{"id":314,"date":"2020-12-15T18:15:39","date_gmt":"2020-12-15T17:15:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/?p=314"},"modified":"2023-02-16T16:05:30","modified_gmt":"2023-02-16T15:05:30","slug":"umweltmaengel-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/2020\/12\/15\/umweltmaengel-ohne-ende\/","title":{"rendered":"Umweltm\u00e4ngel ohne Ende"},"content":{"rendered":"<p>Bekanntlich muss ein Gericht den Mietvertrag auslegen, wenn die Parteien die zur Ermittlung eines Mangels notwendige Sollbeschaffenheit weder ausdr\u00fccklich noch konkludent festgelegt haben. F\u00fcr einen Umweltmangel hat der BGH in der Bolzplatzentscheidung vom 29.4.2015 \u2013 VIII ZR 197\/14 insoweit die erg\u00e4nzende Vertragsauslegung eingef\u00fchrt und dabei festgestellt, der Vermieter w\u00fcrde die <strong>Verantwortung<\/strong> gegen\u00fcber dem Mieter f\u00fcr <strong>Ver\u00e4nderungen in der Umwelt<\/strong> nur dann tragen, wenn ihm in der konkreten Situation Beseitigungs- oder Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche zustehen.<\/p>\n<p>Anzeige:<a href=\"https:\/\/www.otto-schmidt.de\/mietrecht-9783504450809\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-325\" src=\"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/GKM3-Ban-510x120-12_20.png\" alt=\"L\u00fctzenkirchen Mietrecht\" width=\"510\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/GKM3-Ban-510x120-12_20.png 510w, https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/mietrb\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/GKM3-Ban-510x120-12_20-300x71.png 300w\" sizes=\"(max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese Entscheidung hat eine kontroverse Diskussion ausgel\u00f6st. Neben den Vertretern, die eine Beschr\u00e4nkung der Entscheidung auf Bolzpl\u00e4tze annahmen (LG Berlin v. 12.7.2018 \u2013 67 S 105\/18) oder jedenfalls die Beweislast f\u00fcr Beseitigungs- und Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche beim Vermieter sahen (LG M\u00fcnchen I v. 14.1.2016 \u2013 31 S 20691\/14), gab es Stimmen, die in der Entscheidung eine <strong>generelle Aussage<\/strong> f\u00fcr alle Umweltm\u00e4ngel erkannten (LG Berlin v. 09.02.2016 \u2013 63 S 177\/15) und damit auch f\u00fcr den in der Praxis h\u00e4ufigsten Fall eines Umweltmangels, n\u00e4mlich den <strong>Baul\u00e4rm<\/strong>. Diese Meinung hat der BGH durch seine Entscheidung vom 29.04.2020 \u2013 VIII ZR 31\/18 best\u00e4tigt, wenngleich er die Beweislast f\u00fcr die Beseitigungs- und Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche nach der Risikosph\u00e4ren-Theorie dem Vermieter auferlegte.<br \/>\nWer sich nun gefreut hatte, dass endlich wieder ein Problem durch den BGH gekl\u00e4rt war und insofern f\u00fcr die Beratungspraxis Sicherheit gegeben war, hatte sich get\u00e4uscht.<br \/>\nDas Kammergericht hat \u00fcberzeugend dargelegt, dass eine erg\u00e4nzende Vertragsauslegung nur zul\u00e4ssig ist, wenn \u00fcber eine Auslegung des Vertrages kein Ergebnis ermittelt werden kann (KG v. 17.9.2020 \u2013 8 U 1006\/20). Eine Auslegung soll aber nicht nur m\u00f6glich sein, sondern auch ein anderes Ergebnis, als es der BGH gefunden hat, hervorbringen. Durch R\u00fcckgriff auf \u00a7 558 Abs. 2 BGB kommt der 8. Senat des Kammergerichts n\u00e4mlich zu dem Ergebnis, dass die H\u00f6he der Miete wesentlich durch die Lage der Mieteinheit gepr\u00e4gt wird und damit Gegenstand des vertragsgem\u00e4\u00dfen Zustandes ist. Die Qualit\u00e4t der Lage wird auch durch die Umwelteinfl\u00fcsse, der die Mieteinheit ausgesetzt ist, bestimmt. Umso mehr muss eine Ver\u00e4nderung im Umfeld der Mieteinheit, die mit zus\u00e4tzlichen L\u00e4rmemissionen verbunden ist, sich auf die H\u00f6he der Miete auswirken, also einen Mangel der Mietsache begr\u00fcnden.<br \/>\nNeben diesen eher dogmatischen Ans\u00e4tzen kann eine einfache Frage die Richtung weisen: auch der VIII. Senat des BGH hat L\u00e4rm bereits als Mangel anerkannt (u.a. BGH v. 6.10.2004 \u2013 VIII ZR 355\/03). Im Unterschied zum Baul\u00e4rm, \u00fcber den der BGH am 29.4.2020 entschieden hat, stammte dieser L\u00e4rm zwar aus dem Geb\u00e4ude selbst. Warum der Mieter aber f\u00fcr die Annahme einer Minderung danach unterscheiden muss, ob der L\u00e4rm aus dem Geb\u00e4ude stammt oder von au\u00dfen auf ihn eingewirkt, ist nicht nachvollziehbar.<br \/>\nAuch wenn wir stets zu bedenken haben, dass bei der Beratung eine Abweichung von der Rechtsprechung des BGH einen Regress begr\u00fcnden kann (BGH v. 25.10.2006 \u2013 VIII ZR 102\/06), sollte dem Mieter geraten werden, anstatt zu mindern, lieber die Zahlung unter Vorbehalt zu leisten und den Minderungsbetrag zur\u00fcckzufordern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bekanntlich muss ein Gericht den Mietvertrag auslegen, wenn die Parteien die zur Ermittlung eines Mangels notwendige Sollbeschaffenheit weder ausdr\u00fccklich noch konkludent festgelegt haben. 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