{"id":443,"date":"2021-05-09T10:55:52","date_gmt":"2021-05-09T08:55:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=443"},"modified":"2021-05-09T10:55:52","modified_gmt":"2021-05-09T08:55:52","slug":"die-sache-mit-der-zertifizierung-vier-fragen-zum-nachdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2021\/05\/09\/die-sache-mit-der-zertifizierung-vier-fragen-zum-nachdenken\/","title":{"rendered":"Die Sache mit der Zertifizierung: Vier Fragen zum Nachdenken"},"content":{"rendered":"<p>Auftakt zur dritten Runde: Knapp neun Jahre nach dem Inkrafttreten des Mediationsgesetzes und knapp vier Jahre nach dem Erlass der Zertifizierungs-Verordnung gibt es aktuell einen neuen Versuch, die Qualit\u00e4t und Reputation des Mediationsverfahrens zu st\u00e4rken. Auf dem Tisch des Bundesministeriums der Justiz und f\u00fcr Verbraucherschutz (BMJV) liegen Vorschl\u00e4ge zur Errichtung einer zentralen Zertifizierungsstelle bzw. einer Mediatorenkammer. Im Wege einer Neufassung der Zertifizierungs-Verordnung k\u00f6nnte eine solche Institution mit der Zertifizierung von Mediatoren betraut werden.<\/p>\n<p>Der Gedanke dahinter: Durch Schaffung einer neutralen Einrichtung k\u00f6nnte man einen Geburtsfehler der Zertifizierungs-Verordnung aus dem Jahr 2017 beseitigen. Anders als die Bezeichnung \u201ezertifiziert\u201c suggeriert, werden zertifizierte Mediatoren bisher n\u00e4mlich nicht durch eine Institution gepr\u00fcft, sondern sie bescheinigen sich durch die F\u00fchrung der Bezeichnung selbst, die Anforderungen der Verordnung einzuhalten, d.h. eine Pr\u00e4senzausbildung von 120 Zeitstunden absolviert zu haben, eine Handvoll Mediationsf\u00e4lle per Supervision reflektiert zu haben und sich regelm\u00e4\u00dfig fortzubilden. Dieses Konzept einer Selbstzertifizierung stand von Beginn an in der Kritik. Die Frage ist freilich: In welche Richtung sollte man das gegenw\u00e4rtige System nun weiterentwickeln?<\/p>\n<p>Die Beantwortung dieser Frage scheint mir von einigen Grundannahmen abzuh\u00e4ngen, die den aktuell diskutierten Vorschl\u00e4gen zugrunde liegen. Ich m\u00f6chte sie einmal in vier Fragen gie\u00dfen:<\/p>\n<ol>\n<li>Wie plausibel ist ein Qualit\u00e4tsproblem in der Mediationspraxis?<\/li>\n<li>Unterstellt, es g\u00e4be ein Qualit\u00e4tsproblem: In welchem Ma\u00dfe w\u00fcrde die Nachfrage nach Mediatorinnen die Zertifizierung als Qualit\u00e4tsstandard w\u00fcrdigen?<\/li>\n<li>Angenommen, die Nachfrage w\u00fcrde zertifizierte Mediatoren bevorzugen: Inwieweit w\u00e4re dann eine Qualit\u00e4tsverbesserung durch Vorgaben zur Ausbildungsdauer zu erwarten?<\/li>\n<li>Falls eine Qualit\u00e4tsverbesserung demgegen\u00fcber am ehesten von einer Pr\u00fcfung der Mediationsf\u00e4higkeiten zu erwarten sein sollte: Wie realistisch ist es, f\u00fcr die Bewertung der Pr\u00fcfungsleistung rechtssichere Kriterien und unabh\u00e4ngige Pr\u00fcferinnen zu finden?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vielleicht kann man es so sagen: Je mehr dieser Fragen man mit \u201esehr\u201c oder \u201eerheblich\u201c beantwortet, desto mehr spricht f\u00fcr eine Zertifizierungs-Verordnung 2.0. Je mehr dieser Fragen man mit \u201ekaum\u201c beantwortet, desto mehr spricht daf\u00fcr, die Verordnung ersatzlos zu streichen. Wichtig scheint mir zu sein, diese Fragen unvoreingenommen zu diskutieren. Eine Gelegenheit dazu w\u00e4re die <a href=\"https:\/\/www.bmjv.de\/SharedDocs\/Downloads\/ZB3\/Mediationskonferenz.html\">Online-Konferenz des BMJV am Freitag, 28. Mai 2021<\/a>. Sind Sie dabei?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hinweis der Redaktion<\/strong>: Zum Thema auch <em>Fries<\/em>, Regulierung der Mediation: Cui bono?, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2021.02.i.0044.01.a\"><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2021%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:44%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2021, 44<\/a> ff.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auftakt zur dritten Runde: Knapp neun Jahre nach dem Inkrafttreten des Mediationsgesetzes und knapp vier Jahre nach dem Erlass der Zertifizierungs-Verordnung gibt es aktuell einen neuen Versuch, die Qualit\u00e4t und Reputation des Mediationsverfahrens zu st\u00e4rken. 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