{"id":121,"date":"2018-07-12T13:43:35","date_gmt":"2018-07-12T11:43:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=121"},"modified":"2018-07-14T12:24:47","modified_gmt":"2018-07-14T10:24:47","slug":"ein-kleiner-klick-fuer-mich-ein-grosser-fuer-die-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2018\/07\/12\/ein-kleiner-klick-fuer-mich-ein-grosser-fuer-die-menschheit\/","title":{"rendered":"Ein kleiner Klick f\u00fcr mich, ein gro\u00dfer f\u00fcr die Menschheit? Einsichten und Aussichten vom BarCamp2018"},"content":{"rendered":"<p>Als ich Anfang Juni\u00a0meinen mobilen Reiseplan betrachtete, bemerkte ich eine neue Funktion. \u201eKomfort-Check-In\u201c in 5 Minuten verf\u00fcgbar, stand da. Bislang kannte ich die Funktion nur aus dem Flugzeug. Der angek\u00fcndigte\u00a0Nutzen? Ich k\u00f6nne mich getrost zur\u00fccklehnen, sobald ich eingecheckt w\u00e4re, k\u00f6nne ich ungest\u00f6rt reisen, ohne meine Fahrkarte vorzeigen zu m\u00fcssen. Ich f\u00fchlte mich direkt herausgefordert, die Deutsche Bahn in dieser neuen APP-Funktion zu erproben. Also checkte ich mich ein und wartete. Wie gewohnt\u00a0ging der Schaffner\u00a0durch die Reihen, kontrollierte die Karten und wurde wie immer mehr oder weniger freundlich dabei angesprochen. Meine Spannung stieg mit jedem Fahrgast. Schlie\u00dflich wurde mein Sitznachbar kontrolliert und &#8211; als h\u00e4tte es der Schaffner geahnt \u2013 schaute er\u00a0mich sodann vielsagend an, nickte und ging ohne mich zu kontrollieren weiter.<\/p>\n<p>Ich war zun\u00e4chst hellauf begeistert \u2013 es hatte tats\u00e4chlich funktioniert. Je weiter sich der Schaffner allerdings entfernte, umso mehr stiegen Zweifel in mir auf, ob er\u00a0ebenso\u00a0so begeistert war. Die Tatsache, dass ich auf meinen Zugfahrten nicht auf ihn warten wollte und mich von einer l\u00e4stigen Pflicht\u00a0befreit sah, hatte auch eine Schattenseite f\u00fcr ihn. Denn: eine Aufgabe, die origin\u00e4r zum T\u00e4tigkeitsfeld eines*r Schaffner*in geh\u00f6rt, w\u00fcrde zuk\u00fcnftig wegfallen. Und dass dies genauso kommen k\u00f6nne, dazu hatte ich gerade einen aktiven Beitrag geleistet. Eine kleine technische Innovation, mit nur einem Klick von mir genutzt mit m\u00f6glicherweise gro\u00dfer Wirkung. Sollten diese und \u00e4hnliche Funktionen ein Erfolg werden, was hie\u00dfe dies\u00a0f\u00fcr das Berufsbild des*r Zugbegleiters*in?<\/p>\n<p><em>Ein Klick, der mein Leben ver\u00e4ndert und der wiederum die Welt um mich herum ver\u00e4ndert? Ist es mein Bedarf, der diese Entwicklung vorantreibt? Oder \u00e4ndere ich meine Bed\u00fcrfnisse, weil ich die Chance dazu habe?\u00a0Welche Konsequenz hat mein bzw. unser Wunsch nach Vereinfachung und Komfort\u00a0langfristig?<\/em><\/p>\n<p>Einen sechzigmin\u00fctigen\u00a0Einblick in eine m\u00f6gliche und sehr baldige Zukunft gab Sascha Lobo am 8. Juni 2018 auf dem BarCamp2018 &#8222;Mediation 4.0 &#8211; Mut zur Ver\u00e4nderung&#8220; in Weimar. Er machte in einer mitrei\u00dfenden Art und Weise in seiner Keynote auf die Punkte in der Gesellschaft aufmerksam, bei denen wir als\u00a0Mensch gerne wegschauen. &#8222;Sofortness&#8220; nannte er ein wichtiges &#8222;neuzeitliches&#8220;\u00a0Bed\u00fcrfnis, das wesentliche technische Entwicklungen vorantreibe.\u00a0Unterstrichen wurde Lobos\u00a0Eindruck von Prof. Dr. Andreas Schmietendorf, der am 9. Juni 2018 sehr konkrete Konfliktlinien in der Gesellschaft aufzeigte, die entstehen werden bzw. bereits entstanden sind.