{"id":713,"date":"2023-07-04T22:05:49","date_gmt":"2023-07-04T20:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=713"},"modified":"2023-07-04T22:05:49","modified_gmt":"2023-07-04T20:05:49","slug":"autoren-im-zwiegespraech-der-mediator-als-coach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2023\/07\/04\/autoren-im-zwiegespraech-der-mediator-als-coach\/","title":{"rendered":"Autoren im Zwiegespr\u00e4ch: Der Mediator als Coach?"},"content":{"rendered":"<p>Co-Autor:<br \/>\n<strong>Adrian Schweizer<br \/>\n<\/strong>Rechtsanwalt, Mediator, Executive Coach<\/p>\n<p><strong>PR:<\/strong> Magst Du schildern, worum es in Deinem Artikel geht?<\/p>\n<p><strong>AS:<\/strong> Kurz und knapp: um anzuzeigen, wie eine Mediation konstruktiv und ohne gegenseitige Schuldzuweisungen erfolgen k\u00f6nnte! Wie m\u00fcssen Einzelgespr\u00e4che, deren Einsetzbarkeit inzwischen ja allgemein anerkannt sind, gestaltet werden, damit nach psychologischen und neurobiologischen Wirksamkeitskriterien tats\u00e4chlich eine Verhaltensver\u00e4nderung bei den Medianden eintritt? Was muss ich tun, dass die daran anschlie\u00dfende gemeinsame Runde locker und entspannt abl\u00e4uft und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Parteien nicht wieder in gegenseitige Schuldzuweisungen zur\u00fcckfallen? Ich helfe kommunizierenden Menschen gerne, gemeinsam L\u00f6sungen zu finden. Kinderartiges Gekreische mag ich aber nicht besonders.<\/p>\n<p>Wie kamst Du auf die Idee, dass ich dar\u00fcber einen Artikel schreiben k\u00f6nnte und Du dazu juristisch Stellung nimmst?<\/p>\n<p><strong>PR<\/strong>: Ich hatte das Vergn\u00fcgen, Deine Trilogie &#8222;Konfliktl\u00f6sung ohne Gericht&#8220; zu rezensieren (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2022%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:203%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2022, 203<\/a>), in der Du mit Deinen Studentinnen und Studenten Deine ganz besondere und im besten Sinne unorthodoxe Arbeitsweise vorstellst. Besonders gereizt hat mich die immer wieder aufscheinende Einbindung mit Coaching. So kam die Idee, eine Deiner Fallstudien sowie weitere in der Literatur beschriebene Eins\u00e4tze von Coachingelementen in der Mediation nach deutschem Mediationsrecht zu analysieren. Warum hast Du Dich darauf eingelassen?<\/p>\n<p><strong>AS<\/strong>: Als ich Deine Besprechung meiner Trilogie in der ZKM gelesen hatte, war mir klar, dass hier jemand schreibt, der meine \u201eunorthodoxe Arbeitsweise\u201c sch\u00e4tzt und auch versteht. Beides hat sich dann in zahlreichen Gespr\u00e4chen best\u00e4tigt. Die Idee, dass wir etwas zusammenschreiben k\u00f6nnten, kam von der Redaktion. Das Thema Einzelgespr\u00e4che bot sich an. Es besch\u00e4ftigt mich schon seit vielen Jahren und die wissenschaftlich abgest\u00fctzte Vorgehensweise ist mir besonders wichtig.<\/p>\n<p>Als ich mit <em>Reiner Ponschab<\/em> vor fast 30 Jahren in den USA Feldstudien betrieben habe und wir uns \u00fcberlegt haben, wie Wirtschaftsmediation in Deutschland strukturiert sein k\u00f6nnte, ist mir von Anfang an aufgefallen, dass das Setting, das vom Gerichtsverfahren oder der Familienmediation her kommt, n\u00e4mlich, dass mit beide Parteien gleichzeitig und permanent im gleichen Raum verhandelt wird, im Wirtschaftskontext nicht funktioniert: F\u00fcr die Ermittlung der Motive des Handelns, in der Mediation Interessen genannt, m\u00fcssen die Parteien nach innen schauen. Gerade das aber tun Manager nicht, wenn andere Manager im Raum sind. Die Gefahr, genau dann, wenn ich \u00e4u\u00dferlich unaufmerksam bin, einen \u00fcber den Kopf gezogen zu kriegen, ist menschliche Erfahrung seit 300.000 Jahren. Also habe ich von Anfang an Einzelgespr\u00e4che vorgeschlagen und auch praktiziert. Daf\u00fcr bin ich dann fast 20 Jahre kritisiert worden und nun, wo es immer mehr Mediatoren gibt, die \u00fcber Mediation nicht nur schreiben, sondern auch selbst mediieren, gilt es als \u201eState-of-the-Art.