{"id":2386,"date":"2023-01-06T15:34:41","date_gmt":"2023-01-06T14:34:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2386"},"modified":"2023-01-06T15:34:41","modified_gmt":"2023-01-06T14:34:41","slug":"montagsblog-267","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2023\/01\/06\/montagsblog-267\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um die Pr\u00e4klusion von Vorbringen nach einer gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0264 ZPO privilegierten Antrags\u00e4nderung im Berufungsverfahren.<\/em><\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4klusion von Vorbringen nach privilegierter Antrags\u00e4nderung<br \/>\n<\/strong>BGH, Urteil vom 15.\u00a0Dezember 2022 \u2013 I\u00a0ZR\u00a0135\/21<\/p>\n<p><em>Der I.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a0264, \u00a7\u00a0533 und \u00a7\u00a0531 Abs.\u00a02 ZPO. <\/em><\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Kl\u00e4gerin nahm das beklagte Logistikunternehmen wegen Besch\u00e4digung von zwei nach Russland versandten Maschinen auf Schadensersatz in H\u00f6he von rund 149.000 Euro in Anspruch. Die Klage war in erster Instanz im Wesentlichen erfolgreich.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Berufungsverfahrens wurde \u00fcber das Verm\u00f6gen der Kl\u00e4gerin das Insolvenzverfahren er\u00f6ffnet. Der Insolvenzverwalter nahm den Rechtsstreit auf und beantragte, die Beklagte zur Zahlung an den Haftpflichtversicherer zu verurteilen. Er machte geltend, der Versicherer habe den Schaden nach Klageerhebung schon in erster Instanz reguliert, weshalb der Klageanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a086 Abs.\u00a01 VVG auf diesen \u00fcbergegangen sei. Zudem habe die Kl\u00e4gerin die Forderung im Rahmen der Regulierung an den Versicherer abgetreten. Die Beklagte bestritt den Vortrag zu Regulierung und Abtretung.<\/p>\n<p>Das OLG wies die Klage ab.<\/p>\n<p>Die dagegen gerichtete Revision des Insolvenzverwalters bleibt ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Der BGH legt ausf\u00fchrlich dar, dass der Insolvenzverwalter zur Klage befugt ist. Nach dem insoweit zugrunde zu legenden Kl\u00e4gervortrag blieb die urspr\u00fcngliche Kl\u00e4gerin gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0265 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 ZPO zur Geltendmachung des Anspruchs befugt, weil dieser erst nach Rechtsh\u00e4ngigkeit auf den Haftpflichtversicherer \u00fcbergegangen ist. Der Insolvenzverwalter darf den Prozess um diese Forderung jedenfalls deshalb aufnehmen, weil die Versicherungsnehmerin gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a086 Abs.\u00a02 VVG bei der Durchsetzung einer auf den Versicherer \u00fcbergegangenen Forderung soweit erforderlich mitwirken muss und die Verletzung dieser Pflicht zu einer Belastung der Masse mit Schadensersatzforderungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Der \u00c4nderung des Klageantrags in der Berufungsinstanz ist unabh\u00e4ngig von den Voraussetzungen des \u00a7\u00a0533 ZPO zul\u00e4ssig, weil es sich um eine Anpassung an sp\u00e4tere Ver\u00e4nderungen im Sinne von \u00a7\u00a0264 Nr.\u00a03 ZPO handelt.<\/p>\n<p>Das OLG hat die Klage aber zu Recht als unbegr\u00fcndet angesehen, weil der der behauptete und bestrittene Anspruchs\u00fcbergang auf den Haftpflichtversicherer kraft Gesetzes oder Abtretung nicht bewiesen ist und die diesbez\u00fcglichen Beweisantr\u00e4ge des Kl\u00e4gers gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0531 Abs.\u00a02 ZPO der Pr\u00e4klusion unterliegen. Diese Vorschrift gilt auch f\u00fcr Angriffsmittel, die der Begr\u00fcndung eines nach \u00a7\u00a0264 ZPO in zul\u00e4ssiger Weise ge\u00e4nderten Antrags dienen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em> <\/span>Bestreitet der Beklagte den vom Kl\u00e4ger behaupteten Anspruchs\u00fcbergang auf einen Dritten, sollte der Kl\u00e4ger zumindest hilfsweise auf Zahlung an sich selbst klagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um die Pr\u00e4klusion von Vorbringen nach einer gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0264 ZPO privilegierten Antrags\u00e4nderung im Berufungsverfahren. Pr\u00e4klusion von Vorbringen nach privilegierter Antrags\u00e4nderung BGH, Urteil vom 15.\u00a0Dezember 2022 \u2013 I\u00a0ZR\u00a0135\/21 Der I.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a0264, \u00a7\u00a0533 und \u00a7\u00a0531 Abs.\u00a02 ZPO. 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