{"id":2812,"date":"2023-11-12T13:52:27","date_gmt":"2023-11-12T12:52:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2812"},"modified":"2023-11-12T13:52:27","modified_gmt":"2023-11-12T12:52:27","slug":"montagsblog-301","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2023\/11\/12\/montagsblog-301\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um den Widerruf eines prozessualen Anerkenntnisses.<\/em><\/p>\n<p><strong>Widerruf eines prozessualen Anerkenntnisses wegen \u00c4nderung relevanter Umst\u00e4nde<br \/>\n<\/strong>BGH, Beschluss vom 20.\u00a0September 2023 \u2013 XII\u00a0ZB\u00a0177\/22<\/p>\n<p><em>Der XII.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit den Voraussetzungen von \u00a7\u00a0323 Abs.\u00a01 ZPO in einem Verfahren wegen Kindesunterhalt. <\/em><\/p>\n<p>Die im Jahr 2011 geborene Antragstellerin, die bei ihrer vom Antragsgegner geschiedenen Mutter lebt, verlangt von ihrem Vater Kindesunterhalt in H\u00f6he von rund 3.000 Euro pro Monat. In erster Instanz ist der Antragsgegner dem Begehren zun\u00e4chst nur insoweit entgegengetreten, als es \u00fcber einen Betrag hinausgeht, der 272\u00a0% des Mindestunterhalts nach der D\u00fcsseldorfer Tabelle entspricht. Sp\u00e4ter hat er geltend gemacht, nur 200\u00a0% des Mindestunterhalts zu schulden, und mit einem Widerantrag die Erstattung \u00fcberzahlter Betr\u00e4ge gefordert.<\/p>\n<p>Das AG hat der Antragstellerin monatlichen Unterhalt in H\u00f6he von rund 2.200 Euro zugesprochen. Das OLG hat diesen Betrag auf rund 1.800 Euro reduziert.<\/p>\n<p>Der BGH verweist die Sache an das OLG zur\u00fcck, weil dieses mehrere Unterhaltsposten rechtsfehlerhaft beurteilt hat \u2013 \u00fcberwiegend zu Lasten der Antragstellerin, hinsichtlich eines Punkts zu Lasten des Antragsgegners.<\/p>\n<p>Der BGH tritt dem OLG jedoch darin bei, dass der Antragsgegner an sein Teilanerkenntnis hinsichtlich eines Betrags von 272\u00a0% des Mindestunterhalts (rund 1.300 Euro) gebunden ist. Ein Anerkenntnis im Sinne von \u00a7\u00a0307 ZPO darf zwar widerrufen werden, wenn nachtr\u00e4glich \u00c4nderungen eintreten, die nach \u00a7\u00a0323 Abs.\u00a01 ZPO zur \u00c4nderung des Unterhaltstitels f\u00fchren. Der vom Antragsgegner geltend gemachte Umstand, die D\u00fcsseldorfer Tabelle sei nach einer \u00c4nderung der BGH-Rechtsprechung (BGH, B. v. 16.9.2020 \u2013 XII\u00a0ZB\u00a0499\/19, BGHZ 227, 41= MDR 2020, 1447) entgegen seiner Erwartung nicht bis auf eine Stufe von 272\u00a0% des Mindestsatzes erweitert worden, sondern nur bis 200\u00a0%, reicht hierf\u00fcr aber nicht aus.<\/p>\n<p>\u00c4nderungen der D\u00fcsseldorfer Tabelle sind kein Ab\u00e4nderungsgrund im Sinne von \u00a7\u00a0323 Abs.\u00a01 ZPO. Sie bilden zwar Ver\u00e4nderungen der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse ab, stellen aber selbst keine solche Ver\u00e4nderung dar. Die Erwartung des Antragsgegners, die D\u00fcsseldorfer Tabelle werde bis auf einen Satz von 272\u00a0% erg\u00e4nzt, ist in diesem Zusammenhang erst recht nicht relevant.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em><\/span> Um Unklarheiten zu vermeiden, sollten Bezugnahmen auf die D\u00fcsseldorfer Tabelle in Unterhaltsvereinbarungen dynamisch ausgestaltet, also auf die jeweils g\u00fcltige Fassung der Tabelle gerichtet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um den Widerruf eines prozessualen Anerkenntnisses. Widerruf eines prozessualen Anerkenntnisses wegen \u00c4nderung relevanter Umst\u00e4nde BGH, Beschluss vom 20.\u00a0September 2023 \u2013 XII\u00a0ZB\u00a0177\/22 Der XII.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit den Voraussetzungen von \u00a7\u00a0323 Abs.\u00a01 ZPO in einem Verfahren wegen Kindesunterhalt. 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