{"id":2965,"date":"2024-02-07T14:17:53","date_gmt":"2024-02-07T13:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=2965"},"modified":"2024-02-07T16:48:34","modified_gmt":"2024-02-07T15:48:34","slug":"blog-powered-by-zoeller-video-verhandlung-und-faires-verfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2024\/02\/07\/blog-powered-by-zoeller-video-verhandlung-und-faires-verfahren\/","title":{"rendered":"Blog powered by Z\u00f6ller: Video-Verhandlung und faires Verfahren"},"content":{"rendered":"<p>Die m\u00fcndliche Verhandlung per Video-\u00dcbertragung (\u00a7 128a ZPO) soll den Zivilprozess erleichtern und beschleunigen. Zunehmend m\u00fcssen sich aber Rechtsmittelgerichte mit R\u00fcgen eines verfahrensfehlerhaften Ablaufs befassen \u2013 j\u00fcngst auch das Bundesverfassungsgericht (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=nste2930416b004f46a8be68ebd8772667ef\">BVerfG, Beschl. v. 15.1.2024 \u2013 1 BvR 1615\/23)<\/a>. Die Kl\u00e4ger in einem finanzgerichtlichen Verfahren \u00a0hatten mit der Verfassungsbeschwerde ger\u00fcgt, ihr Recht auf den gesetzlichen Richter sei dadurch verletzt worden, dass die eingesetzte Kamera nur die gesamte Richterbank abbildete und nicht die M\u00f6glichkeit bot, mittels einer von ihnen steuerbarer Zoomfunktion die Unvoreingenommenheit der Richter durch einen Blick ins Gesicht zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Die Verfassungsbeschwerde st\u00fctzte sich auf eine Entscheidung des <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=rs.bfh.20230630.vb13\/22\">BFH vom 30.6.2023 \u2013 V B 13\/22<\/a>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2023.17.i.1131.01.e\">MDR 2023, 1131<\/a> (mit Anm. <em><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2023.21.i.1366.01.e\">Greger<\/a><\/em><em><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2023.21.i.1366.01.e\">, <\/a><\/em><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=mdr.2023.21.i.1366.01.e\">MDR 2023, 1366<\/a>; s. auch <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=y-wpmdr.2659\">Blog vom 4.8.202<\/a><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=y-wpmdr.2659\">3<\/a>), mit der eine Verletzung des \u00a0Rechts auf den gesetzlichen Richter bejaht wurde, weil bei der Video-\u00dcbertragung\u00a0 nicht alle Richter st\u00e4ndig zu sehen waren. Von diesem hohen verfassungsrechtlichen Podest hat das BVerfG die Unzul\u00e4nglichkeiten der Video-Verhandlung aber heruntergeholt. Die Garantie des gesetzlichen Richters werde durch solche nicht verletzt; allenfalls k\u00f6nne das Recht auf ein faires Verfahren tangiert sein. Dazu geh\u00f6re n\u00e4mlich, dass die Verfahrensbeteiligten die Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Richterbank \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen, und daran k\u00f6nne es fehlen, wenn bei Videoverhandlungen aus der Distanz gefilmt wird und die \u00dcbertragungsqualit\u00e4t hinter der Beobachtungsm\u00f6glichkeit bei Anwesenheit vor Ort zur\u00fcckbleibt.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Fall hatten die Beschwerdef\u00fchrer nicht vorgetragen, dass eine solche Beschr\u00e4nkung vorlag und von ihnen in der Verhandlung beanstandet wurde. Die Verfassungsbeschwerde wurde daher nicht zur Entscheidung angenommen. Dem Nichtannahmebeschluss sind gleichwohl zwei wichtige Aussagen zu entnehmen:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Grundsatz des fairen Verfahrens erfordert bei Videoverhandlungen eine \u00dcbertragungstechnik, die es den Beteiligten erm\u00f6glicht, die Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Richterbank zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hieran kann es fehlen, wenn wegen zu gro\u00dfer Distanz die K\u00f6rpersprache nicht hinreichend wahrnehmbar ist.<\/li>\n<li>Beeintr\u00e4chtigungen des fairen Verfahrens durch Unzul\u00e4nglichkeiten der Video-Technik sind sogleich zu beanstanden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der auf den absoluten Revisionsgrund des \u201egesetzlichen Richters\u201c gest\u00fctzten Ansicht des BFH, \u00dcbertragungsm\u00e4ngel k\u00f6nnten auch noch nachtr\u00e4glich ger\u00fcgt werden, hat der Beschluss die Grundlage entzogen. Es bleibt aber das Risiko, dass eine Video-Verhandlung abgebrochen werden muss, weil eine Partei die Unzul\u00e4nglichkeit der \u00dcbertragungsqualit\u00e4t r\u00fcgt.<\/p>\n<p>In der Online-Ausgabe des Z\u00f6ller ist der Beschluss des\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=nste2930416b004f46a8be68ebd8772667ef\">BVerfG v. 15.1.2024 \u2013 1 BvR 1615\/23<\/a><\/strong> bereits ber\u00fccksichtigt, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zpo.zpo.k0128a\">Z\u00f6ller\/<em>Greger<\/em>, ZPO, 35. Aufl., \u00a7 128a ZPO Rn. 6.2<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die m\u00fcndliche Verhandlung per Video-\u00dcbertragung (\u00a7 128a ZPO) soll den Zivilprozess erleichtern und beschleunigen. Zunehmend m\u00fcssen sich aber Rechtsmittelgerichte mit R\u00fcgen eines verfahrensfehlerhaften Ablaufs befassen \u2013 j\u00fcngst auch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG, Beschl. v. 15.1.2024 \u2013 1 BvR 1615\/23). 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