{"id":2186,"date":"2025-11-11T11:59:45","date_gmt":"2025-11-11T10:59:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/?p=2186"},"modified":"2025-11-11T11:59:45","modified_gmt":"2025-11-11T10:59:45","slug":"die-interprofessionelle-anwaelte-aerzte-und-apotheker-gmbh-co-kg-auf-dem-gebiet-des-arzt-und-arzneimittelrechts-zulaessigkeit-derzeit-nur-im-bundesland-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/2025\/11\/11\/die-interprofessionelle-anwaelte-aerzte-und-apotheker-gmbh-co-kg-auf-dem-gebiet-des-arzt-und-arzneimittelrechts-zulaessigkeit-derzeit-nur-im-bundesland-berlin\/","title":{"rendered":"Die interprofessionelle Anw\u00e4lte, \u00c4rzte und Apotheker GmbH &amp; Co. KG auf dem Gebiet des Arzt- und Arzneimittelrechts \u2013 Zul\u00e4ssigkeit derzeit nur im Bundesland Berlin"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBerlin, Berlin, wir fahren nach Berlin\u201c ist ein nach wie vor popul\u00e4rer Hit des Schlagers\u00e4ngers Olaf Berger aus dem Jahre 1995. Richtungsweisender Bezugspunkt dieses Ohrwurms ist das DFB-Pokalendspiel, das seit dem Jahre 1985 allj\u00e4hrlich nach Abschluss der Bundesliga-Saison im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird. Auf Grundlage der MoPeG-Vorschrift des \u00a7 107 Abs. 1 Satz 2 HGB in Verbindung mit den zurzeit geltenden einschl\u00e4gigen Berufsrechten kann Olaf Bergers Refrain allerdings auch Geltung beanspruchen f\u00fcr Anw\u00e4lte, \u00c4rzte und Apotheker, die in einer auf Arzt- und Arzneimittelrecht spezialisierten anwaltlichen GmbH &amp; Co. KG ohne Risiko einer pers\u00f6nlichen Haftung als Kommanditisten in mandatsbezogenen interprofessionellen Teams zusammenarbeiten wollen. Dieser gesellschaftsrechtliche Fokus auf Berlin beruht darauf, dass derzeit nur das Heilberufsrecht des Bundeslandes Berlin im hier in Rede stehenden Rechtsberatungssektor sowohl der \u201eHorn\u201c-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Reichweite des Grundrechts der Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) bei der interprofessionellen Zusammenarbeit von Anw\u00e4lten, \u00c4rzten und Apothekern als auch der handelsrechtlichen Modernisierungsregelung des \u00a7 107 Abs.\u00a0 1 Satz 2 HGB in jeder Hinsicht Rechnung tr\u00e4gt (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, Die interprofessionelle GmbH &amp; Co. KG von Anw\u00e4lten, \u00c4rzten und Apothekern im Bereich des Arzt- und Arzneimittelrechts, GmbHR 2025, 1177 Rz. 20 ff. &#8211; Heft 22 vom 15.11.2025).<\/p>\n<p>In Anwaltskanzleien, die auf Arzt- und Arzneimittelrecht spezialisiert sind, bietet die Aufnahme von approbierten \u00c4rzten und Apothekern als Gesellschafter zum Zwecke einer gutachterlichen und beratenden T\u00e4tigkeit bei der umfassenden Bearbeitung von Anwaltsmandaten bedeutende Vorteile gegen\u00fcber einer fortlaufenden Erteilung von Gutachten- und Beratungsauftr\u00e4gen (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 3 ff.). Denn insbesondere in den praktisch sehr bedeutenden Bereichen Arzt- und Arzneimittelhaftung, Arzneimittelzulassung und Heilmittelwerberecht ist in der interprofessionellen GmbH &amp; Co. KG eine ad\u00e4quate Teamarbeit jederzeit m\u00f6glich, und zwar vom ersten Mandantengespr\u00e4ch bis zu einem etwaigen Gerichtsprozess (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 3 ff.). Bei Zul\u00e4ssigkeit und Wahl der Rechtsform der GmbH &amp; Co. KG tragen aufgrund ihrer Kommanditistenstellung weder die Anw\u00e4lte noch die \u00c4rzte und Apotheker ein pers\u00f6nliches Haftungsrisiko. Die Haftung ist vielmehr auf die gesellschaftsvertraglich vereinbarte Einlage und eine damit \u00fcbereinstimmende Haftsumme beschr\u00e4nkt (vgl. zur Kommanditistenhaftung nach MoPeG und zur Konstellation einer von der vereinbarten Einlage abweichenden Haftsumme <em>Mueller-Thuns<\/em>, GmbHR 2025, 953; <em>Wertenbruch<\/em>, GmbHR 2024, 953).<\/p>\n<p>Im Anschluss an die \u201eHorn\u201c-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Versto\u00df des anwaltsrechtlichen Soziet\u00e4tsverbots bez\u00fcglich der Zusammenarbeit von Rechtsanw\u00e4lten mit \u00c4rzten und Apothekern gestattet die neue anwaltsrechtliche Vorschrift des \u00a7\u00a059c Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a04 BRAO diese interprofessionelle Zusammenarbeit (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 12).