{"id":1678,"date":"2020-07-02T11:55:06","date_gmt":"2020-07-02T09:55:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=1678"},"modified":"2020-07-02T11:55:06","modified_gmt":"2020-07-02T09:55:06","slug":"olg-frankfurt-uebersendung-von-schriftsaetzen-an-die-anwaltskammer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2020\/07\/02\/olg-frankfurt-uebersendung-von-schriftsaetzen-an-die-anwaltskammer\/","title":{"rendered":"OLG Frankfurt: \u00dcbersendung von Schrifts\u00e4tzen an die Anwaltskammer"},"content":{"rendered":"<p>In einem\u00a0Lauterkeitsverfahren vor dem OLG Frankfurt (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2020.11.i.0695.01.e\">OLG Frankfurt a. M., Beschl. v. 19.2.2020 \u2013 6 W 19\/20, MDR 695<\/a>) stritten zwei Rechtsanw\u00e4lte \u00fcber Unterlassungsanspr\u00fcche. Der\u00a0Antragsgegner nahm dies zum Anlass, mehrere Schrifts\u00e4tze des\u00a0Antragstellers an die Anwaltskammer zu schicken und auf das seiner Ansicht nach standeswidriges Verhalten des\u00a0Antragstellers hinzuweisen. Sp\u00e4ter erteilte der Vorstand der Anwaltskammer dem\u00a0Antragsteller tats\u00e4chlich eine R\u00fcge.<\/p>\n<p>Der\u00a0Antragsteller beantragte, nunmehr gegen den\u00a0Antragsgegner eine einstweilige Verf\u00fcgung, und zwar wie folgt: \u201eDem Antragsgegner wird bei Meidung gesetzlicher Ordnungsmittel untersagt, personenbezogene Daten des\u00a0Antragstellers (Name, Privatanschrift, Sachverhalt, rechtliche Ausf\u00fchrungen, Behauptungen etc.) einschlie\u00dflich Gesch\u00e4ftsgeheimnissen (Abmahnung, Vertragsstrafenforderung, Streitwert, Geb\u00fchrenbestimmung), die in der Abmahnung des\u00a0Antragstellers vom &#8230; nebst Anlagen (vorgefertigte Unterlassungserkl\u00e4rung und Werbe-E-Mail an das private E-Mail Postfach des Antragstellers) in dem Schriftsatz des\u00a0Antragstellers vom &#8230; ohne vorherige ausdr\u00fcckliche Einwilligung des\u00a0Antragstellers oder ohne \u00fcberwiegende berechtigte Interessen des Antragsgegners\u2009bzw. seiner Mandantschaft durch \u00dcbermittlung offenzulegen, wie geschehen am &#8230; und &#8230; gegen\u00fcber der Rechtsanwaltskammer in &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Das LG wies diesen Antrag zur\u00fcck, die sofortige Beschwerde des\u00a0Antragstellers hatte keinen Erfolg. Weder aus \u00a7 3 UWG noch aus Art. 79 DS-GVO noch aus den \u00a7\u00a7 823, 1004\u00a0Abs. 1\u00a0BGB ergibt sich hier ein Unterlassungsanspruch. Es fehlt an dem erforderlichen Rechtsschutzinteresse des Antragstellers, und zwar, weil die \u00c4u\u00dferung des\u00a0Antraggegners gegen\u00fcber der Anwaltskammer hier als sogenannte privilegierte \u00c4u\u00dferung anzusehen ist. Es besteht grunds\u00e4tzlich kein Anspruch auf Unterlassung von Behauptungen, wie z. B. auch ehrverletzenden \u00c4u\u00dferungen, wenn diese \u2013 ungeachtet ihres Wahrheitsgehaltes \u2013 der Rechtsverfolgung in einem Verfahren dienen. In der Bejahung eines Anspruchs l\u00e4ge n\u00e4mlich eine unzul\u00e4ssige Einengung der \u00c4u\u00dferungsfreiheit von Verfahrensbeteiligten. Diese m\u00fcssen in einem rechtsstaatlichen Verfahren vortragen k\u00f6nnen, was sie zur Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung f\u00fcr erforderlich halten. Diese Rechtsprechung gilt auch f\u00fcr verfahrensbezogene Handlungen, wie hier die \u00dcbersendung von Schrifts\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Zwar ist grunds\u00e4tzlich noch eine Interessenabw\u00e4gung geboten. Das Interesse des Betroffenen \u00fcberwiegt aber nur dann, wenn es sich um bewusst unwahre oder leichtfertig aufgestellte falsche Behauptungen handelt, die in dem eingeleitete Verfahren gar nicht gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Dies scheidet hier jedoch schon deswegen aus, weil der Antragsteller tats\u00e4chlich von der Anwaltskammer ger\u00fcgt wurde.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich h\u00e4lt das OLG Frankfurt den Antrag auch f\u00fcr unbegr\u00fcndet. Eine \u00dcbermittlung der Daten war jedenfalls nach \u00a7 6\u00a0Abs. 1\u00a0f DS-GVO zul\u00e4ssig. Der\u00a0Antragsteller unterliegt damit also \u201ein Bausch und Bogen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem\u00a0Lauterkeitsverfahren vor dem OLG Frankfurt (OLG Frankfurt a. 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