 2023, 2292, 2293<\/a>). Gr\u00f6\u00dfere Anpassungen inhaltlicher Art hat das parlamentarische Verfahren im Kontext des <strong>Wertverw\u00e4sserungsschutzes<\/strong> gem. \u00a7\u00a7 255 ff. AktG n.F. nach sich gezogen. Die \u00c4nderungen gegen\u00fcber dem Regierungsentwurf, die im Wesentlichen den Vorschl\u00e4gen von <em>Bungert<\/em>\/<em>Strothotte<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=db1449499\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB 2023, 2422, 2424<\/a> entsprechen, verringern aus der Perspektive der Emittenten und Inferenten die H\u00fcrden und Risiken bei Sachkapitalerh\u00f6hungen, f\u00fchren aber auch zu einer sp\u00fcrbaren Absenkung des Aktion\u00e4rsschutzniveaus:<\/p>\n<ul>\n<li>Nach \u00a7 255 Abs. 2 und 4 AktG n.F. sollen die vom Bezugsrecht ausgeschlossenen Aktion\u00e4re auch in F\u00e4llen des vereinfachten Bezugsrechtsausschlusses i.S.d. \u00a7 186 Abs. 3 Satz 4 AktG n.F. weder den Kapitalerh\u00f6hungsbeschluss anfechten noch einen Barausgleich verlangen k\u00f6nnen. Dies soll augenscheinlich auch dann gelten, wenn der B\u00f6rsenkurs \u2013 dem der Wert der neu geschaffenen Aktien gem. \u00a7 255 Abs. 5 Satz 1 AktG n.F. grunds\u00e4tzlich entsprechen muss \u2013 gem. \u00a7 255 Abs. 5 Satz 3 AktG n.F., also bei Verletzung der Ad-hoc Pflicht (Nr. 1), Marktmanipulation (Nr. 2) oder Marktenge (Nr. 3), nicht allein ma\u00dfgeblich ist und deshalb eine Unternehmensbewertung durchgef\u00fchrt werden muss.<\/li>\n<li>\u00dcberdies ist \u00a7 255 Abs. 4 Satz 3 AktG i.d.F. des RegE ZuFinG weggefallen. Die Vor-schrift sah einen Freistellungsanspruch der gem. \u00a7 255 Abs. 4 Satz 2 AktG i.d.F. des RegE ZuFinG barausgleichspflichtigen Gesellschaft gegen den neu eintretenden Aktion\u00e4r vor.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Investmentrecht<\/strong><\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7\u00a0231, 260b, 261, 284 KAGB i.d.F. des RegE ZuFinG sollten Immobilienfonds zu Investitionen in Grundst\u00fccke erm\u00e4chtigt werden, auf denen sich ausschlie\u00dflich Erneuerbare-Energien-Anlagen befinden oder auf denen solche Anlagen alsbald errichtet werden sollen (Freifl\u00e4chenanlagen). Zudem sollte die Zul\u00e4ssigkeit von Erwerb und Betrieb von mit Immobilien verbundenen Erneuerbare-Energien-Anlagen (Aufdachanlagen) und Ladeinfrastruktur f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t sowie von Direktinvestitionen in Erneuerbare-Energien-Anlagen durch Infrastrukturfonds klargestellt werden. All diese Regelungen, die die Energiewende durch privates Kapital ankurbeln sollten (s. Begr. RegE ZuFinG, BT-Drucks. 20\/8292, 154 ff.), wurden auf Vorschlag des Finanzausschusses gestrichen (vgl. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 130 \u2013 Vorabfassung). Die Koalitionsfraktionen haben aber zu Protokoll erkl\u00e4rt, dass die Erweiterung der Investmentoptionen f\u00fcr Immobilienfonds im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2024 aufgegriffen werden soll (BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 106 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n<p><strong>Bank- und Kapitalmarktrecht<\/strong><\/p>\n<p>Im Bereich des <strong>Crowdfunding<\/strong> hat der Bundestag die Neufassung der Regelungen \u00fcber die Haftung f\u00fcr Angaben im Anlagebasisinformationsblatt in \u00a7\u00a7 32c ff. WpHG, die namentlich auf Vermeidung der pers\u00f6nlichen Gesch\u00e4ftsleiterau\u00dfenhaftung bei Crowdfunding-Plattformbetreibern abzielen (im Einzelnen Begr. RegE ZuFinG, BT-Drucks. 20\/8292, S. 94), mit der neuen \u00dcbergangsregelung in \u00a7\u00a0143 WpHG flankiert. Damit hat er den zeitlichen Geltungsbereich der reformierten Haftungsvorschriften auf F\u00e4lle erstreckt, in denen das fehlerhafte Anlagebasisinformationsblatt vor dem Inkrafttreten des ZuFinG erstellt, der Crowdfunding-Vertrag aber nach dem Inkrafttreten abgeschlossen wurde (BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 127 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n<p>In Umsetzung des Koalitionsvertrags (vgl. dort S.