{"id":845,"date":"2024-06-24T10:36:08","date_gmt":"2024-06-24T08:36:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=845"},"modified":"2024-07-10T09:55:35","modified_gmt":"2024-07-10T07:55:35","slug":"eingangszahlen-luegen-nicht-oder-doch-ueberlegungen-zur-konfliktkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2024\/06\/24\/eingangszahlen-luegen-nicht-oder-doch-ueberlegungen-zur-konfliktkultur\/","title":{"rendered":"Eingangszahlen l\u00fcgen nicht \u2013 oder doch? \u00dcberlegungen zur Konfliktkultur"},"content":{"rendered":"<p>Im April 2023 stellte das BMJ den Bericht \u201eDer R\u00fcckgang der Eingangszahlen bei den Zivilgerichten \u2013 Ursachenforschung, Analyse und Empfehlungen\u201c vor. Der Blick war dabei auf die Ziviljustiz fokussiert. Die deutsche Rechtssoziologie besch\u00e4ftigt sich demgegen\u00fcber seit rund 60 Jahren mit dem <em>Zugang zum Recht<\/em>. \u00c4hnliche Fragestellungen werden im Ausland in <em>Unmet-Legal-Needs<\/em>-Studien untersucht. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Fallzahlen und Justizstatistik keinen Aufschluss \u00fcber die rechtlichen Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaft, das Konfliktverhalten oder Konfliktl\u00f6sungsans\u00e4tze in Deutschland geben.<\/p>\n<p>Ungekl\u00e4rt ist zudem die Bedeutung des Rechts unter den Bedingungen einer Konsumgesellschaft? Hier liegen smarte Methoden der Konfliktvermeidung wie Astroturfing oder Nudging bis hin zu staatlich organisiertem Social Engineering gerade im globalen Trend. Das Recht kann demgegen\u00fcber den Konsum hemmen und ist deshalb nicht so beliebt. Das gibt all denjenigen Auftrieb, die pers\u00f6nliche Macht anstelle der staatlichen Anwendung von Recht und Gewalt setzen wollen.<\/p>\n<p>Bezogen auf die Situation der dritten Gewalt, sieht der Bericht eine Hauptursache f\u00fcr die sinkenden Fallzahlen in einem Vertrauensverlust der Anwaltschaft gegen\u00fcber den Gerichten. Tats\u00e4chlich ist das Thema seit sehr langer Zeit in aller Munde, auch wenn es bislang (fast) kein wissenschaftliches Forum f\u00fcr anwaltliche Kritik an der Justiz gab. Dabei muss es darum gehen, einen ernsthaften Diskurs \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Richterschaft und Anwaltschaft jenseits pers\u00f6nlicher Befindlichkeiten anzusto\u00dfen. Dabei sollten die unterschiedlichen Rollen der an einem gerichtlichen Verfahren Beteiligten, ihr individuelles und kollektives Konfliktschema aber auch die Belastungen, denen sie unterliegen, Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n<p>Noch immer gelten derartige Ans\u00e4tze f\u00fcr einen Austausch der Professionen als hei\u00dfes Eisen. Doch Frustbew\u00e4ltigung hinter vorgehaltener Hand oder durch Leugnung des Problems schw\u00e4cht die Justiz noch weiter. Konfliktvermeidung bei Gericht aber auch gesamtgesellschaftlich spielt au\u00dferstaatlichen Konfliktvermeidungsstrategien in die H\u00e4nde und richtet pers\u00f6nlich wie wirtschaftlich hohe Sch\u00e4den an. Es gilt, Konflikte sichtbar zu machen und Modelle zu entwickeln, wie den Bed\u00fcrfnissen der Konfliktbetroffenen besser Rechnung getragen und hierf\u00fcr auch die Zusammenarbeit zwischen Richterschaft und Anwaltschaft optimiert werden kann.<\/p>\n<p><strong>Hinweis der Redaktion<\/strong>: Ausf\u00fchrlich zum Thema <em>Dudek<\/em>, Eingangszahlen oder Konflikte?, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2024.00.o.s014.01.a\">ZKM0068020<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 2023 stellte das BMJ den Bericht \u201eDer R\u00fcckgang der Eingangszahlen bei den Zivilgerichten \u2013 Ursachenforschung, Analyse und Empfehlungen\u201c vor. Der Blick war dabei auf die Ziviljustiz fokussiert. Die deutsche Rechtssoziologie besch\u00e4ftigt sich demgegen\u00fcber seit rund 60 Jahren mit dem Zugang zum Recht. \u00c4hnliche Fragestellungen werden im Ausland in Unmet-Legal-Needs-Studien untersucht. 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