{"id":485,"date":"2021-10-14T11:21:05","date_gmt":"2021-10-14T09:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=485"},"modified":"2021-10-14T11:21:05","modified_gmt":"2021-10-14T09:21:05","slug":"grosse-und-komplexe-wirtschaftsstreitigkeiten-in-der-mediation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2021\/10\/14\/grosse-und-komplexe-wirtschaftsstreitigkeiten-in-der-mediation\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfe und komplexe Wirtschaftsstreitigkeiten in der Mediation"},"content":{"rendered":"<p>Co-Autoren:<br \/>\n<strong>Dr. Nicola Grau<\/strong><br \/>\nVorsitzende Richterin am LG M\u00fcnchen I und G\u00fcterichterin<\/p>\n<p><strong>Johannes Brose<\/strong><br \/>\nVorsitzender Richter am LG M\u00fcnchen II, G\u00fcterichter<br \/>\nLehrbeauftragter an der LMU M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Verfahren der alternativen Streitbeilegung haben auch in gro\u00dfen Wirtschaftskonflikten an Bedeutung gewonnen. Insbesondere nutzen Akteure im Wirtschaftsleben die Mediation als Instrument der Konfliktbereinigung wegen ihrer Ausrichtung auf die Interessen mit der Option, L\u00f6sungen jenseits der nach den einschl\u00e4gigen Rechtsgrundlagen beanspruchbaren Positionen auszuhandeln.<\/p>\n<p>Komplexe Streitigkeiten mit einem prim\u00e4r operativ-wirtschaftlichen oder unternehmensinternen Hintergrund sind mit besonderen Herausforderungen verbunden. Insbesondere h\u00e4ngt eine f\u00fcr alle Seiten akzeptable und umsetzbare L\u00f6sung nicht selten von dem Einverst\u00e4ndnis einer Vielzahl an Beteiligten ab; selbst Vereinbarungen mit hohem Wertsch\u00f6pfungspotential haben keinen praktischen Nutzen, wenn diese nicht von all denjenigen mitgetragen werden, deren Mitwirkung bei der Umsetzung erforderlich ist. Wenn die streitigen Fragen grundlegende Unternehmensstrukturen oder Gesch\u00e4fte von existentieller Bedeutung betreffen, werden auch formal entscheidungsbefugte Organe (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder Vorst\u00e4nde) nicht zustimmen, ohne zuvor diejenigen einbezogen zu haben, die wirtschaftlich betroffen sind (z. B. Muttergesellschaften, Gesellschafter) oder diese vertreten (z. B. Aufsichtsr\u00e4te).<\/p>\n<p>In Bezug auf bestimmte Streitkomplexe wegen ihrer Sachkompetenz zur Verhandlung entsandte Vertreter k\u00f6nnen ganz andere Interessen haben als das dahinterstehende Unternehmen; so kann beispielsweise f\u00fcr einen Abteilungsleiter, der den Abschluss eines streitausl\u00f6senden Gesch\u00e4fts zu verantworten hat, eine streitige Entscheidung \u2013 ggf. auch zum Nachteil seines Unternehmens \u2013 entlastender sein, als eine zeitnahe und wirtschaftlich sinnvolle L\u00f6sung; eine urspr\u00fcngliche Fehleinsch\u00e4tzung einzur\u00e4umen, kostet mehr \u00dcberwindung als die gerichtliche Feststellung der Verantwortlichkeit viele Jahre sp\u00e4ter \u2013 schlie\u00dflich kann sich auch ein Gericht irren; m\u00f6glicherweise ist die Unternehmensf\u00fchrung bis dahin ausgetauscht oder der Abteilungsleiter ist weiter bef\u00f6rdert oder schon im Ruhestand.<\/p>\n<p>Zuletzt spielen oft auch in komplexen Wirtschaftskonflikten Emotionen eine gro\u00dfe Rolle. Das gilt selbstredend bei unternehmensinternen Generationenkonflikten, oft aber auch bei Streitigkeiten zwischen zwei Unternehmen, die urspr\u00fcnglich nur auf einer gesch\u00e4ftlichen Ebene miteinander verbunden waren.<\/p>\n<p>Eine effektive Unterst\u00fctzung der Parteien bei der L\u00f6sungsfindung setzt voraus, dass den mit dieser Komplexit\u00e4t verbundenen Herausforderungen Rechnung getragen wird. Regelm\u00e4\u00dfig bedarf es einer ausf\u00fchrlichen Phase der Vorbereitung \u2013 oft bereits hier in Form von vertrauensbildenden Einzelgespr\u00e4chen. Das Thema der Vertraulichkeit spielt nicht selten eine gro\u00dfe Rolle. Der gesamte Verhandlungsprozess bedarf einer Strukturierung in Bezug auf sowohl die Reihenfolge der Themen wie auch auf das Setting, insbesondere die Entscheidung, welche der involvierten Personen in welcher Phase der Gespr\u00e4che hinzugezogen werden. Es empfiehlt sich, Zwischenergebnisse transparent zu kommunizieren und f\u00fcr die weiteren Gespr\u00e4che festzuhalten. Zudem ist es sinnvoll, immer wieder die Lage an Hand der Gespr\u00e4chsergebnisse neu zu bewerten und das Setting anzupassen.<\/p>\n<p>Hieraus leiten sich unsere Kernthesen ab:<\/p>\n<ul>\n<li>Herausforderungen\n<ul>\n<li>Vielzahl der Beteiligten<\/li>\n<li>Vielzahl der z. T. gegenl\u00e4ufigen Interessen<\/li>\n<li>Emotionale Konflikttreiber<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Empfehlungen f\u00fcr das Vorgehen\n<ul>\n<li>Ausf\u00fchrliche Phase der Vorbereitung incl. Vertraulichkeitsvereinbarung<\/li>\n<li>\u00dcberlegte Strukturierung in Bezug auf\n<ul>\n<li>Reihenfolge der Themen<\/li>\n<li>Setting bzgl. der beteiligten Medianden<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Festhalten von Zwischenergebnissen<\/li>\n<li>St\u00e4ndige Neubewertung der Lage und Anpassung des Settings<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ausf\u00fchrlich setzen wir uns mit den Besonderheiten komplexer Wirtschaftsstreitigkeiten in einer Ver\u00f6ffentlichung &#8222;<strong>Mediation in gro\u00dfen Wirtschaftskonflikten<\/strong>&#8220; in der aktuellen Ausgabe der ZKM auseinander, nachzulesen in <a href=\"https:\/\/www.centrale-fuer-mediation.de\/71125.htm\">ZKM 5\/2021, 168\u00a0ff<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Co-Autoren: Dr. Nicola Grau Vorsitzende Richterin am LG M\u00fcnchen I und G\u00fcterichterin Johannes Brose Vorsitzender Richter am LG M\u00fcnchen II, G\u00fcterichter Lehrbeauftragter an der LMU M\u00fcnchen Verfahren der alternativen Streitbeilegung haben auch in gro\u00dfen Wirtschaftskonflikten an Bedeutung gewonnen. 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