{"id":328,"date":"2016-10-06T12:02:11","date_gmt":"2016-10-06T10:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=328"},"modified":"2016-10-06T12:02:11","modified_gmt":"2016-10-06T10:02:11","slug":"wer-zuerst-steht-gewinnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2016\/10\/06\/wer-zuerst-steht-gewinnt\/","title":{"rendered":"Wer (zuerst) steht, gewinnt"},"content":{"rendered":"<p>Mit zwei j\u00fcngeren Entscheidungen hat der BGH f\u00fcr ziemlichen Wirbel im Bereich der Haftung f\u00fcr Parkplatzunf\u00e4lle gesorgt. So stellte der BGH mit Urteil vom 15.12.2015\u00a0&#8211; Az.: VI ZR 6\/15, <a href=\"http:\/\/portal.ovszr.de\/Default.aspx?hitnr=1&amp;t=636092969525931250&amp;url=rn%3aanwalt%5e%5efile%3a%2f%2fR%7c%2fDoc%2fMagazines%2fMDR%2f544861.xml&amp;ref=hitlist_hl\">MDR 2016, 636 (Laumen)<\/a>\u00a0fest, dass \u201e<em>die f\u00fcr die Anwendung eines Anscheinsbeweises gegen einen R\u00fcckw\u00e4rtsfahrenden erforderliche Typizit\u00e4t des Geschehensablaufs \u2026regelm\u00e4\u00dfig nicht vor[liegt], wenn beim r\u00fcckw\u00e4rtigen Ausparken von zwei Fahrzeugen aus Parkbuchten eines Parkplatzes zwar feststeht, dass vor der Kollision ein Fahrzeugf\u00fchrer r\u00fcckw\u00e4rts gefahren ist, aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Fahrzeug im Kollisionszeitpunkt bereits stand, als der andere &#8211; r\u00fcckw\u00e4rtsfahrende &#8211; Unfallbeteiligte mit seinem Fahrzeug in das Fahrzeug hineingefahren ist.<\/em>\u201c Die Entscheidung ist im Zusammenhang mit einem Urteil vom 26.1.2016 &#8211; VI ZR 179\/15, <a href=\"http:\/\/portal.ovszr.de\/Default.aspx?hitnr=0&amp;t=636092971977650000&amp;url=rn%3aanwalt%5e%5efile%3a%2f%2fR%7c%2fDoc%2fMagazines%2fMDR%2f531967.xml&amp;ref=hitlist_hl\">MDR 2016, 267 <\/a>zu sehen, in welchem der BGH klarstellt, dass dies aber nur dann gilt, wenn wirklich einer der beiden Kontrahenten stand. Bis dahin war die \u00fcberwiegende Meinung: Nur wer schon \u201el\u00e4ngere Zeit\u201c vor der Kollision stand, konnte daraus einen Vorteil ziehen.<\/p>\n<p>Die erste Entscheidung des BGH hat einige Kritik in der Literatur erfahren. Neben praktischen Beweisproblemen werden hierf\u00fcr auch Gr\u00fcnde der materiellen Gerechtigkeit angef\u00fchrt: Es sei Zufall, wer von den Unfallbeteiligten zuerst zum Stillstand gekommen sei. Der Sorgfaltsversto\u00df liege nicht im R\u00fcckw\u00e4rtsfahren an sich, sondern darin, dass jemand \u2013 ohne auf den anderen zu achten &#8211;\u00a0begonnen habe, r\u00fcckw\u00e4rts aus der Parkbucht zu fahren.<\/p>\n<p>Dem kann aber nicht gefolgt werden: auch \u201el\u00e4ngeres Stehen\u201c kann nicht unbedingt klar definiert werden. Und was soll denn jemand noch tun, der ausparken will und daher fahren muss, als aufmerksam nach hinten zu schauen und dann stehen zu bleiben, wenn es \u201ekritisch\u201c zu werden droht? W\u00fcrde das n\u00e4mlich der andere genauso so tun, w\u00fcrde es ja nicht \u201ekrachen\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\">Hinweis:<\/span>\u00a0F\u00fcr eine\u00a0ausf\u00fchrliche\u00a0Auseinandersetzung mit den beiden BGH-Entscheidungen\u00a0und ihren Konsequenzen f\u00fcr die Praxis siehe <em>Rebler<\/em>,\u00a0<a href=\"http:\/\/portal.ovszr.de\/Default.aspx?hitnr=0&amp;t=636113519742540000&amp;url=rn%3aanwalt%5e%5efile%3a%2f%2fR%7c%2fDoc%2fMagazines%2fMDR%2f550487.xml&amp;ref=hitlist_hl\">MDR 2016, 1125<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zwei j\u00fcngeren Entscheidungen hat der BGH f\u00fcr ziemlichen Wirbel im Bereich der Haftung f\u00fcr Parkplatzunf\u00e4lle gesorgt. 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