{"id":989,"date":"2018-04-09T15:46:28","date_gmt":"2018-04-09T13:46:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/?p=989"},"modified":"2018-04-09T15:46:49","modified_gmt":"2018-04-09T13:46:49","slug":"olg-duesseldorf-markenrechtliche-erschoepfung-bei-luxuskosmetik-aufgeweicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mdr\/2018\/04\/09\/olg-duesseldorf-markenrechtliche-erschoepfung-bei-luxuskosmetik-aufgeweicht\/","title":{"rendered":"OLG D\u00fcsseldorf: Keine markenrechtliche Ersch\u00f6pfung bei Luxuskosmetik"},"content":{"rendered":"<p>Im Markenrecht gilt der Grundsatz, dass einmal in der EU \/ im EWR mit Zustimmung des Markeninhabers in den Verkehr gebrachte Ware frei gehandelt werden darf, Markenrechte sind dann an diesen Produkte ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Der Markeninhaber darf sich nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/markeng\/__24.html\" target=\"_blank\">\u00a7 24 MarkenG<\/a> oder <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/HTML\/?uri=CELEX:32017R1001&amp;from=EN\" target=\"_blank\">Art. 15 UMV<\/a>\u00a0 einem weiteren Vertrieb nur dann widersetzen, wenn berechtigte Gr\u00fcnde hierf\u00fcr vorliegen, insbesondere wenn der Zustand der Waren nach ihrem Inverkehrbringen ver\u00e4ndert oder verschlechtert ist. In der Rechtsprechung ging es dabei zum Beispiel h\u00e4ufig um Importmedikamente, die zur Vermarktung in Hochpreism\u00e4rkten umgepackt oder umetikettiert wurden.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Fall wandte sich der Hersteller von Luxuskosmetik gegen einen Verkauf seiner Produkte in den Lokalen der REAL-Warenhauskette.<\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hatte j\u00fcngst mit der COTY-Entscheidung (EuGH, Urteil vom 6.12.2017 \u2013 C-230\/16) eine Einschr\u00e4nkung des freien Handels durch die Beschr\u00e4nkung des Internetvertriebs \u00fcber Drittplattform f\u00fcr kartellrechtskonform gehalten, wenn dies zur Sicherung des Luxusimages von Waren aus einem selektiven Vertriebssystem erforderlich ist.<\/p>\n<p>Offenbar von diesen Erw\u00e4gungen getrieben schlie\u00dft das OLG D\u00fcsseldorf nun darauf, dass auch im Markenrecht im Falle der Gef\u00e4hrdung des Luxusimages von Produkten aus einem selektiven Vertriebssystem ein berechtigter Grund zur Einschr\u00e4nkung des Grundsatzes der Ersch\u00f6pfung darstellt.<\/p>\n<p>Die Entscheidungsgr\u00fcnde aus dem einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren sind noch nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Ob die Entscheidung tats\u00e4chlich &#8222;<a href=\"https:\/\/www.noerr.com\/de\/newsroom\/PressReleases\/noerr-erstreitet-wegweisendes-urteil-f%C3%BCr-hersteller-von-luxuskosmetik-%E2%80%93-olg-d%C3%BCsseldorf-verbietet-vertrieb-von-graumarktware.aspx?langmissing=1\" target=\"_blank\">wegweisend<\/a>&#8220; ist, darf dabei aber zumindest in Frage gestellt werden. Den Weg f\u00fcr Produkte, deren Luxusimage bedroht ist, hat der EuGH bereits vor gut 20 Jahren (EuGH Urt. v. 04.11.1997, C-337\/95, Rn. 45 ff.\u00a0 &#8211;\u00a0 Dior\/Evora) und daran anschlie\u00dfend im Jahr 2009 (EuGH Urt. v. 23.04.2009, C-59\/08 Rn. 56 &#8211; Copad\/Dior) geebnet, wobei stets auf das Umfeld des Vertriebs abgestellt wurde.<\/p>\n<p>Auch in Zukunft bleibt der Weg steinig f\u00fcr Markeninhaber, die gegen einen vorgefundenen Grauvertrieb vorgehen m\u00f6chten. Weiterhin d\u00fcrften gesteigerte Anforderungen an den Umfang der Darlegungen zum Bestehen eines Luxusimages und der Frage der Beeintr\u00e4chtigung dieses Images durch den Grauvertrieb bestehen. Alteingesessene Luxuslabels d\u00fcrften es dabei deutlich einfacher haben, bieten aber auch durch enger gestrickte Vertriebssysteme weniger Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr den unerw\u00fcnschten Vertrieb abseits der imagetr\u00e4chtigen Hauptschiene. Es d\u00fcrfte daher weiterhin sinnvoll sein, die Grunds\u00e4tze der COTY-Entscheidung schon bei der Gestaltung der Warendistribution mit einzubeziehen, damit einem drohenden Graumarkt schlicht die Warenquelle fehlt.<\/p>\n<p>(OLG D\u00fcsseldorf, Urteil vom 06.04.2018, I-20 U 113\/17).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Markenrecht gilt der Grundsatz, dass einmal in der EU \/ im EWR mit Zustimmung des Markeninhabers in den Verkehr gebrachte Ware frei gehandelt werden darf, Markenrechte sind dann an diesen Produkte ersch\u00f6pft. 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