{"id":439,"date":"2021-05-05T15:20:59","date_gmt":"2021-05-05T13:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=439"},"modified":"2021-05-05T15:20:59","modified_gmt":"2021-05-05T13:20:59","slug":"neurobiologische-wirkfaktoren-als-ergaenzung-zum-harvard-konzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2021\/05\/05\/neurobiologische-wirkfaktoren-als-ergaenzung-zum-harvard-konzept\/","title":{"rendered":"Neurobiologische Wirkfaktoren als Erg\u00e4nzung zum Harvard-Konzept?"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Beitrag \u201eAlles nur gesunder Menschenverstand?\u201c (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2021.01.i.0031.01.a\">ZKM 1\/2021, 32 ff.<\/a>) erl\u00e4utert Adrian Schweizer seine Erkenntnisse zur Wirksamkeitsforschung psychotherapeutischer Massnahmen und zieht R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Mediation und auf das von vielen Praktikern gesch\u00e4tzte Harvard-Konzept. Dies ist begr\u00fcssenswert. Anderseits d\u00fcrfte sein Anspruch, dass sich \u00abprofessionell arbeitende\u00bb MediatorInnen neurobiologisch absichern sollten, nicht \u00fcberall auf offene Ohren stossen.<\/p>\n<p>Zum einen gewinnt man den Eindruck, der Autor erachte Konfliktparteien, die sich f\u00fcr Mediation entschieden haben, als reif f\u00fcr eine psychotherapeutische Behandlung, was eben neurobiologisch abgesicherte Interventionen erfordere. Die Ansicht, den klassischen Mediationsprozess mit solchen oder \u00e4hnlichen Massnahmen zu unterlegen oder zu erg\u00e4nzen, d\u00fcrfte aber selbst von MediatorInnen, die eine grosse Bandbreite von Vorgehensm\u00f6glichkeiten beim mediativen Wirken zulassen, als problematisch erachtet werden.<\/p>\n<p>Zum andern insinuiert der Autor, dass dem Harvard-Konzept die wissenschaftliche Grundlage fehle, indem er sich auf ein eigenwillig interpretiertes Zitat des verstorbenen Prof. Roger Fisher beruft. Die herausragende Leistung der Autoren des Harvard-Konzepts besteht vor allem darin, dass sie die Problematik des Verhandelns nicht nur <em>wissenschaftlich erforscht<\/em>, sondern daraus einen <em>allgemein verst\u00e4ndlichen, praxistauglichen und konzeptionellen Ansatz<\/em> entwickelt haben. Wenn Roger Fisher von \u201ewell-organized commonsense\u201c sprach, tat er dies, um Praktiker nicht abzuschrecken. Zugleich betonte er in seiner Bescheidenheit stets, dass das Harvard-Konzept \u201ework in progress\u201c und kein Allheilmittel zur Konfliktbehebung sei. Er unterst\u00fctzte die interdisziplin\u00e4re Forschung, betonte jedoch stets, dass man beim Harvard-Konzept bewusst auf therapeutische Ans\u00e4tze verzichtet habe.<\/p>\n<p>Nicht nur als Verhandelnder, sondern auch als erfolgreicher Vermittler auf h\u00f6chster Ebene wusste Roger Fisher, dass Interventionen, die im klinischen Bereich sinnvoll sind, wenig hilfreich sind in einem Mediationsverfahren, da sie von den Konfliktparteien als \u00fcbergriffig oder manipulativ empfunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ulrich Egger<\/p>\n<p>Senior Partner<br \/>\nwww.eggerphilips.ch<br \/>\nwww.mediartis.ch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Beitrag \u201eAlles nur gesunder Menschenverstand?\u201c (ZKM 1\/2021, 32 ff.) erl\u00e4utert Adrian Schweizer seine Erkenntnisse zur Wirksamkeitsforschung psychotherapeutischer Massnahmen und zieht R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Mediation und auf das von vielen Praktikern gesch\u00e4tzte Harvard-Konzept. 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