{"id":960,"date":"2025-05-12T11:09:54","date_gmt":"2025-05-12T09:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/?p=960"},"modified":"2025-05-12T11:09:54","modified_gmt":"2025-05-12T09:09:54","slug":"vorbedingungen-fuer-konstruktiven-dialog-wichtiger-denn-je-verleihung-der-mediationspreise-2024-der-centrale-fuer-mediation-am-11-juni-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mediation\/2025\/05\/12\/vorbedingungen-fuer-konstruktiven-dialog-wichtiger-denn-je-verleihung-der-mediationspreise-2024-der-centrale-fuer-mediation-am-11-juni-2025\/","title":{"rendered":"Vorbedingungen f\u00fcr konstruktiven Dialog \u2013 wichtiger denn je.  Verleihung der Mediationspreise 2024 der Centrale f\u00fcr Mediation am 11. Juni 2025"},"content":{"rendered":"<p>Co-Autor: <strong>Prof. Dr. Lars Kirchhoff<\/strong>, Direktor des Instituts f\u00fcr Konfliktmanagement an der Europa-Universit\u00e4t Viadrina Frankfurt (O.)<\/p>\n<p>Die zunehmend polarisiert gef\u00fchrten \u00f6ffentlichen Debatten unserer Tage lassen bisweilen verzweifeln: Wenn jede(r) schon vorher unverr\u00fcckbar recht hat, wenn jede(r) schon wei\u00df, was der oder die andere denkt und f\u00fcr eine(r) ist, wenn stets die eigene L\u00f6sung die einzige L\u00f6sung ist, wenn es nur noch darum zu gehen scheint, die eigene Meinung dem anderen in den Kopf zu h\u00e4mmern oder \u2013 wenn das nicht gelingt. \u2013 ihn pers\u00f6nlich zu diffamieren, dann stellt sich unweigerlich die Frage, wie ein konstruktiver, offener Dialog, der die Chance eines die gegens\u00e4tzlichen Perspektiven \u00fcberbr\u00fcckenden Konsenses beinhaltet, noch (oder wieder) gelingen kann.<\/p>\n<p>Was verloren zu gehen scheint, ist der f\u00fcr echten Austausch unverzichtbare Minimalkonsens \u00fcber die <em>Vorbedingungen<\/em> eines solchen Dialogs, die zugleich auch die Vorbedingungen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit \u00fcberhaupt sind: Die W\u00fcrde des Menschen, gerade auch des Andersdenkenden, als unverr\u00fcckbarer Ausgangspunkt. Die Annahme, dass meine Annahmen falsch sein k\u00f6nnten und der andere vielleicht (auch) recht haben k\u00f6nnte, die Bereitschaft, die Belange und Ideen des anderen zumindest anzuh\u00f6ren und auf der Grundlage von Argumenten kritisch zu w\u00fcrdigen, die Bereitschaft, hier\u00fcber konstruktiv und wertsch\u00e4tzend zu kommunizieren und Sprache nicht als Waffe, sondern als Werkzeug, als Raum der Begegnung zu nutzen. All das scheint auf beiden Seiten des Meinungsspektrums auf dem R\u00fcckzug zu sein, obwohl es mehr denn je gebraucht wird.<\/p>\n<p>Hier tritt die Methode der Mediation auf den Plan: Eine den Ansatz ernst nehmende Mediation bietet jeder Seite die Gelegenheit, ihre (subjektive) <em>Sicht der Dinge<\/em> in einem gesch\u00fctzten Raum zu schildern. Die andere Seite ist gehalten, zuzuh\u00f6ren (und damit zu lernen und ihr Gegen\u00fcber besser zu verstehen und die eigenen Annahmen zu hinterfragen). Es folgt ein Austausch \u00fcber die <em>Interessen<\/em> der Parteien. Was wollen sie <em>eigentlich<\/em> erreichen? Worum geht es ihnen mit den jeweils vertretenen Positionen? Welche <em>Bed\u00fcrfnisse <\/em>sollen befriedigt, das Realisieren welcher <em>Bef\u00fcrchtungen<\/em> soll vermieden werden? Erst auf der Basis dieser Interessen beginnt ein zun\u00e4chst im besten Sinne unlimitierter, kreativer Austausch zwischen den Parteien \u00fcber <em>L\u00f6sungsoptionen<\/em>, ohne Vorfestlegungen oder Ultimaten. Wie k\u00f6nnte eine L\u00f6sung aussehen? Wie ginge es vielleicht auch? Woran haben wir bislang nicht gedacht? Was w\u00e4re wom\u00f6glich noch als L\u00f6sung denkbar? Sodann handeln die Parteien aus der Vielzahl der denkbaren Optionen diejenigen als <em>L\u00f6sung<\/em> aus, die ihren Interessen in Summe am besten entsprechen.