{"id":114,"date":"2017-05-09T13:18:41","date_gmt":"2017-05-09T11:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/?p=114"},"modified":"2017-05-09T16:59:28","modified_gmt":"2017-05-09T14:59:28","slug":"schoenheitsreparaturen-das-ende-aller-abwaelzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/2017\/05\/09\/schoenheitsreparaturen-das-ende-aller-abwaelzung\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheitsreparaturen: Das Ende aller Abw\u00e4lzung?"},"content":{"rendered":"<p>Die 67. Kammer des LG Berlin hat am 9.3.2017 ein ziemlich aufsehenerregendes Urteil gesprochen (<a href=\"http:\/\/www.mietrb.de\/47948.htm\" target=\"_blank\">67 S 7\/17<\/a>). Leitsatz:<\/p>\n<p><em>Vom Vermieter gestellte Formularklauseln, in denen die Pflicht zur Durchf\u00fchrung von Sch\u00f6nheitsreparaturen uneingeschr\u00e4nkt auf den Wohnraummieter abgew\u00e4lzt wird, sind \u2013 gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 \u00a0536 Abs. 4 BGB, 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB \u2013 auch dann unwirksam, wenn die Mietsache dem Mieter zu Vertragsbeginn renoviert \u00fcberlassen wurde.<\/em><\/p>\n<p>Nein, kein Schreibfehler. Nicht<strong> unrenoviert<\/strong> (das hatte der BGH bekanntlich am 18.3.2015 entschieden), sondern renoviert. Kurz gefasst, argumentiert das Urteil so:<\/p>\n<p>Die Klausel laute zwar, dass der Mieter die Kosten der Sch\u00f6nheitsreparaturen tragen sollte. Als Kostentragungsklausel sei sie ohnehin unwirksam. Aber <strong>auch als Vornahmeklausel<\/strong> sei sie das. Denn nach der einschl\u00e4gigen <strong>kundenfeindlichsten Auslegung<\/strong> schlie\u00dft sie Gew\u00e4hrleistungsrechte des Mieters aus, sofern und soweit er seinen Instandhaltungs- und Instandsetzungspflichten nicht nachkommt.<\/p>\n<p>Das gelte nach BGH (Urt. v. 6.5.1992) f\u00fcr die Abw\u00e4lzung von Kleinreparaturen und m\u00fcsse daher erst recht f\u00fcr die teureren Sch\u00f6nheitsreparaturen gelten.<\/p>\n<p>Eine <strong>Entgeltabrede<\/strong>, die die Entgeltthese des BGH st\u00fctzen w\u00fcrde, fand die Kammer im Mietvertrag nicht. Die kundenfeindlichste Auslegung der Klausel ist zumindest im Fall eines langj\u00e4hrigen Mietverh\u00e4ltnisses die Regel. Sie weicht von \u00a7 536 Abs. 1 bis 3 BGB ab, woraus ihre Unwirksamkeit nach \u00a7 536 Abs. 4 folgt. Dass der Gesetzgeber m\u00f6glicherweise die Abw\u00e4lzung der Renovierungslast auf den Mieter in engen Grenzen f\u00fcr zul\u00e4ssig h\u00e4lt, \u00e4ndert am Ergebnis nichts, da er keinerlei Kodifizierung vorgenommen hat. Im \u00dcbrigen liege eine unangemessene Benachteiligung des Mieters vor, unabh\u00e4ngig davon, ob die Wohnung renoviert oder unrenoviert \u00fcberlassen werde, denn die auferlegten Sch\u00f6nheitsreparaturen seien weder tats\u00e4chlich noch wirtschaftlich begrenzt, und es fehle an einer Kompensationsleistung des Vermieters.<\/p>\n<p>Auf dem gerade zu Ende gegangenen Deutschen Mietgerichtstag 2017 hat RA Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen dem Urteil ausdr\u00fccklich zugestimmt. Wird die vom LG zugelassene Revision eingelegt, wird der 8. Senat in gewisse argumentative Schwierigkeiten kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>http:\/\/www.mietrb.de\/47948.htm<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 67. 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