{"id":2471,"date":"2023-03-07T14:11:14","date_gmt":"2023-03-07T13:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2471"},"modified":"2023-03-07T14:11:14","modified_gmt":"2023-03-07T13:11:14","slug":"blog-powered-by-zoeller-tuecken-der-elektronischen-signatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2023\/03\/07\/blog-powered-by-zoeller-tuecken-der-elektronischen-signatur\/","title":{"rendered":"Blog powered by Z\u00f6ller: T\u00fccken der elektronischen Signatur"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDoppelt gen\u00e4ht h\u00e4lt besser\u201c, sagt der Volksmund. F\u00fcr den elektronischen Rechtsverkehr gilt dies aber nicht unbedingt. Wenn ein Anwalt n\u00e4mlich einen \u00fcber sein beA versandten Schriftsatz \u2013 unn\u00f6tigerweise \u2013 mit qualifizierter elektronischer Signatur (qeS) versehen hat, ist die Einreichung gleichwohl unwirksam, sofern der Schriftsatz die einfache Signatur (d.h. die Namensangabe) eines anderen Rechtsanwalts tr\u00e4gt. So haben es jedenfalls ein Strafsenat des BGH (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=rs.bgh.20221018.3str262\/22\">3 StR 262\/22<\/a>) und das BayObLG (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2023-N-232?hl=true\">207 StRR 2\/23<\/a>) unter Verweis darauf entschieden, dass die den Schriftsatz verantwortende und die versendende Person identisch sein m\u00fcssen. Dies kann man allerdings auch anders sehen. \u00a0So hat das BAG entschieden, dass der versendende beA-Inhaber durch die Anbringung seiner qeS, die ja die fr\u00fchere handschriftliche Unterschrift ersetzt, die Verantwortung f\u00fcr den Inhalt des Dokuments \u00fcbernimmt, also \u201everantwortende Person\u201c i.S.d. <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_zpo_130\">\u00a7 130a Abs. 3 ZPO<\/a> (BAG v. 24.10.2019 \u2013 8 AZN 589\/19, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2020.04.i.0240.01.e\">MDR 2020, 240<\/a>) wird. Ob sich diese Auffassung durchsetzen wird, ist freilich ungewiss. Vorsorglich sollten daher die sicheren Wege beschritten werden, d.h. das Schriftst\u00fcck entweder mit der qeS des Verfassers oder mit der einfachen Signatur des beA-Versenders, ggf. mit Vertretungszusatz; versehen werden (s. <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zpo.zpo.k0130a\">Z\u00f6ller\/<em>Greger<\/em>, \u00a7 130a \u00a0ZPO Rn. 11<\/a>). Ob die Doppelnaht alleine h\u00e4lt, ist ungewiss.<\/p>\n<p>Was aber beim elektronischen Rechtsverkehr sicher nicht geht, ist das Zusammenn\u00e4hen mehrerer Dokumente. Dies musste ein Anwalt leidvoll erfahren, der beim Versand einer Berufungsschrift versehentlich nicht den Schriftsatz, sondern die beizuf\u00fcgende Urteilsabschrift mit seiner qeS versehen hat. Seinem Argument, dass man die Sendung doch als Einheit sehen m\u00fcsse und nach fr\u00fcherem Recht die fehlende Unterschrift durch die Unterzeichnung einer Anlage ersetzt werden konnte (s. <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zpo.zpo.k0130\">Z\u00f6ller\/<em>Greger<\/em>, \u00a7 130 ZPO Rn. 19<\/a>), hielt der BGH entgegen, dass <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/ervv\/__4.html\">\u00a7 4 Abs. 2 ERVV<\/a> eine gemeinsame Signatur mehrerer Dokumente ausschlie\u00dft; die (unn\u00f6tige) Signatur der Anlage lasse nicht erkennen, dass der Versender des Schriftsatzes die Verantwortung f\u00fcr diesen \u00fcbernehmen wollte (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=rs.bgh.20230119.vzb28\/22\">BGH, Beschl. v. 19.1.2023\u00a0\u2013 V ZB 28\/22<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Wie immer<\/strong>: Die wichtigste aktuelle Rechtsprechung finden Sie im Z\u00f6ller s. <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zpo.zpo.k0130a\">\u00a7 130a ZPO Rn. 8, 9 und 11<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDoppelt gen\u00e4ht h\u00e4lt besser\u201c, sagt der Volksmund. 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