{"id":4017,"date":"2026-06-12T18:06:44","date_gmt":"2026-06-12T16:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=4017"},"modified":"2026-06-12T18:06:44","modified_gmt":"2026-06-12T16:06:44","slug":"montagsblog-426","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2026\/06\/12\/montagsblog-426\/","title":{"rendered":"Montagsblog: Neues vom BGH"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Woche geht es um die Voraussetzungen f\u00fcr die Sittenwidrigkeit eines gewerblichen Grundst\u00fccksmietvertrags wegen \u00fcberh\u00f6hter Miete.<\/em><\/p>\n<p><strong>Einholung eines Sachverst\u00e4ndigengutachtens zur markt\u00fcblichen Miete<br \/>\n<\/strong>BGH, Beschluss vom 13.\u00a0Mai 2026 \u2013 XII\u00a0ZR\u00a074\/24<\/p>\n<p><em>Der XII.\u00a0Zivilsenat verdeutlicht die Voraussetzungen f\u00fcr die Einordnung eines gewerblichen Grundst\u00fccksmietvertrags als wucher\u00e4hnliches Gesch\u00e4ft im Sinne von \u00a7\u00a0138 Abs.\u00a01 BGB.<\/em><\/p>\n<p>Der klagende Insolvenzverwalter verlangt vom Beklagten Zahlung r\u00fcckst\u00e4ndiger Untermiete.<\/p>\n<p>Die Gemeinschuldnerin hatte im Jahr 2015 Gewerber\u00e4ume angemietet, zu denen unter anderem Fitnessr\u00e4ume, eine Bar und eine Terrasse geh\u00f6rten. Die vereinbarte Miete f\u00fcr das gesamte Mietobjekt betrug rund 14.000 Euro pro Monat. Einen Teil der Mietfl\u00e4che vermietete die Gemeinschuldnerin etwa ein Jahr sp\u00e4ter f\u00fcr rund 33.000 Euro pro Monat an eine offene Handelsgesellschaft, zu deren Gesellschaftern der Beklagte geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das LG hat den Beklagten unter Abweisung der weitergehenden Klage zur Zahlung von rund 37.000 Euro verurteilt. Das OLG hat die Klage insgesamt abgewiesen.<\/p>\n<p>Die Nichtzulassungsbeschwerde des Kl\u00e4gers f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0544 Abs.\u00a09 ZPO und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das OLG.<\/p>\n<p>Das OLG durfte nicht ohne Einholung des vom Kl\u00e4ger angebotenen Sachverst\u00e4ndigengutachtens zu dem Ergebnis gelangen, dass die vereinbarte Untermiete in einem auff\u00e4lligen Missverh\u00e4ltnis zur orts- oder markt\u00fcblichen Miete stand.<\/p>\n<p>Die Einholung eines Gutachtens ist in solchen F\u00e4llen regelm\u00e4\u00dfig geboten. Sie durfte im Streitfall nicht deshalb unterbleiben, weil bereits die vereinbarte Hauptmiete an der oberen Grenze einer im Gewerbemarktbericht der \u00f6rtlichen Industrie- und Handelskammer ausgewiesenen Mietspanne f\u00fcr gewerbliche B\u00fcrofl\u00e4chen lag. Der Kl\u00e4ger hat die Vergleichbarkeit von B\u00fcror\u00e4umen mit den vermieteten R\u00e4umen bestritten. Das OLG durfte deshalb nicht ohne sachverst\u00e4ndige Hilfe die Vergleichbarkeit bejahen.<\/p>\n<p>Der BGH weist erg\u00e4nzend darauf hin, dass ein auff\u00e4lliges Missverh\u00e4ltnis zwischen Leistung und Gegenleistung bei gewerblichen Pacht- und Mietverh\u00e4ltnissen nicht die Vermutung einer verwerflichen Gesinnung begr\u00fcndet. Vielmehr ist im Einzelfall zu w\u00fcrdigen, ob das auff\u00e4llige Missverh\u00e4ltnis f\u00fcr den Beg\u00fcnstigten erkennbar war. Die Kenntnis der vereinbarten Hauptmiete reicht hierf\u00fcr nur dann aus, wenn der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gemeinschuldnerin erkennen konnte, dass diese der orts\u00fcblichen Miete entsprach.<\/p>\n<p>Wenn die benachteiligte Partei Vollkaufmann ist, besteht zudem die widerlegliche Vermutung, dass der Beg\u00fcnstigte nicht in verwerflicher Weise eine pers\u00f6nliche oder gesch\u00e4ftliche Unterlegenheit des Benachteiligten ausgenutzt hat.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><em>Praxistipp:<\/em> <\/span>Stehen vergleichbare Objekte ausnahmsweise nicht zur Verf\u00fcgung, sind gegebenenfalls andere Erfahrungswerte heranzuziehen. Auch dann darf aber der Ma\u00dfstab der Orts- bzw. Markt\u00fcblichkeit nicht verlassen werden (BGH, Urteil vom 28.\u00a0April 1999 \u2013 XII\u00a0ZR\u00a0150\/97, MDR 1999, 1432).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche geht es um die Voraussetzungen f\u00fcr die Sittenwidrigkeit eines gewerblichen Grundst\u00fccksmietvertrags wegen \u00fcberh\u00f6hter Miete. Einholung eines Sachverst\u00e4ndigengutachtens zur markt\u00fcblichen Miete BGH, Beschluss vom 13.\u00a0Mai 2026 \u2013 XII\u00a0ZR\u00a074\/24 Der XII.\u00a0Zivilsenat verdeutlicht die Voraussetzungen f\u00fcr die Einordnung eines gewerblichen Grundst\u00fccksmietvertrags als wucher\u00e4hnliches Gesch\u00e4ft im Sinne von \u00a7\u00a0138 Abs.\u00a01 BGB. 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