{"id":269,"date":"2018-10-31T08:31:26","date_gmt":"2018-10-31T07:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/?p=269"},"modified":"2018-10-31T08:31:26","modified_gmt":"2018-10-31T07:31:26","slug":"10-jahre-momig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/2018\/10\/31\/10-jahre-momig\/","title":{"rendered":"10 Jahre MoMiG &#8211; Schwerpunktheft GmbHR 21\/2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-296 size-full\" src=\"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/10\/br.png\" alt=\"\" width=\"102\" height=\"282\" vspace=\"0\" \/>Das MoMiG (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek\u00e4mpfung von Missbr\u00e4uchen, BGBl.\u00a0I 2008, 2026) war die gr\u00f6\u00dfte Reform, die das GmbH-Gesetz seit 1892 erfahren hat. Die Reform war \u00fcber Jahre intensiv vorbereitet worden (durch wissenschaftliche Symposien wie etwa das ZGR-Symposion GmbH-Reform (ZGR 2006, 259\u00a0ff.) oder das entsprechende VGR-Symposion (VGR, Die GmbH-Reform in der Diskussion, 2006), aber auch durch rechtspolitische Diskussionen wie etwa auf dem 66.\u00a0DJT im Jahre 2006, beinhaltete dann jedoch auch \u00dcberraschungen, die quasi \u201ein letzter Minute\u201c in das MoMiG aufgenommen wurden (s. auch den Blickpunkt von <em>Seibert<\/em>, <a href=\"http:\/\/portal.stbcenter.de\/Default.aspx?bd=1&amp;url=rn:zsa%5E%5Efile:\/\/R%7C\/Doc\/Magazines\/GMBHR\/1561249.xml\" target=\"_blank\">GmbHR 2018, R325<\/a>): Zu nennen ist insbesondere die GmbH-Variante der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr\u00e4nkt), die als Alternative zur (deutschen) Limited konzipiert war (n\u00e4her <em>Wicke<\/em>, GmbHR 2018, 1105), jedoch dar\u00fcber hinausgehend heute ihren eigenst\u00e4ndigen Platz in der Unternehmenslandschaft gefunden hat (dazu rechtstats\u00e4chlich <em>Bayer<\/em>\/<em>Hoffmann<\/em>, GmbHR 2018, 1156). Insgesamt sollte mit dem MoMiG die Gr\u00fcndung der GmbH vereinfacht und beschleunigt werden \u2013 ein Ziel, das weitgehend erreicht wurde (n\u00e4her <em>Heckschen<\/em>, GmbHR 2018, 1093), wobei die vereinfachte Gr\u00fcndung allerdings nur in speziellen Situationen Sinn macht (n\u00e4her <em>Wicke<\/em>, GmbHR 2018, 1105).<\/p>\n<p>Erhebliche Eingriffe erfolgten in das tradierte System von Kapitalaufbringung und Kapitalerhaltung: Die vielfach als zu streng erachteten Rechtsfolgen verdeckter Sacheinlagen wurden zugunsten der Gesellschafter entsch\u00e4rft, das vom BGH strikt untersagte Hin- und Herzahlen unter gewissen Voraussetzungen gestattet, das damit in erster Linie verfolgte Ziel eines rechtssicheren Cashpoolings indes nur begrenzt erreicht (n\u00e4her <em>Lieder<\/em>, GmbHR 2018, 1116). Kurzerhand abgeschafft und durch eine insolvenzrechtliche L\u00f6sung ersetzt wurde das \u00fcber Jahrzehnte richterrechtlich entwickelte und mit der GmbH-Reform von 1980 handwerklich st\u00fcmperhaft (teil-)kodifizierte Eigenkapitalersatzrecht (n\u00e4her <em>Bl\u00f6se<\/em>, GmbHR 2018, 1151). Aus ihrem \u201eDornr\u00f6schenschlaf\u201c erweckt wurde die Gesellschafterliste, indem sie nach dem Vorbild des Aktienregisters (f\u00fcr Namensaktien) nur die in der Liste aufgef\u00fchrten Personen als Gesellschafter legitimiert; weiterhin wurde der gutgl\u00e4ubige Erwerb von GmbH-Gesch\u00e4ftsanteilen erm\u00f6glicht. Folge dieser teilweise bewusst kursorisch gehaltenen Regelungen war indes eine F\u00fclle von Rechtsproblemen, die teilweise bis heute ungekl\u00e4rt sind und oftmals auch vom BGH keiner befriedigenden L\u00f6sung zugef\u00fchrt werden konnten (n\u00e4her <em>Wachter<\/em>, GmbHR 2018, 1129).<\/p>\n<p>Gestiegen sind die Anforderungen und Verantwortlichkeiten der GmbH-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Der Begriff \u201eCompliance\u201c hat auch Einzug in das GmbH-Recht gefunden. \u00dcber die Haftung von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern und Gesellschaftern informieren <em>Reichert<\/em>\/<em>L\u00fcneborg<\/em>, GmbHR 2018, 1141. Die Ausstrahlungswirkungen des MoMiG auf das Steuerrecht erl\u00e4utern <em>Wiese<\/em>\/<em>G\u00f6ttel<\/em>, GmbHR 2018, 1169. Der Frage, welche Impulse das GmbH-Recht heute ben\u00f6tigt, geht \u2013 quasi als Mitakteur an f\u00fchrender Stelle \u2013 <em>Harbarth<\/em> nach (gemeinsam mit <em>Friedrichson<\/em>, GmbHR 2018, 1174).<\/p>\n<p>Die Autoren der GmbHR 21\/2018 zeichnen ein differenziertes Bild \u00fcber die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des MoMiG. In der Summe \u00fcberwiegen wohl die positiven Erfahrungen deutlich, so dass man in der Gesamtwertung \u2013 nach unserem Eindruck \u2013 von einer insgesamt gelungenen Reform sprechen kann (in diesem Sinne bereits die Einsch\u00e4tzung von <em>Lutter<\/em>\/<em>Hommelhoff<\/em> in Lutter\/Hommelhoff, GmbHG, 19.\u00a0Aufl. 2016, Einl. Rz.\u00a036).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das MoMiG (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek\u00e4mpfung von Missbr\u00e4uchen, BGBl.\u00a0I 2008, 2026) war die gr\u00f6\u00dfte Reform, die das GmbH-Gesetz seit 1892 erfahren hat. 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