{"id":2105,"date":"2021-12-09T17:22:06","date_gmt":"2021-12-09T16:22:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2105"},"modified":"2021-12-09T17:22:06","modified_gmt":"2021-12-09T16:22:06","slug":"corona-pandemie-keine-naturkatastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2021\/12\/09\/corona-pandemie-keine-naturkatastrophe\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie keine Na\u00adtur\u00adka\u00adta\u00adstro\u00adphe"},"content":{"rendered":"<p>Dem Urteil des AG M\u00fcnchen (275 C 23753\/20), das bereits am 20.5.2021 erging, ist zuzustimmen. Eine Rei\u00adse\u00adab\u00adbruch\u00adver\u00adsi\u00adche\u00adrung haf\u00adtet bei co\u00adro\u00adna\u00adbe\u00adding\u00adter An\u00adnul\u00adlie\u00adrung eines R\u00fcckflu\u00adges nicht f\u00fcr die Kos\u00adten des Er\u00adsatz\u00adflu\u00adges, da zwar nach den Versicherungsbedingungen eine Naturkatastrophe ein versichertes Ereignis ist, die Corona-Pandemie jedoch nicht als Naturkatastrophe angesehen werden kann. Der Reiseabbruch des Kl\u00e4gers am 27.3.2020 erfolgte w\u00e4hrend der ersten Welle der Corona-Pandemie f\u00fcr eine Reise, die er bereits vor der Pandemie am 27.1.2020 f\u00fcr die Mehrkosten einer eventuellen vorzeitigen R\u00fcckreise versicherte. Nach den abschlie\u00dfend im Versicherungsvertrag genannten Ereignissen bestand Versicherungsschutz zwar bei einer Na\u00adtur\u00adka\u00adta\u00adstro\u00adphe, nicht aber bei einer Pandemie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zutreffend ist das Gericht davon ausgegangen, dass die weltweite Corona-Pandemie seit ihrer Ausrufung am 11.3.2020 durch die WTO bis zum heutigen Tage keine Naturkatastrophe ist. Dass die Corona-Pandemie als Risiko f\u00fcr die menschliche Gesundheit ein unvermeidbarer au\u00dfergew\u00f6hnliche Umstand im Sinne<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>des einheitlichen Begriffskonzeptes der EU-Passagierrechte-VO insbesondere des Art. 5 III der Fluggastrechte-VO 261\/2004 darstellt, haben die Gerichte und das Schrifttum einzelfallbezogen in den Jahren 2020 und 2021 f\u00fcr Reisen, die vor dem Ausbruch gebucht wurden, f\u00fcr die F\u00e4lle des entsch\u00e4digungslosen R\u00fccktritts vom Pauschalreisevertrag weitgehend bejaht. Die Corona-Pandemie als Gesundheitsgefahr kann in den beiden Jahren nach ihrem Ausbruch sicherlich als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand bzw. als h\u00f6here Gewalt angesehen werden, da sie bis heute nicht der Kontrolle der Vertragsparteien unterliegt. Eine Reisewarnung des Ausw\u00e4rtigen Amts f\u00fcr das Reiseziel stellt ein starkes Indiz f\u00fcr das Vorliegen dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umstandes dar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Davon zu unterscheiden sind die Beeintr\u00e4chtigungen z. B. des Luftverkehrs durch die Pandemie aufgrund der staatlichen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Infektionsgefahr. Diese politischen Ma\u00dfnahmen sind eine Folge der Pandemie! Die dadurch verursachten Einschr\u00e4nkungen und beh\u00f6rdlichen Ma\u00dfnahmen wie Flugverbote sind keine unvermeidbaren, au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nde, sondern z\u00e4hlen als Folge der Pandemie zur den mehr oder weniger starken Beeintr\u00e4chtigen einer Reise iSd. \u00a7 651h III BGB.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dem Gericht ist zu folgen, dass es sich bei der Co\u00adro\u00adna-Pan\u00adde\u00admie wegen des Fehlens un\u00admit\u00adtel\u00adba\u00adrer phy\u00adsi\u00adscher Aus\u00adwir\u00adkun\u00adgen, lo\u00adka\u00adlem Auf\u00adtre\u00adten und zeit\u00adli\u00adcher Ein\u00adgren\u00adzung um keine ty\u00adpi\u00adsche Na\u00adtur\u00adka\u00adta\u00adstro\u00adphe handelt. Von einer Naturkatastrophe kann doch nur ausgegangen werden bei geophysikalischen (Erdbeben, Vulkanausbr\u00fcche), meteorologischen (z.\u2009B. St\u00fcrme), hydrologischen (z.\u2009B. \u00dcberschwemmungen) und klimatologischen (z.\u2009B. Waldbr\u00e4nde, D\u00fcrre, Temperaturextreme) gewaltigen pl\u00f6tzlichen Naturereignissen. Staatliche Eingriffe auf die Um\u00adwelt, ins\u00adbe\u00adson\u00adde\u00adre auf das \u00f6f\u00adfent\u00adli\u00adche Leben, treten erst als Folge der staat\u00adli\u00adchen Schutz\u00adma\u00df\u00adnah\u00admen ein\u00ad. So ist auch die k\u00fcrzlich durch das Ausw\u00e4rtige Amt erfolgte Hochstufung S\u00fcdafrikas als Virusvariantengebiet auf Grund der Variante Omicron ein po\u00adli\u00adti\u00adscher Er\u00admes\u00adsens\u00adak\u00adt zur Eind\u00e4mmung der Infektionsgefahr, aber f\u00fcr sich genommen noch kein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand bzw. h\u00f6here Gewalt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Gericht weist zutreffend auch darauf hin, dass auch in zeit\u00adli\u00adcher Hin\u00adsicht sich die Co\u00adro\u00adna-Pan\u00adde\u00admie von einer Na\u00adtur\u00adka\u00adta\u00adstro\u00adphe unterscheidet. Bei eine Naturkatastrophe be\u00adsteht die Ge\u00adfah\u00adren\u00adquel\u00adle ty\u00adpi\u00adscher\u00adwei\u00adse f\u00fcr einen nur be\u00adgrenz\u00adten Zeit\u00adraum. Die Ge\u00adfahr durch das Co\u00adro\u00adna\u00advi\u00adrus be\u00adsteht aber be\u00adreits seit fast zwei Jahren mit verschiedenen Wellen und wird auch noch im n\u00e4chsten Jahr die Welt und die Gerichte in Atem halten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Urteil des AG M\u00fcnchen (275 C 23753\/20), das bereits am 20.5.2021 erging, ist zuzustimmen. 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