{"id":728,"date":"2023-08-26T08:28:13","date_gmt":"2023-08-26T06:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=728"},"modified":"2023-08-26T08:28:13","modified_gmt":"2023-08-26T06:28:13","slug":"verbesserung-des-zugangs-zum-recht-durch-kuenstliche-intelligenz-das-projekt-access-to-justice-through-artificial-intelligence","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2023\/08\/26\/verbesserung-des-zugangs-zum-recht-durch-kuenstliche-intelligenz-das-projekt-access-to-justice-through-artificial-intelligence\/","title":{"rendered":"Verbesserung des Zugangs zum Recht durch k\u00fcnstliche Intelligenz: das Projekt \u201eAccess to Justice through Artificial Intelligence\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil meines Beitrags zur Ver\u00e4nderung der Konfliktl\u00f6sung durch k\u00fcnstliche Intelligenz, der gerade in der Zeitschrift f\u00fcr Konfliktmanagement (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2023.04.i.0121.01.a\"><a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2023%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:121%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:zkm%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ZKM 2023, 121<\/a> ff.<\/a>) erschienen ist, erw\u00e4hne ich kurz ein Projekt, das die Verbesserung des Zugangs zum Recht durch den Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz erkundet. Da ich aus Platzgr\u00fcnden dieses Projekt in der ZKM nicht weiter vorstellen konnte, m\u00f6chte ich dies hier tun und auch erkl\u00e4ren, warum mir dieses Projekt wichtig ist.<\/p>\n<p>Ziel des Projekts ist die Erstellung einer elektronischen Plattform, auf der sich Parteien, die sich keine anwaltliche Vertretung leisten k\u00f6nnen, dar\u00fcber informieren k\u00f6nnen, wie ein summarisches Gerichtsverfahren wahrscheinlich ausgehen wird. Zudem erkl\u00e4rt die Anwendung den Parteien, aus welchen Gr\u00fcnden sie das summarische Verfahren wahrscheinlich gewinnen oder verlieren werden. Bei dem summarischen Verfahren handelt es sich um eine besondere Verfahrensart des englischen Rechts (summary judgment). Das Gericht kann im summarischen Verfahren entscheiden, wenn entweder der Kl\u00e4ger oder der Beklagte keine realistische Aussicht auf Erfolg haben und es keine anderen Gr\u00fcnde f\u00fcr ein vollst\u00e4ndiges Verfahren gibt.<\/p>\n<p>Das Projekt setzt also k\u00fcnstliche Intelligenz ein, um anwaltlich nicht vertretenen Parteien zum einen Vorhersagen dar\u00fcber zu liefern, ob sie in einem summarischen Verfahren erfolgreich sein werden, und zum anderen zu erkl\u00e4ren, warum ein Erfolg winkt oder ein Misserfolg droht. Das Projekt wird gro\u00dfz\u00fcgig durch die Nuffield Foundation finanziert und l\u00e4uft von April 2023 bis M\u00e4rz 2025. Bei der Umsetzung des Projekts arbeiten wir mit der gemeinn\u00fctzigen Organisation \u201eSupport Through Court\u201c zusammen, die den Parteien, die unsere Plattform anwenden, betreuend zur Seite steht.<\/p>\n<p>Warum ist dieses Projekt wichtig? Erstens spielt das summarische Verfahren im englischen Recht eine wichtige Rolle. Das zeigt sich schon daran, dass wir tausende solcher Entscheidungen in unserem Datenset haben. Dabei f\u00e4llt besonders auf, dass anwaltlich vertretene Parteien summarische Verfahren gegen nicht anwaltlich vertretene Parteien ganz \u00fcberwiegend gewinnen.<\/p>\n<p>Zweitens bietet dieses Projekt eine Chance, in der Praxis zu testen, ob k\u00fcnstliche Intelligenz tats\u00e4chlich erfolgreich dabei helfen kann, den Zugang zum Recht zu verbessern. Das ist besonders deshalb von Bedeutung, weil k\u00fcnstliche Intelligenz aktuell \u00fcberwiegend von Unternehmen dazu genutzt wird, rechtliche Risiken besser zu verstehen. Konfliktparteien, die nicht finanzstark sind, haben aktuell nur Zugang zu k\u00fcnstlicher Intelligenz, die von Start-ups im Bereich Recht entwickelt werden. Diese Anwendungen bieten allerdings h\u00e4ufig nur allgemeine Rechtsausk\u00fcnfte und nicht konkrete Informationen zu einem bestimmten Rechtsproblem, insbesondere wenn es sich dabei um ein Gerichtsverfahren handelt.