\u00a0135) hat der Bundestag das Koppelungsverbot des \u00a7\u00a0492a BGB in einem neuen Abs.\u00a01a auf F\u00e4lle erstreckt, in denen der Abschluss eines <strong>Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrags<\/strong> vom Abschluss eines <strong>Restschuldversicherungsvertrags<\/strong> abh\u00e4ngig gemacht wird (BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 126 \u2013 Vorabfassung). Flankiert wird diese Regelung durch die Neufassung des \u00a7 7a Abs. 5 VVG: K\u00fcnftig darf ein Versicherer einen Restschuldversicherungsvertrag, der sich auf einen Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag bezieht, nur dann abschlie\u00dfen, wenn der Versicherungsnehmer die Vertragserkl\u00e4rung fr\u00fchestens eine Woche nach Abschluss des Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrags abgegeben hat (im Einzelnen BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 131 \u2013 Vorabfassung). Etwaige Verst\u00f6\u00dfe gegen die neuen Verbotsgesetze f\u00fchren nach \u00a7 492a Abs. 2 BGB n.F., \u00a7 7a Abs. 5 Satz 2 VVG n.F. zur Nichtigkeit des Restschuldversicherungsvertrags, nicht aber des Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrags.<\/p>\n<p>Mit den \u00c4nderungen der \u00a7\u00a7 16 ff. ZKG n.F. wird das Konzept des zertifizierten privaten Betriebs von <strong>Vergleichswebseiten \u00fcber Zahlungskontenentgelte<\/strong> aufgegeben. K\u00fcnftig wird ausschlie\u00dflich die BaFin eine Vergleichswebseite betreiben (vgl. auch BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 130 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n<p>Die <strong>Bereichsausnahme f\u00fcr die AGB-Kontrolle in der Finanzbranche<\/strong> in \u00a7 310 Abs. 1a BGB n.F. wurde minimalinvasiv ge\u00e4ndert: Nach dem Wortlaut des \u00a7 310 Abs. 1a Satz 1 BGB i.d.F. des RegE ZuFinG sollte die Bereichsausnahme eingreifen, wenn ein Vertragspartner eine Finanzdienstleistung i.S.d. \u00a7 310 Abs.\u00a01a Satz 2 BGB n.F. rechtm\u00e4\u00dfig gewerbsm\u00e4\u00dfig <em>t\u00e4tigt<\/em>. Nunmehr soll es darauf ankommen, ob der Vertragspartner die Finanzdienstleistung rechtm\u00e4\u00dfig gewerbsm\u00e4\u00dfig <em>t\u00e4tigen kann<\/em>. \u00dcberdies wird der Kreis privilegierter Unternehmen in \u00a7 310 Abs. 1a Satz 4 Nr. 5 BGB n.F. auf Zentralbanken der EWR-Staaten und des Vereinigten K\u00f6nigreichs erweitert (s. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 126 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n<p><strong>Steuerrecht<\/strong><\/p>\n<p>Der Regierungsentwurf wollte die Leistungen im Zusammenhang mit der Verwaltung von Krediten und Kreditsicherheiten von der <strong>Umsatzsteuer<\/strong> befreien, um die Rahmenbedingungen f\u00fcr Konsortialf\u00fchrer an den Standard in den anderen EU-Mitgliedstaaten anzugleichen (Begr. RegE ZuFinG, BT-Drucks. 20\/8292, 133), und schlug eine entsprechende Erweiterung des Ausnahmekatalogs in \u00a7 4 Nr. 8 UStG vor. Der Bundestag hat diese steuerlichen Erleichterungen f\u00fcr die Kreditbranche wegen der potenziellen finanziellen Auswirkungen und der angespannten Haushaltslage gestrichen (zum Entfall der Steuermindereinnahmen i.H.v. 100 Mio. \u20ac vgl. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 130 \u2013 Vorabfassung). Spielte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit des zweiten Nachtragshaushalts 2021 insoweit eine zentrale Rolle?<\/p>\n<p>\u00dcberdies wollte die Ministerialb\u00fcrokratie im Zuge des Zukunftsfinanzierungsgesetzes einige Hebel im Steuerrecht bewegen, um die <strong>Anreize f\u00fcr Aktieninvestitionen<\/strong> zu erh\u00f6hen (hierzu etwa <em>Lay<\/em>\/<em>Neubauer<\/em>\/<em>Sch\u00e4fer<\/em>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ag.2023.11.m.r156.01.a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AG 2023, R156 ff.