{"id":1753,"date":"2020-12-10T12:39:25","date_gmt":"2020-12-10T11:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=1753"},"modified":"2020-12-10T12:39:25","modified_gmt":"2020-12-10T11:39:25","slug":"bverfg-rechtliches-gehoer-bei-unterbliebener-parteianhoerung-zu-gerichtskundiger-tatsache-im-zivilprozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2020\/12\/10\/bverfg-rechtliches-gehoer-bei-unterbliebener-parteianhoerung-zu-gerichtskundiger-tatsache-im-zivilprozess\/","title":{"rendered":"BVerfG: Rechtliches Geh\u00f6r bei unterbliebener Parteianh\u00f6rung zu &#8222;gerichtskundiger&#8220; Tatsache im Zivilprozess"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Das grundrechtsgleiche Recht auf <strong>rechtliches Geh\u00f6r<\/strong> nach Art. 103\u00a0Abs. 1\u00a0GG ist in der oberstgerichtlichen Praxis eine best\u00e4ndige Aufhebungsgrundlage. <\/span><\/span><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Im konkreten Fall hat das <strong>BVerfG<\/strong> mit <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=rs.bverfg.20200917.2bvr1605\/16\">Beschl. v. 17.9.2020 &#8211; 2 BvR 1605\/16,<\/a>\u00a0MDR 2020, 1524 eine Entscheidung eines Amtsgerichts wegen mehrfachem Versto\u00df gegen den Grundsatz des rechtlichen Geh\u00f6rs aufgehoben. Wichtig f\u00fcr die allt\u00e4gliche Praxis erscheinen hinsichtlich dieses Beschluss folgende Aspekte:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Nachdem Art. 103 Abs. 1 GG das Recht gibt, sich sowohl zum Sachverhalt als auch zur Rechtslage zu \u00e4u\u00dfern, sind f\u00fcr beide Aspekte dieselben Grunds\u00e4tze ma\u00dfgeblich. Dabei muss sich das Gericht nicht mit jedem Vorbringen einer Partei ausdr\u00fccklich befassen. Der <strong>wesentliche Kern des Tatsachenvortrages<\/strong>, der von zentraler Bedeutung ist, muss allerdings beschieden werden. Wenn dazu in der angefochtenen Entscheidung nichts geschrieben wurde, muss von einer Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs ausgegangen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Die <strong>Gerichtskundigkeit einer relevanten Tatsache<\/strong> ist ein Unterfall der Offenkundigkeit nach \u00a7 291 ZPO. Wenn das Gericht eine Tatsache als gerichtskundig ansehen m\u00f6chte, muss es diese jedoch zuvor in den Prozess einf\u00fchren und darf der betroffenen Partei nicht dadurch den Gegenbeweis abschneiden, dass es erst in der Entscheidung die Gerichtskundigkeit behauptet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Im konkreten Fall hatte das AG \u00fcbereinstimmenden Vortrag der Parteien zum Vorliegen von AGB \u00fcbergangen und war demgegen\u00fcber von einer Individualvereinbarungen ausgegangen. Dar\u00fcber hinaus war das AG von der Angemessenheit einer Forderung der H\u00f6he nach ausgegangen, ohne vorher darauf hinzuweisen, dass die einschl\u00e4gigen Preise bekannt seien. So hatte die betroffene Partei keine M\u00f6glichkeit mehr, diese Erw\u00e4gungen in Frage zu stellen bzw. einen Gegenbeweis anzutreten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"color: #ff0000\">Fazit:<\/span> <\/span><\/span><span style=\"line-height: 150%;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Die Anforderungen an die Wahrung des Grundsatzes des rechtlichen Geh\u00f6rs werden immer h\u00f6her. Als Richter muss man sich bei fast jedem Satz, den man schreibt, die Frage stellen, ob damit nicht schon eine Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs verbunden ist.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das grundrechtsgleiche Recht auf rechtliches Geh\u00f6r nach Art. 103\u00a0Abs. 1\u00a0GG ist in der oberstgerichtlichen Praxis eine best\u00e4ndige Aufhebungsgrundlage. 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