\u00a0 Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst die Neuregelung des \u00a7\u00a059b Abs.\u00a02 Satz 1 Nr. 1 BRAO als Rechtsformen die \u201eGesellschaften nach deutschem Recht einschlie\u00dflich der Handelsgesellschaften\u201c zu mit der Folge, dass die Voraussetzungen des Berufsrechtsvorbehalts der MoPeG-Regelung i.S.d. \u00a7\u00a0107 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 HGB erf\u00fcllt sind und als Rechtsform auch die OHG und die KG gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Die KG-Sonderform der GmbH &amp; Co. KG wird nunmehr durch \u00a7 59i Abs. 1 BRAO anwaltsrechtlich besonders zugelassen (vgl. zum Ganzen <em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 17 ff.).<\/p>\n<p>Da f\u00fcr das Berufsaus\u00fcbungsrecht der \u00c4rzte und Apotheker \u2013 anders als f\u00fcr das Berufsrecht der Anw\u00e4lte, Steuerberater und Wirtschaftspr\u00fcfer \u2013 Gesetzgebungsbefugnisse der L\u00e4nder bestehen, ist die hier in Rede stehende interprofessionelle GmbH &amp; Co. KG vonseiten der \u00c4rzte und Apotheker nur zul\u00e4ssig, soweit das jeweilige Berufsrecht des betreffenden Bundeslandes die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Professionen zul\u00e4sst und zudem die Rechtsform der GmbH &amp; Co. KG nach \u00a7 107 Abs. 1 Satz 2 HGB gestattet (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 2). Diese aufseiten der \u00c4rzte und Apotheker erforderlichen landesrechtlichen Voraussetzungen der interprofessionellen GmbH &amp; Co. KG sind derzeit nur im Bundesland Berlin gegeben (vgl. zu den Einzelheiten <em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 20 ff.).<\/p>\n<p>In den meisten Bundesl\u00e4ndern au\u00dferhalb Berlins ist allerdings zumindest nach dem Berufsrecht der \u00c4rzte eine aus Anw\u00e4lten und \u00c4rzten bestehende GmbH &amp; Co. KG zul\u00e4ssig, sofern eine gutachterliche und beratende T\u00e4tigkeit und keine Heilkunde am Menschen ausge\u00fcbt wird (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 20 ff.). Im Bundesland Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen im Bezirk der \u00c4rztekammer Nordrhein ist dies allerdings nicht m\u00f6glich. Im NRW-Kammerbezirk Westfalen-Lippe besteht diese M\u00f6glichkeit aber, so dass hier Anw\u00e4lte zumindest mit \u00c4rzten in der Rechtsform der GmbH &amp; Co. KG im Rahmen der Bearbeitung von anwaltlichen Mandaten interprofessionell zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Eine derartige GmbH &amp; Co. KG kann aber ihren Sitz nicht nach Rheinland-Pfalz oder in den Bezirk der \u00c4rztekammer Nordrhein verlegen, also z.B. nicht von M\u00fcnster nach D\u00fcsseldorf oder von Frankfurt a.M. nach Mainz (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 22 f.). Au\u00dferhalb des Bundeslandes Berlin fehlt f\u00fcr die Apotheker, die im Fall einer gutachterlichen und beratenden T\u00e4tigkeit kein Gewerbe, sondern einen Freien Beruf aus\u00fcben, in allen Bundesl\u00e4ndern eine Ausformungsregelung i.S.d. \u00a7 107 Abs. 1 Satz 2 HGB als berufsrechtliche Voraussetzung der interprofessionellen anwaltlichen GmbH &amp; Co. KG (<em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 28).<\/p>\n<p>Bei Vorliegen eines Ausformungsgesetzes i.S.d. \u00a7 107 Abs. 1 Satz 2 HGB ist auch im Bereich der Aus\u00fcbung von Freien Berufen die Sonderform der Einheits-GmbH &amp; Co. KG gegen\u00fcber der klassischen GmbH &amp; Co. KG mit synchroner Beteiligung der Kommanditisten an der Komplement\u00e4r-GmbH i.d.R. vorzugsw\u00fcrdig. Im Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters k\u00f6nnen bei der Einheits-GmbH &amp; Co. KG schon kraft Rechtsform keine Beteiligungsasymmetrien entstehen. Zudem kann ein rechtsgesch\u00e4ftlicher Gesellschafterwechsel durch nicht beurkundungsbed\u00fcrftige \u00dcbertragung des Kommanditanteils vollzogen werden. Nach der MoPeG-Regelung des \u00a7 170 Abs. 2 HGB \u00fcben die Kommanditisten im Rahmen einer partiellen gesetzlichen Vertretungsmacht das Stimmrecht der KG in der Gesellschafterversammlung der Komplement\u00e4r-GmbH aus (vgl. zum Ganzen <em>Wertenbruch<\/em>\/<em>Thormann<\/em>, GmbHR 2025, 1177 Rz. 29 f.).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBerlin, Berlin, wir fahren nach Berlin\u201c ist ein nach wie vor popul\u00e4rer Hit des Schlagers\u00e4ngers Olaf Berger aus dem Jahre 1995. 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