<\/a>): Bei Mitarbeiterkapitalbeteiligung sollte die Regelung zur L\u00f6sung des Dry-Income-Problems in \u00a7\u00a019a EStG verbessert werden. Au\u00dferdem sollte der Freibetrag in \u00a7 3 Nr. 39 EStG i.d.F. des RegE ZuFinG von 1.440\u00a0\u20ac auf 5.000\u00a0\u20ac pro Kalenderjahr angehoben werden.<\/p>\n<p>Der Bundestag hat die Dry-Income-Regelung nachjustiert. Nach \u00a7\u00a019a Abs. 1 Satz 3 EStG n.F. gilt ein nicht steuerbarer Vorteil i.S.d. \u00a7 19a Abs. 1 Satz 1 EStG a.F. auch dann als zugeflossen, wenn es dem Arbeitnehmer rechtlich unm\u00f6glich ist, \u00fcber die Verm\u00f6gensbeteiligung zu verf\u00fcgen. Mit dieser begr\u00fc\u00dfenswerten \u00c4nderung hat das Parlament auf den Umstand reagiert, dass Mitarbeiter von Start-ups in aller Regel mit <strong>vinkulierten Anteilen<\/strong> verg\u00fctet werden, was nach \u00a7\u00a019a EStG a.F. dazu f\u00fchrte, dass sie nicht in den Genuss der aufgeschobenen Besteuerung kamen (vgl. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 129 \u2013 Vorabfassung). Diese \u00c4nderung d\u00fcrfte in der Tat die Aktienkultur f\u00f6rdern. Gegenl\u00e4ufig k\u00f6nnten sich indes weitere \u00c4nderungen des Einkommensteuerrechts gegen\u00fcber dem Regierungsentwurf auswirken:<\/p>\n<p>&#8211; Die <strong>Nachversteuerungsfrist<\/strong> des \u00a7 19a Abs. 4 EStG wurde im Vergleich zum Regierungsentwurf von 20 auf 15 Jahre verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>&#8211; Die <strong>Konzernklausel<\/strong>, die noch in \u00a7 19a Abs.\u00a01 Satz\u00a03 EStG i.d.F. des RegE ZuFinG vorgesehen war, ist weggefallen. Damit genie\u00dfen Arbeitnehmer, die nicht mit Anteilen des Arbeitgebers, sondern eines Konzernunternehmens i.S.d. \u00a7 18 AktG verg\u00fctet werden, keine steuerliche Privilegierung nach \u00a7\u00a019a EStG.<\/p>\n<p>&#8211; Der <strong>Freibetrag<\/strong> in \u00a7 3 Nr. 39 EStG wird auf lediglich 2.000\u00a0\u20ac angehoben. Auch insoweit k\u00f6nnte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit des zweiten Nachtragshaushalts 2021 eine gewisse Rolle gespielt haben (zum Wegfall der Steuermindereinnahmen i.H.v. 225 Mio.\u00a0\u20ac durch Absenkung des Freibetrags gegen\u00fcber dem Regierungsentwurf vgl. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 129 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird die Einkommensgrenze bei der <strong>Arbeitnehmer-Sparzulage<\/strong> f\u00fcr die Anlage der verm\u00f6genswirksamen Leistungen in Verm\u00f6gensbeteiligungen und Bausparvertr\u00e4ge nach \u00a7 13 Abs. 1 Satz 1 5.\u00a0VermBG verdoppelt (40.000\u00a0\u20ac statt 20.000\u00a0\u20ac bei Einzelveranlagung und 80.000\u00a0\u20ac statt 40.000\u00a0\u20ac bei Zusammenveranlagung, vgl. BeschlussE FinanzA ZuFinG, BT-Drucks. 20\/9363, 132 \u2013 Vorabfassung).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Eckpunktepapier vom Juni 2022 (s. etwa Kuthe, AG 2022, R208), dem Referentenentwurf vom April 2023 (dazu u.a. Harnos, AG 2023, 348; Joser, ZIP 2023, 1006; von der Linden\/T. Sch\u00e4fer, DB 2023, 1077) und dem Regierungsentwurf vom August 2023 (hierzu u.a. Kuthe\/Reiff, AG 2023, R308; von der Linden\/T. Sch\u00e4fer, DB 2023, 2292) hat der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":513,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[2,134,119,9,135,293,34,537],"tags":[59,408,461,564,771,789,769,658,788,785,778,605,402,777,781,780,770,94,719,786,160,657,449,671,411,779,776,568,652,784,772,775,773,670,787,790,539,686,791,661,782,783,774],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1628"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/users\/513"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1628"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1641,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1628\/revisions\/1641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}