{"id":93,"date":"2018-03-05T15:48:31","date_gmt":"2018-03-05T14:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=93"},"modified":"2018-03-05T15:52:51","modified_gmt":"2018-03-05T14:52:51","slug":"viel-laerm-um-nichts-ueberlegungen-zur-evaluation-des-mediationsgesetzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2018\/03\/05\/viel-laerm-um-nichts-ueberlegungen-zur-evaluation-des-mediationsgesetzes\/","title":{"rendered":"Viel L\u00e4rm um nichts? &#8211; \u00dcberlegungen zur Evaluation des Mediationsgesetzes"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirkung des Ende Juli 2017 von der Bundesregierung ver\u00f6ffentlichten Evaluationsberichtes zum Mediationsgesetz war \u00fcberwiegend eine breitfl\u00e4chige Ern\u00fcchterung bez\u00fcglich der Entwicklung der Mediation in Deutschland. Dies ist auf der einen Seite verst\u00e4ndlich, denn trotz mittlerweile existierender normativer Grundlage und diverser F\u00f6rderma\u00dfnahmen ist Mediation de facto (noch) nicht so etabliert, wie es sich der europ\u00e4ische und der nationale Gesetzgeber sowie Anh\u00e4nger und Anbieter des Verfahrens versprochen hatten. Auf der anderen Seite erfassen die Betrachtungen und Erhebungen des Evaluationsberichtes bei weitem nicht alle Felder, in denen Mediationskompetenzen zum Einsatz gebracht werden; so fehlen zum Beispiel Daten zur Verbreitung der innerbetrieblichen Mediation.<\/p>\n<p>Zudem sind sowohl der konzeptionelle als auch der methodische Ansatz der Evaluation substantieller Kritik ausgesetzt. Hier wirft vor allem die Beschr\u00e4nkung der Befragung auf die \u2013 partielle \u2013 Anbieterperspektive gr\u00f6\u00dftenteils verbandlich organisierter MediatorInnen und das v\u00f6llige Fehlen der Einbeziehung der Nutzerperspektive die Frage nach der Repr\u00e4sentativit\u00e4t der Befunde auf.<\/p>\n<p>Deshalb w\u00e4re es vorschnell, aus dem Evaluationsbericht den Schluss zu ziehen, damit sei nun der endg\u00fcltige Beleg daf\u00fcr erbracht, dass all die Bem\u00fchungen um eine F\u00f6rderung der Mediation letztlich als \u201eviel L\u00e4rm um nichts\u201c gewertet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vielmehr sollte auf den Bericht, der trotz aller Kritikpunkte den ersten Versuch einer fl\u00e4chendeckenden empirischen Untersuchung der Mediationsrealit\u00e4t in Deutschland darstellt, konstruktiv aufgebaut werden. Auch wenn das MediationsG nur eine einmalige Evaluation explizit vorsieht, sollten weitere Evaluationszyklen folgen, denen die erste Evaluation als Grundlage und Bezugspunkt dienen kann. So k\u00f6nnten erstmalig Vergleichsdaten generiert und Entwicklungsverl\u00e4ufe belegt werden. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnten in zuk\u00fcnftigen Evaluationen noch nicht beleuchteten Mediationsfelder und Perspektiven, aufgeworfenen Fragen und Forschungsimpulse systematisch weiterverfolgt werden. Insbesondere die Auswirkungen der ZertMediatAusbV werden sich erst in den n\u00e4chsten Jahren zeigen und sollten in angemessenem Abstand zum Inkrafttreten der Verordnung (nach)evaluiert werden. Angesichts der Vielzahl der denkbaren objektiven und subjektiven, quantitativen und qualitativen Erfolgs- und Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr Mediation ist es zudem notwendig, im Zuge weiterer Evaluationsforschung einen expliziten und differenzierten Diskurs \u00fcber die Qualit\u00e4tsdefinition von Mediation zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Idealerweise sollten zuk\u00fcnftig nationale Evaluationen im Bereich der Mediationsgesetzgebung mit derartigen Evaluationsvorhaben auf EU-Ebene so abgestimmt werden, dass in den Mitgliedstaaten inhaltlich wie methodisch kompatible Datens\u00e4tze produziert werden, die sowohl einen Vergleich bestimmter Entwicklungsaspekte als auch eine Aggregation der Daten zulassen. So w\u00fcrde f\u00fcr den Regelungsgegenstand Mediation EU-weit der zukunftsweisende Ansatz der lernenden Gesetzgebung nachhaltig gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlichere Betrachtungen der Verfasserin zum Thema finden sich in der aktuelle Ausgabe der <a href=\"http:\/\/portal.stbcenter.de\/Default.aspx?hitnr=0&amp;t=636552789138271250&amp;url=rn%3asteubis%5e%5efile%3a%2f%2fR%7c%2fDoc%2fMagazines%2fZKM%2f1471348.xml&amp;ref=hitlist_hl\">ZKM 1\/2018, 4 ff<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirkung des Ende Juli 2017 von der Bundesregierung ver\u00f6ffentlichten Evaluationsberichtes zum Mediationsgesetz war \u00fcberwiegend eine breitfl\u00e4chige Ern\u00fcchterung bez\u00fcglich der Entwicklung der Mediation in Deutschland. 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