<\/p>\n<p>Die Methode der Mediation scheint somit in idealtypischer Weise dazu geeignet zu sein, die zuvor beschriebenen <em>Vorbedingungen<\/em> eines konstruktiven Dialogs wieder her- und ihre Einhaltung sicherzustellen. Sie l\u00e4sst sich im Kleinen (z.B. im Nachbarschafts- oder Vereinsstreit) wie auch im Gro\u00dfen (z.B. in handfesten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder gar geopolitischen Konflikten) nutzen. Mit ihrer Hilfe lassen sich destruktiv polarisierte und autokratisch instrumentalisierte Konflikte in politisch verhandelbare Formen von Dissens (oder in Teilbereichen auch zu einem neuen Grundkonsens) umwandeln. Sie kann so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Polarisierung zu \u00fcberwinden und wieder in einen konstruktiven Meinungsaustausch zu finden.<\/p>\n<p>An dieser Stelle nimmt der Text eine Wendung ins sehr Konkrete, n\u00e4mlich zu den alle zwei Jahre vergebenen Mediationspreisen der Centrale f\u00fcr Mediation des Otto Schmidt Verlags. Im Vergleich zu den beschriebenen Herausforderungen sind diese Preise \u2013 das ist uns ebenso wie den Auslobenden bewusst \u2013 v\u00f6llig unerheblich. Aber die Signale, die von den eingereichten Arbeiten und den nominierten Personen\/Institutionen in diesem Jahr ausgehen, sind verhei\u00dfungsvoll.<\/p>\n<p>In allen Kategorien wurden Arbeiten f\u00fcr den Preis vorgeschlagen, die zumindest auch die rechts- und gesellschaftspolitische Bedeutung der Mediation beleuchten. So hatte die international besetzte Jury zur Vergabe der Preise, welcher die Autoren angeh\u00f6ren, erneut die \u201eQual der Wahl\u201c aus einer Vielzahl interessanter wissenschaftlicher Arbeiten. Auszuw\u00e4hlen waren die diesj\u00e4hrigen Preistr\u00e4ger f\u00fcr den \u201eF\u00f6rderpreis Mediation\u201c f\u00fcr besonders hochklassige Abschlussarbeiten sowie den \u201eMediations-Wissenschaftspreis\u201c f\u00fcr herausragende wissenschaftliche Monographien (insbes. Dissertation und Habilitationsschriften). Auch wenn die Wahl nicht leicht fiel, hat die Jury sie auch dieses Jahr getroffen und hoch interessante, relevante und damit wegweisende Arbeiten ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Gleicherma\u00dfen hat die Jury entschieden, wem der diesj\u00e4hrige \u201eSokrates-Preis f\u00fcr Mediation\u201c als Anerkennung f\u00fcr herausragende Leistungen von Personen, Institutionen oder Initiativen in der Mediation und im Konflikt-Management geb\u00fchrt. Auch insoweit lag das Augenmerk auf der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Preistr\u00e4gers im Sinne der beschriebenen <em>Vorbedingungen<\/em>.<\/p>\n<p>Die Preisverleihung mit den Preistr\u00e4gern und Juroren findet <em>online<\/em> in einer feierlichen Zeremonie am <a href=\"https:\/\/www.otto-schmidt.de\/seminare\/ausbildung-mediation\/vorbedingungen-fuer-konstruktiven-dialog-verleihung-der-mediationspreise-2024\"><strong>Mittwoch, 11.\u00a0Juni\u00a02025, zwischen 16:00 Uhr und 18:00 Uhr<\/strong><\/a> statt. Die Veranstaltung wird neben der Preisverleihung auch interessante inhaltliche Impulse und einen Austausch unter den Teilnehmenden zum Thema \u201eVorbedingungen f\u00fcr konstruktiven Dialog\u201c beinhalten. Alle Interessierte sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Alle weiteren Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung finden Sie <a href=\"https:\/\/www.otto-schmidt.de\/seminare\/ausbildung-mediation\/vorbedingungen-fuer-konstruktiven-dialog-verleihung-der-mediationspreise-2024\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Co-Autor: Prof. Dr. Lars Kirchhoff, Direktor des Instituts f\u00fcr Konfliktmanagement an der Europa-Universit\u00e4t Viadrina Frankfurt (O.) 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