{"id":2575,"date":"2023-06-11T11:45:38","date_gmt":"2023-06-11T09:45:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2575"},"modified":"2023-06-11T11:45:38","modified_gmt":"2023-06-11T09:45:38","slug":"montagsblog-283","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2023\/06\/11\/montagsblog-283\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um die Haftung f\u00fcr Ver\u00e4nderungen des Wasserabflusses von einem Grundst\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wasserabfluss von landwirtschaftlich genutztem Grundst\u00fcck<br \/>\n<\/strong>BGH, Urteil vom 20.\u00a0April 2023 \u2013 III\u00a0ZR\u00a092\/22<\/p>\n<p><em>Der III.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit den Grenzen der Haftung aus \u00a7\u00a037 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 WHG. <\/em><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger sind Miteigent\u00fcmer eines mit einem Mehrfamilienhaus bebauten Grundst\u00fccks. Etwa 800\u00a0m oberhalb liegen Ackerfl\u00e4chen, die der Beklagte seit rund 20 Jahren landwirtschaftlich nutzt. Im Jahr 2014 baute der Beklagte erstmals nach l\u00e4ngerer Zeit wieder Kartoffeln statt Getreide an. Hierzu zog er Ackerfurchen, die nach dem Vortrag der Kl\u00e4ger l\u00e4ngs zum Gef\u00e4lle verliefen. Nach zwei Starkregenereignissen im Juli und August 2014 drang in das Kellergeschoss des den Kl\u00e4gern geh\u00f6renden Geb\u00e4udes Wasser ein. Die Kl\u00e4ger machen geltend, hierf\u00fcr sei ein verst\u00e4rkter Wasserabfluss infolge der vom Beklagten angelegten Furchen urs\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Die auf Ersatz der durch eindringendes Wasser verursachten Sch\u00e4den gerichtete Klage blieb in den beiden ersten Instanzen ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Der BGH verweist die Sache an das OLG zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das nachbarliche Verh\u00e4ltnis zwischen den Parteien bestimmt sich nach \u00a7\u00a037 WHG. Die im Streitfall ma\u00dfgebliche Regelung in \u00a7\u00a037 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 WHG, wonach der nat\u00fcrliche Ablauf wild abflie\u00dfenden Wassers nicht zum Nachteil eines tiefer liegenden Grundst\u00fccks verst\u00e4rkt oder auf andere Weise ver\u00e4ndert werden darf, ist ein Schutzgesetz im Sinne von \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB.<\/p>\n<p>Im Ansatz zu Recht ist das OLG davon ausgegangen, dass \u00a7\u00a037 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 WHG einschr\u00e4nkend dahin auszulegen ist, dass \u00c4nderungen des Ablaufs, die sich im Rahmen der bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Benutzung halten, von den Nachbarn grunds\u00e4tzlich hinzunehmen sind. Bei einem landwirtschaftlich genutzten Grundst\u00fcck gilt dies auch f\u00fcr einen Wechsel der Anbauart.<\/p>\n<p>Auch die landwirtschaftliche Nutzung unterliegt jedoch dem Gebot der gegenseitigen R\u00fccksichtnahme. Bei einer \u00c4nderung der landwirtschaftlichen Nutzung darf der Abfluss wild ablaufenden Oberfl\u00e4chenwassers deshalb nur insoweit verst\u00e4rkt werden, als dies eine notwendige Folge dieser Nutzungs\u00e4nderung ist. Diese Grenze w\u00e4re im Streitfall \u00fcberschritten, wenn die f\u00fcr den Anbau von Kartoffeln erforderlichen Ackerfurchen auch quer zum Gef\u00e4lle h\u00e4tten angelegt werden k\u00f6nnen und dies dem Abfluss des Oberfl\u00e4chenwassers entgegengewirkt h\u00e4tte. Ob diese Voraussetzungen erf\u00fcllt sind, wird das OLG im wieder er\u00f6ffneten Berufungsverfahren zu kl\u00e4ren haben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em> <\/span>Erweist sich das Verhalten des St\u00f6rers als rechtswidrig, aber nicht schuldhaft, kommt ein Ausgleichsanspruch entsprechend \u00a7\u00a0906 Abs.\u00a02 BGB in Betracht, sofern der Betroffene keine zumutbare M\u00f6glichkeit hatte, gegen die Beeintr\u00e4chtigung schon vor dem Schadensereignis mit einem Abwehranspruch aus \u00a7\u00a01004 Abs.\u00a01 BGB vorzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um die Haftung f\u00fcr Ver\u00e4nderungen des Wasserabflusses von einem Grundst\u00fcck. Wasserabfluss von landwirtschaftlich genutztem Grundst\u00fcck BGH, Urteil vom 20.\u00a0April 2023 \u2013 III\u00a0ZR\u00a092\/22 Der III.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit den Grenzen der Haftung aus \u00a7\u00a037 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 WHG. 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