{"id":2307,"date":"2022-11-18T09:15:11","date_gmt":"2022-11-18T08:15:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2307"},"modified":"2022-11-18T09:15:45","modified_gmt":"2022-11-18T08:15:45","slug":"montagsblog-262","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2022\/11\/18\/montagsblog-262\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um ein nicht allt\u00e4gliches Kriterium f\u00fcr die Gesetzesauslegung.<\/em><\/p>\n<p><strong>Reichweite der Schonfrist nach \u00a7\u00a0569 Abs.\u00a03 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 BGB<br \/>\n<\/strong>BGH, Urteil vom 5.\u00a0Oktober 2022 \u2013 VIII\u00a0ZR\u00a0307\/21<\/p>\n<p><em>Der VIII.\u00a0Zivilsenat best\u00e4tigt seine Rechtsprechung und st\u00fctzt sie auf ein zus\u00e4tzliches Argument.<\/em><\/p>\n<p>Der Beklagte ist seit 1984 Mieter einer Wohnung in Berlin. Seit 2012 zahlte er eine um 20\u00a0% (von 307 auf 240 Euro) reduzierte Miete, weil die Wohnung nach dem Anbau eines Balkons verschattet und ein Spielplatz entfernt worden sei. Die Kl\u00e4gerin erwarb die Wohnung im Jahr 2014. Im Jahr 2017 klagte sie auf Zahlung der aufgelaufenen Mietr\u00fcckst\u00e4nde. Die Klage hatte in erster Instanz vollst\u00e4ndig und in zweiter Instanz zum \u00fcberwiegenden Teil Erfolg. Daraufhin erkl\u00e4rte die Kl\u00e4gerin im Jahr 2018 wegen der Mietr\u00fcckst\u00e4nde die fristlose, hilfsweise die ordentliche K\u00fcndigung des Mietverh\u00e4ltnisses. Nach Zustellung der R\u00e4umungsklage zahlte der Beklagte die r\u00fcckst\u00e4ndige Miete.<\/p>\n<p>Die R\u00e4umungsklage hatte in erster Instanz Erfolg. Das LG wies sie auf die Berufung des Beklagten ab.<\/p>\n<p>Der BGH verweist die Sache an das LG zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des LG kann die nachtr\u00e4gliche Begleichung der Mietr\u00fcckst\u00e4nde gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0569 Abs.\u00a03 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 BGB allenfalls zur Unwirksamkeit der fristlosen K\u00fcndigung f\u00fchren, nicht aber zur Unwirksamkeit der ordentlichen K\u00fcndigung.<\/p>\n<p>Der BGH h\u00e4lt an dieser von ihm seit 2006 vertretenen Rechtsauffassung auch im Lichte der daran wiederholt ge\u00e4u\u00dferten Kritik des LG fest. Zur Begr\u00fcndung verweist er auf eine fr\u00fchere Entscheidung. Erg\u00e4nzend tritt er dem vom LG angef\u00fchrten Argument entgegen, dem seitherigen Schweigen des Gesetzgebers k\u00f6nne kein Best\u00e4tigungswille entnommen werden: Der Gesetzgeber habe die Rechtsprechung des Senats nicht lediglich unbeanstandet gelassen. Vielmehr habe er mehrfach Gesetzesantr\u00e4ge, die auf eine abweichende Regelung abzielten, ausdr\u00fccklich abgelehnt. Dies spreche im Ergebnis eindeutig daf\u00fcr, dass der Gesetzgeber das Normverst\u00e4ndnis des Senats weiterhin als geltende Rechtspraxis ansehe und an diesem Rechtzustand keine \u00c4nderungen vornehmen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em><\/span> F\u00fcr die Wirksamkeit der ordentlichen K\u00fcndigung kann von Bedeutung sein, ob der Mieter die Zahlung wegen geltend gemachter M\u00e4ngel verweigert hat oder deshalb, weil er zur Zahlung nicht in der Lage war und die Sozialbeh\u00f6rden ihn nicht in der gebotenen Weise unterst\u00fctzt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um ein nicht allt\u00e4gliches Kriterium f\u00fcr die Gesetzesauslegung. 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