{"id":903,"date":"2021-06-15T09:28:35","date_gmt":"2021-06-15T07:28:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/?p=903"},"modified":"2021-06-15T09:28:35","modified_gmt":"2021-06-15T07:28:35","slug":"letzte-ausfahrt-mopeg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/gesellschaftsrecht\/2021\/06\/15\/letzte-ausfahrt-mopeg\/","title":{"rendered":"Letzte Ausfahrt MoPeG!"},"content":{"rendered":"<p>Das Filmdrama \u201eLetzte Ausfahrt Brooklyn\u201c von<em> Bernd Eichinger<\/em> und <em>Uli Edel<\/em>, basierend auf dem gleichnamigen Roman von <em>Hubert Selby<\/em> (\u201eLast Exit to Brooklyn\u201c), war nichts f\u00fcr ausschlie\u00dflich auf Happy-End frisierte Kinog\u00e4nger. F\u00fcr das geplante Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG) (Gesetzentwurf Bundesregierung v. 17.3.2021, <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/brd\/2021\/0059-21.pdf\">BT-Drucksache 19\/27635<\/a>) gibt es hingegen in Berlin auf der 19. Stra\u00dfe der Bundesgesetzgebung rechtzeitig vor dem Dead End noch eine Ausfahrt \u201eReichstagsgeb\u00e4ude\/Schloss Bellevue\u201c, und zwar in der letzten Sitzungswoche vom 21.6. bis 25.6.2021. Am Donnerstag, dem 24.6.2021, findet im Wallot-Bau ohnehin eine lange Nacht der Gesetze statt.<\/p>\n<p>Die 1. Beratung des MoPeG im Bundestag erfolgte am 25.3.2021 mit der planm\u00e4\u00dfigen Verweisung an den federf\u00fchrenden Rechtsausschuss (<a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btp\/19\/19218.pdf#P.27516\">BT-Plenarprotokoll 19\/218, S. 27516D-27521D<\/a>). Die \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung im Rechtsausschuss fand am 21.4.2021 statt. Dort wurden allerdings von einem Sachverst\u00e4ndigen auch verfassungsrechtliche Zweifel an der weiteren Zul\u00e4ssigkeit einer unterschiedlichen Besteuerung von Kapitalgesellschaften nach KStG und den Personengesellschaften nach EStG (Mitunternehmerbesteuerung der Gesellschafter nach \u00a7 15 EStG) vorgetragen. Das daraufhin vom Berichterstatter der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion in Sachen MoPeG, Prof. Dr. Heribert Hirte, eingeholte Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages weist die Bedenken des Sachverst\u00e4ndigen dagegen zu Recht zur\u00fcck (<a href=\"https:\/\/www.heribert-hirte.de\/hirte-befragt-wissenschaftlichen-dienst-zum-gesetzesentwurf-zur-modernisierung-des-personengesellschaftsrecht\/\">https:\/\/www.heribert-hirte.de\/hirte-befragt-wissenschaftlichen-dienst-zum-gesetzesentwurf-zur-modernisierungdes-personengesellschaftsrecht\/<\/a>\u00a0).<\/p>\n<p>Das MoPeG kn\u00fcpft zwar einschlie\u00dflich Begr\u00fcndung nicht mehr an den tradierten und \u00fcber Jahrzehnte umstrittenen Gesamthandsbegriff an. Gleichwohl gibt es nach wie vor grundlegende Unterschiede zwischen Kapitalgesellschaft (juristische Person) und Personengesellschaft, die eine andere Struktur der Besteuerung rechtfertigen. Denn auch bei der Personengesellschaft des MoPeG gilt als Leitprinzip der Grundsatz der Selbstorganschaft, das An- und Abwachsungsprinzip bei Ver\u00e4nderungen im Gesellschafterbestand, das Zwei-Personen-Erfordernis (keine Ein-Personen-Personengesellschaft) und der Grundsatz der pers\u00f6nlichen akzessorischen Gesellschafterhaftung (vgl. dazu <em>Wertenbruch, <\/em><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=gmbhr.2021.01.i.0001.01.a&amp;q=Wertenbruch\">GmbHR 2021, 1, 2<\/a>). Diese Besonderheiten tragen \u2013 wie vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages \u00fcberzeugend best\u00e4tigt \u2013 den in Rede stehenden ertragssteuerrechtlichen Dualismus in Form der Besteuerung der Kapitalgesellschaft nach \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG und der Gesellschafter der Personengesellschaft als Mitunternehmer nach \u00a7 15 EStG (vgl. dazu auch <em>Wertenbruch,<\/em><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=gmbhr.2021.01.i.0001.01.a&amp;q=Wertenbruch\"> GmbHR 2021, 1, 3<\/a>). Die Unterschiede bei der steuerlichen Belastung sind ohnehin grunds\u00e4tzlich nicht gravierend (vgl. dazu <em>Mueller-Thuns<\/em> in <em>Hesselmann\/Tillmann\/Mueller-Thuns<\/em>, Hdb. GmbH &amp; Co. KG, 22. Aufl. 2021, \u00a7 2 B II Rz. <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=co.02.b.ii.1\">2.38<\/a>\u2009ff).<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass der ReGE MoPeG in der letzten Sitzungswoche der 19. Legislaturperiode noch unter Einhaltung der vorgeschriebenen parlamentarischen Usancen in die letzte Ausfahrt zum Plenarsaal des Reichstagsgeb\u00e4udes einbiegt und die noch zu passierenden Ampeln dann bis zur Ausfertigung im Schloss Bellevue auf \u201egr\u00fcn\u201c geschaltet sind. Denn am 25.6.2021 ist im Bundestag auf jeden Fall erst einmal <em>curtain down.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Filmdrama \u201eLetzte Ausfahrt Brooklyn\u201c von Bernd Eichinger und Uli Edel, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Hubert Selby (\u201eLast Exit to Brooklyn\u201c), war nichts f\u00fcr ausschlie\u00dflich auf Happy-End frisierte Kinog\u00e4nger. F\u00fcr das geplante Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG) (Gesetzentwurf Bundesregierung v. 17.3.2021, BT-Drucksache 19\/27635) gibt es hingegen in Berlin auf der 19. 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