<\/p>\n<p>Drittens erm\u00f6glicht das Projekt unserem Team bestehend aus Wissenschaftlern aus den Bereichen k\u00fcnstliche Intelligenz (Ahmed Izzidien), Ethik (Rune Nyrup) und Recht (Holli Sargeant, Felix Steffek), die Grundlagen der k\u00fcnstlichen Intelligenz im Recht weiterzuentwickeln. Das beginnt bei der Entwicklung eines Datensets zu summarischen Entscheidungen, das wir auch anderen Forschern zur Verf\u00fcgung stellen. Weiterhin entwickeln wir neue Verfahren zur Vorhersage von Gerichtsurteilen sowie zum Entwurf allgemein verst\u00e4ndlicher Erkl\u00e4rungen solcher Urteile. Zudem erstellen wir ethische Leitlinien dazu, wie solche Informationen verst\u00e4ndlich und verantwortlich kommuniziert werden k\u00f6nnen, insbesondere im Kontext mangelnder anwaltlicher Betreuung.<\/p>\n<p>Da wir mit diesem Projekt in vielerlei Hinsicht neue Gebiete betreten, sto\u00dfen wir auch auf neue Herausforderungen. Bereits gel\u00f6st haben wir die Frage, wie wir in unserem Ausgangsdatenset mit mehr als 250.000 Gerichtsurteilen (der Cambridge Law Corpus, dazu unten) diejenigen Entscheidungen identifizieren k\u00f6nnen, bei denen es sich um summarische Entscheidungen handelt. Gegenw\u00e4rtig besch\u00e4ftigen uns vor allem zwei Themen. Erstens arbeiten wir an der Herausforderung, Vorhersagen auch dann zu leisten, wenn in unserem Datenset nur wenige oder keine Entscheidungen in dem relevanten Sachkontext vorhanden sind. Zweitens versuchen wir rechtliche Argumente in der k\u00fcnstlichen Intelligenz sowohl als Grundlage der Vorhersagen als auch f\u00fcr die Erstellung der Begr\u00fcndungen zu verankern.<\/p>\n<p>Als erstes Fazit kann ich festhalten, dass der Zugang zu generativer k\u00fcnstlicher Intelligenz (ChatGPT, Claude, Llama etc.) neue L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet hat, die andere Methoden des maschinellen Lernens nicht bieten. Zudem kann ich berichten, dass bei der Vorhersage des Ausgangs von Gerichtsverfahren, die sich in der Praxis bew\u00e4hren muss, mehr Schwierigkeiten auftun, als bei einer ersten konzeptionellen Betrachtung sichtbar werden. Allerdings ist unsere Erfahrung bisher auch, dass die Fortschritte im Bereich der k\u00fcnstlichen Intelligenz und der maschinellen Textverarbeitung uns bisher stets L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zur Bew\u00e4ltigung dieser Schwierigkeiten er\u00f6ffnet haben.<\/p>\n<p>Weitere Informationen gibt es auf unserer Projektwebseite: <a href=\"https:\/\/www.nuffieldfoundation.org\/project\/access-to-justice-through-artificial-intelligence\">https:\/\/www.nuffieldfoundation.org\/project\/access-to-justice-through-artificial-intelligence<\/a><\/p>\n<p>Der Cambridge Law Corpus ist ein Datenset mit englischen Gerichtsurteilen, das in einem anderen Forschungsprojekt (Legal Systems and Artificial Intelligence: <a href=\"https:\/\/www.trusttech.cam.ac.uk\/research-directory-overview\/legal-systems-and-artificial-intelligence-project\">https:\/\/www.trusttech.cam.ac.uk\/research-directory-overview\/legal-systems-and-artificial-intelligence-project<\/a>) entwickelt wurde und noch in diesem Jahr ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil meines Beitrags zur Ver\u00e4nderung der Konfliktl\u00f6sung durch k\u00fcnstliche Intelligenz, der gerade in der Zeitschrift f\u00fcr Konfliktmanagement (ZKM 2023, 121 ff.) erschienen ist, erw\u00e4hne ich kurz ein Projekt, das die Verbesserung des Zugangs zum Recht durch den Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz erkundet. 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