\u201c<\/p>\n<p>Da ich auch als Coach arbeite und zudem Coaches ausbilde, wei\u00df ich, dass rein \u201ephilosophische\u201c Interventionen nicht wirken. In einer Ausbildung beim vor Kurzem verstorbenen Neurobiologen Prof. Dr. Dr. <em>Gerhard Roth <\/em>habe ich den Grund erfahren: Reine Redeinterventionen verhallen im kognitiv-sprachlichen Zentrum des Hirnes. Sie bef\u00f6rdern h\u00f6chstens das Wissen (warum etwas nicht geht!), ver\u00e4ndern aber leider nicht das Verhalten. Um ins limbische System zu kommen, wo das Verhalten gesteuert wird, braucht es emotional-k\u00f6rperliche Interventionen. Die wenigsten Coaches wissen, wie man das genau macht und noch weniger Mediatoren. Bei der Entwicklung meiner Arbeitsweise habe ich nat\u00fcrlich nicht unbedingt \u00fcber Rechtsfragen nachgedacht. Dass es einem Mediator verboten sein k\u00f6nnte, mit Einzelgespr\u00e4chen oder mit Coaching-Elementen zu arbeiten, kam mir nicht in den Sinn. \u00dcber Deine Einordnung im Kontext des deutschen Mediationsrechts bin ich deshalb sehr froh. Magst Du ein Fazit ziehen?<\/p>\n<p><strong>PR: <\/strong>In aller K\u00fcrze: Einzelgespr\u00e4che sind nach dem MediationsG unproblematisch, solange sie transparent und im allseitigen Einvernehmen stattfinden. Zur T\u00e4tigkeitsbeschr\u00e4nkung kann nach Ziel und Funktion des Coachings differenziert werden kann. Danach ist Coaching gegen die Interessen des anderen Medianden kritisch; rechtlich unbedenklich scheinen mir unabh\u00e4ngig von ihrer Bezeichnung Einzelcoachings zu sein, die dem Mediationsverfahren im gemeinsamen Interesse der Medianden dienlich sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hinweis der Redaktion:<\/strong><\/p>\n<p>Zum methodischen Vorgehen und zur Wirkkraft von Einzel-Coaching in der Mediation siehe <em>Adrian Schweizer<\/em><strong>,<\/strong> <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2023.03.i.0094.01.a\">&#8222;Wenn der Feind im Raum ist, schaut man nicht nach innen!&#8220;, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2023%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:94%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2023, 94<\/a> ff<\/a>.<\/p>\n<p><em>Peter R\u00f6themeyer, <\/em>geht in derselben ZKM-Ausgabe der Frage nach, ob und unter welchen Voraussetzungen der Mediator nach deutschen Mediationsrecht selbst eine der Mediationsparteien coachen darf, vgl. <a href=\"http:\/\/Der Mediator als Coach?, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2023%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:99%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2023, 99<\/a> ff.\">Der Mediator als Coach?, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2023%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:99%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2023, 99<\/a> ff<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Co-Autor: Adrian Schweizer Rechtsanwalt, Mediator, Executive Coach PR: Magst Du schildern, worum es in Deinem Artikel geht? 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