{"id":3634,"date":"2025-03-29T16:26:08","date_gmt":"2025-03-29T15:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=3634"},"modified":"2025-03-29T16:26:08","modified_gmt":"2025-03-29T15:26:08","slug":"montagsblog-368","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2025\/03\/29\/montagsblog-368\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um die Verj\u00e4hrung von Pflichtteilsanspr\u00fcchen vor rechtskr\u00e4ftiger Feststellung der Vaterschaft<\/em><\/p>\n<p><strong>Beginn der Verj\u00e4hrung trotz Rechtsaus\u00fcbungssperre<br \/>\n<\/strong>BGH, Beschluss vom 5.\u00a0Februar 2025 \u2013 XII\u00a0ZB\u00a0187\/24<\/p>\n<p><em>Der IV.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a0199 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a02317 Abs.\u00a01 und \u00a7\u00a01600d Abs.\u00a05 BGB. <\/em><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist die nichteheliche Tochter des im August 2017 verstorbenen Erblassers. Der Beklagte war dessen eingetragener Lebenspartner und ist testamentarisch zum Alleinerben eingesetzt. Die Kl\u00e4gerin erlangte im Jahr 2017 Kenntnis vom Erbfall. Im Mai 2022 leitete sie ein Vaterschaftsfeststellungsverfahren ein. Ende Juni 2022 stellte das Amtsgericht die Vaterschaft des Erblassers fest. Die Entscheidung ist rechtskr\u00e4ftig. Die im Juni 2023 erhobene Stufenklage auf Auskunft \u00fcber den Bestand des Nachlasses und Zahlung eines entsprechenden Pflichtteils blieb vor dem LG ohne Erfolg. Das OLG hat den Beklagten im Wesentlichen antragsgem\u00e4\u00df zu Auskunft und Wertermittlung verurteilt.<\/p>\n<p>Der BGH verweist die Sache an das OLG zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des OLG ist es nicht ausgeschlossen, dass die Verj\u00e4hrung des Pflichtteilsanspruchs schon vor der Feststellung der Vaterschaft begonnen hat.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01600d Abs.\u00a05 BGB k\u00f6nnen die Rechtswirkungen der Vaterschaft zwar grunds\u00e4tzlich erst vom Zeitpunkt ihrer Feststellung geltend gemacht werden. Diese Durchsetzungssperre steht einer Entstehung des Anspruchs im Sinne von \u00a7\u00a0199 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 BGB jedoch nicht entgegen. Nach \u00a7\u00a02317 Abs.\u00a01 BGB entsteht der Anspruch auf den Pflichtteil vielmehr mit dem Erbfall.<\/p>\n<p>Die nach \u00a7\u00a0199 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 BGB erforderliche Kenntnis vom Bestehen des Anspruchs liegt allerdings erst dann vor, wenn die Vaterschaft rechtskr\u00e4ftig festgestellt ist. Eine grob fahrl\u00e4ssige Unkenntnis kann nach Auffassung des BGH hingegen schon vor diesem Zeitpunkt gegeben sein &#8211; etwa dann, wenn der Berechtigte die Einleitung des gerichtlichen Feststellungsverfahrens aufgrund eines schweren Obliegenheitsversto\u00dfes hinausgeschoben hat. Das OLG wird nach der Zur\u00fcckverweisung zu pr\u00fcfen haben, ob diese Voraussetzung im Streitfall erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em><\/span> Wenn ein Verj\u00e4hrungsbeginn wegen grob fahrl\u00e4ssiger Unkenntnis in Betracht kommt, die Verj\u00e4hrungsfrist aber auch unter dieser Pr\u00e4misse noch nicht abgelaufen ist, d\u00fcrfte es den sichersten Weg darstellen, die Pflichtteilsanspr\u00fcche rechtzeitig vor Fristende gerichtlich geltend zu machen und eine Aussetzung des Verfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0148 Abs.\u00a01 ZPO bis zum Abschluss des Vaterschaftsfeststellungsverfahrens zu beantragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um die Verj\u00e4hrung von Pflichtteilsanspr\u00fcchen vor rechtskr\u00e4ftiger Feststellung der Vaterschaft Beginn der Verj\u00e4hrung trotz Rechtsaus\u00fcbungssperre BGH, Beschluss vom 5.\u00a0Februar 2025 \u2013 XII\u00a0ZB\u00a0187\/24 Der IV.\u00a0Zivilsenat befasst sich mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a0199 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a02317 Abs.\u00a01 und \u00a7\u00a01600d Abs.\u00a05 BGB. 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