{"id":2019,"date":"2021-08-20T18:09:13","date_gmt":"2021-08-20T16:09:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2019"},"modified":"2021-08-20T18:09:13","modified_gmt":"2021-08-20T16:09:13","slug":"montagsblog-216","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2021\/08\/20\/montagsblog-216\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um die Erstattungsf\u00e4higkeit von Anwaltskosten, die in einem obligatorischen G\u00fcteverfahren angefallen sind. <\/em><\/p>\n<p><strong>Kosten der anwaltlichen Vertretung in einem obligatorischen G\u00fcteverfahren<br \/>\n<\/strong>Beschluss vom 24.\u00a0Juni 2021 \u2013 V\u00a0ZB\u00a022\/20<\/p>\n<p><em>Mit der Reichweite von \u00a7\u00a015a Abs.\u00a04 EGZPO und \u00a7\u00a091 Abs.\u00a01 ZPO befasst sich der V.\u00a0Zivilsenat. <\/em><\/p>\n<p>Die Parteien f\u00fchrten eine nachbarrechtliche Streitigkeit. Ein Einigungsversuch vor der G\u00fctestelle blieb erfolglos, weil nur die Kl\u00e4ger (zusammen mit ihrer sp\u00e4teren Prozessbevollm\u00e4chtigten) erschienen waren, nicht aber die Beklagten. Im nachfolgenden Rechtsstreit legte das Gericht den Beklagten die Kosten auf. Im Kostenfestsetzungsverfahren machten die Kl\u00e4ger unter anderem die im G\u00fcteverfahren angefallenen Anwaltskosten (rund 380 Euro) geltend. Der Festsetzungsantrag blieb insoweit in den beiden ersten Instanzen erfolglos.<\/p>\n<p>Die Rechtsbeschwerde der Kl\u00e4ger hat ebenfalls keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Nach \u00a7\u00a015a Abs.\u00a04 EGZPO geh\u00f6ren die Kosten einer G\u00fctestelle, die durch ein obligatorisches Einigungsverfahren entstanden sind, zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne von \u00a7\u00a091 Abs.\u00a01 und 2 ZPO. Diese Vorschrift ist im Streitfall anwendbar, weil ein G\u00fcteverfahren nach \u00a7\u00a015a Abs.\u00a01 EGZPO und dem einschl\u00e4gigen Landesrecht zwingende Voraussetzung f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit einer Klage war. Zu den danach zu erstattenden Kosten geh\u00f6ren jedoch nur die Geb\u00fchren der G\u00fctestelle, nicht die im G\u00fcteverfahren angefallenen Anwaltskosten.<\/p>\n<p>\u00a7 91 Abs.\u00a03 ZPO, wonach zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne von \u00a7\u00a091 Abs.\u00a01 und 2 ZPO auch die Geb\u00fchren geh\u00f6ren, die durch ein G\u00fcteverfahren vor einer durch die Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten G\u00fctestelle entstanden sind, wird bei obligatorischen Schlichtungsverfahren durch die Sonderregelung in \u00a7\u00a015a Abs.\u00a04 EGZPO verdr\u00e4ngt. Unabh\u00e4ngig davon erfasst auch \u00a7\u00a091 Abs.\u00a03 ZPO nur die Kosten der G\u00fctestelle, nicht aber Anwaltskosten (BGH, B. v. 15.1.2019 \u2013 II\u00a0ZB\u00a012\/17 Tz.\u00a010 \u2013 MDR 2019, 378).<\/p>\n<p>Die im G\u00fcteverfahren angefallenen Anwaltskosten fallen auch nicht unter die allgemeine Regelung im \u00a7\u00a091 Abs.\u00a01 ZPO. Sie sind \u2013 entgegen der bislang wohl \u00fcberwiegenden Auffassung \u2013 auch bei einem obligatorischen G\u00fcteverfahren nicht als Kosten zur Vorbereitung des Rechtsstreits zu qualifizieren, sondern als Kosten zur Abwendung eines drohenden Rechtsstreits. Dies gilt auch dann, wenn eine Partei bereits in diesem Stadium einen Rechtsanwalt beizieht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em><\/span> Hinsichtlich der Kosten eines Anwalts, der erst nach dem erfolglosen Abschluss des G\u00fcteverfahrens vorgerichtlich t\u00e4tig geworden ist, d\u00fcrfte nach Ma\u00dfgabe der hierf\u00fcr allgemein geltenden Grunds\u00e4tze ein materiellrechtlicher Erstattungsanspruch bestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um die Erstattungsf\u00e4higkeit von Anwaltskosten, die in einem obligatorischen G\u00fcteverfahren angefallen sind. Kosten der anwaltlichen Vertretung in einem obligatorischen G\u00fcteverfahren Beschluss vom 24.\u00a0Juni 2021 \u2013 V\u00a0ZB\u00a022\/20 Mit der Reichweite von \u00a7\u00a015a Abs.\u00a04 EGZPO und \u00a7\u00a091 Abs.\u00a01 ZPO befasst sich der V.\u00a0Zivilsenat. Die Parteien f\u00fchrten eine nachbarrechtliche Streitigkeit. 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