<\/p>\n<p>Schnell wurde\u00a0in beiden\u00a0Vortrag deutlich, dass wir DER wesentliche Teil der gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen sind. Wir alle sind es, die sie vorantreiben UND wir sind von ihr betroffen. Die Konsequenz?<\/p>\n<p>230 Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen und Anwendungsfeldern waren\u00a0am 08. und 09. Juni 2018 nach Weimar gekommen, um die Impulse der beiden Keynote-Speaker aufzunehmen, Zukunftsfragen aus g\u00e4nzlich verschiedenen Perspektiven zu betrachten und ggf. L\u00f6sungen zu finden. Anlass war der dritte gemeinsame Mediationskongress der drei Verb\u00e4nde BAFM, BM und BMWA im neuen Format &#8211; einem BarCamp.<\/p>\n<p>Die Teilgeber*innen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz\u00a0erlebten eine selbstorganisierte Konferenz ohne vorab festgelegte Redner*innen oder Workshops; sie bestimmten die Agenda zu Beginn der beiden Veranstaltungstage selbst; anmoderiert durch unser ein professionelles Moderationsteam wurden\u00a0die Teilgeber*innen darin unterst\u00fctzt, ihre\u00a0Themen in 5 Sessionrunden einzubringen und sie in insgesamt 50 Sessions (Workshops) zur Diskussion zu stellen (mehr dazu unter <a href=\"http:\/\/www.barcamp2018.de\">www.barcamp2018.de<\/a>).<\/p>\n<p>Was ich\u00a0aus den vielf\u00e4ltigen Diskussionen mitgenommen habe?<\/p>\n<p>Interessens- und Verteilungskonflikte werden (weiter) zunehmen. Gerechtigkeitsfragen \u00fcber die Verteilung von Geld, Ressourcen und Chancen werden sich verst\u00e4rken. Die Mediation\u00a0mit ihren Prinzipien und dem zugeh\u00f6rigen Menschenbild kann einen Beitrag leisten, um die gesamtgesellschaftliche Entwicklungen in konstruktive Bahnen zu lenken sowie nachhaltig tragf\u00e4hige L\u00f6sungen in einem verantwortungsvollen Miteinander zu entwickeln &#8211; auf der pers\u00f6nlichen und politische Ebene.<\/p>\n<p>Es werden sich\u00a0zahlreiche neue Arbeitsfelder ergeben und damit auch ver\u00e4nderte Anforderungen auch an uns Mediator*innen stellen. Wir werden Menschen sowohl im Beruf als auch im Privatleben\u00a0noch bewusster \u00fcber ihre verschiedenen Traditionen und Werte miteinander in den gelingenden Austausch bringen m\u00fcssen. Es gilt, gemeinsam ein Miteinander Leben, Wohnen, Arbeiten usw. zu gestalten.\u00a0Unternehmen und Organisationen befassen sich beispielsweise schon jetzt mit einer ver\u00e4nderten Arbeitskultur\u00a0(wie z.B. der Holokratie), in der Konflikte fr\u00fchzeitig pr\u00e4ventiv\u00a0angesprochen werden sollten.\u00a0Unsere Mediationsparteien werden zuk\u00fcnftig verst\u00e4rkt an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten sein. Wir werden Wege finden,\u00a0sie\u00a0zusammenbringen &#8211; auf welcher technischen Grundlage auch immer.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist die Zukunft der Gesellschaft UND der Mediation in Weimar deutlicher geworden.\u00a0Wir m\u00fcssen uns\u00a0mit den anstehenden\u00a0Entwicklungen proaktiv auseinandersetzen. Wir k\u00f6nnen die Augen nicht davor verschlie\u00dfen. Die Ver\u00e4nderung kommt sowieso &#8211; gestalten wir sie also mit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich Anfang Juni\u00a0meinen mobilen Reiseplan betrachtete, bemerkte ich eine neue Funktion. \u201eKomfort-Check-In\u201c in 5 Minuten verf\u00fcgbar, stand da. Bislang kannte ich die Funktion nur aus dem Flugzeug. Der angek\u00fcndigte\u00a0Nutzen? Ich k\u00f6nne mich getrost zur\u00fccklehnen, sobald ich eingecheckt w\u00e4re, k\u00f6nne ich ungest\u00f6rt reisen, ohne meine Fahrkarte vorzeigen zu m\u00fcssen. 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