{"id":152,"date":"2017-12-13T16:33:31","date_gmt":"2017-12-13T15:33:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.otto-schmidt.de\/erbschaftsteuerrecht\/?p=152"},"modified":"2017-12-13T16:33:31","modified_gmt":"2017-12-13T15:33:31","slug":"saldierung-eines-positiven-kapitalkontos-mit-negativen-kapitalkonten-anderer-kommanditisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/2017\/12\/13\/saldierung-eines-positiven-kapitalkontos-mit-negativen-kapitalkonten-anderer-kommanditisten\/","title":{"rendered":"Saldierung eines positiven Kapitalkontos mit negativen Kapitalkonten anderer Kommanditisten"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Feststellung des gemeinen Werts eines Anteils am Betriebsverm\u00f6gen einer Kommanditgesellschaft f\u00fcr Zwecke der Erbschaftsteuer darf nach \u00a7 97 Abs. 1a Nr. 1 lit. a BewG ein <strong>positives Kapitalkonto des Erblassers<\/strong> nach Ansicht des FG D\u00fcsseldorf (FG D\u00fcsseldorf, Urt. v. 20.10.2017 \u2013 4 K 3022\/16 F, ErbStB 2018, 7) <strong>nicht mit den negativen Kapitalkonten anderer Kommanditisten saldiert<\/strong> werden.<\/p>\n<p>Im Urteilsfall war der Erblasser <strong>Kommanditist einer GmbH &amp; Co. KG<\/strong> (H KG). Weitere Kommanditisten waren O und R. Pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin der H KG war die H GmbH. Der Erblasser verstarb am 7.5.2014. Die Kl\u00e4gerin ist die Schwester des Erblassers, die den Erblasser allein beerbt. Am Todestag wies das f\u00fcr den Erblasser bei der H KG gef\u00fchrte Kapitalkonto einen positiven Wert auf. Die f\u00fcr die Kommanditisten O und R bei der H KG gef\u00fchrten Kapitalkonten wiesen negative Werte auf.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin gab beim beklagten Finanzamt eine Feststellungserkl\u00e4rung ab, mit der sie den <strong>Wert des Anteils<\/strong> des Erblassers an der H KG mit einem <strong>negativen Wert<\/strong> angab. Hierzu gelangte sie, indem sie das positive Kapitalkonto des Erblassers mit den negativen Kapitalkonten der anderen Kommanditisten zusammenrechnete. Die H KG sei zum Todestag des Erblassers \u00fcberschuldet gewesen. Der Anteil des Erblassers an der Gesellschaft sei deshalb mit 0\u00a0\u20ac anzusetzen. Die H KG habe ihr Handelsgesch\u00e4ft aufgegeben und die Liquidation eingeleitet. Wertzuw\u00e4chse seien nicht mehr zu erwarten gewesen. Eine R\u00fcckzahlung der Einlage des Erblassers sei aus diesem Grunde ausgeschlossen gewesen. Ein fremder Dritter h\u00e4tte f\u00fcr den Anteil des Erblassers nur einen Betrag gezahlt, der dem saldierten Wert der Kapitalkonten s\u00e4mtlicher Kommanditisten entsprochen h\u00e4tte. Dem folgte das Finanzamt nicht und hatte f\u00fcr die Kl\u00e4gerin einen positiven Wert des KG-Anteils festgestellt.<\/p>\n<p><strong>Das FG D\u00fcsseldorf h\u00e4lt die Klage f\u00fcr unbegr\u00fcndet.<\/strong> Das beklagte Finanzamt habe den Wert des Anteils des Erblassers an der H KG zu Recht mit einem positiven Wert festgestellt.<\/p>\n<p>Nach <strong>\u00a7 97 Abs. 1a Nr. 1 lit. a BewG<\/strong> sei der gemeine Wert eines Anteils am Betriebsverm\u00f6gen einer in \u00a7 97 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 BewG genannten Personengesellschaft dergestalt zu ermitteln und aufzuteilen, dass die Kapitalkonten aus der Gesamthandsbilanz dem jeweiligen Gesellschafter vorweg zuzurechnen seien. Nach dem Wortlaut der Gesetzesbestimmung (\u201edem jeweiligen Gesellschafter vorweg zuzurechnen\u201c) sei es nicht zul\u00e4ssig, ein positives Kapitalkonto des Gesellschafters, dessen An-teil zu bewerten ist, mit den negativen Kapitalkonten anderer Kommanditisten zu saldieren. Insbesondere sei hiernach eine Bereinigung des dem betreffenden Gesellschafter zuzurechnenden positiven Kapitalkontos mit etwaigen negativen Kapitalkonten anderer Gesellschafter nicht vorgesehen (vgl. in diesem Sinne auch <em>W\u00e4lzholz<\/em> in Viskorf\/Knobel\/Schuck\/W\u00e4lzholz, BewG, 4.\u00a0Aufl., \u00a7 97 Rz.\u00a036 Beispiel 5 sowie \u2013 nichttragend \u2013 FG K\u00f6ln, Urt. v. 5.2.2009 \u2013 9 K 3686\/07, EFG 2009, 1523).<\/p>\n<p><strong>Konsequenzen f\u00fcr die Praxis:<\/strong> Im Rahmen von \u00a7 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BewG ist nur der Anteil des Erblassers zu bewerten, der Gegenstand des Erwerbs ist (<em>W\u00e4lzholz<\/em> in Viskorf\/Knobel\/Schuck\/W\u00e4lzholz, BewG, \u00a7 97 Rz. 27). Ma\u00dfgebend ist hierbei nur der Wert des Anteils des Erblassers am Bewertungsstichtag (\u00a7 12 Abs. 5 ErbStG). Es kommt mithin nicht darauf an, wie sich die Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft nach dem Bewertungsstichtag (\u00a7\u00a7 9 Abs. 1 Nr. 1, 11, 12 Abs. 5 ErbStG) auseinandersetzen (\u00a7\u00a7 155 Abs. 1, 161 Abs. 2 HGB). Gem\u00e4\u00df \u00a7 155 Abs. 1 HGB sind n\u00e4mlich erst nach der Berichtigung der Schulden etwaige aktive und passive Liquidationsanteile unter den Kommanditisten einer Kommanditgesellschaft auszugleichen (vgl. <em>Habersack<\/em> in Staub, HGB, 5.\u00a0Aufl., \u00a7 155 Rz.\u00a013).<\/p>\n<p>Gegen die Entscheidung wurde <strong>Revision<\/strong> eingelegt (Az. beim BFH: II R 43\/17).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Feststellung des gemeinen Werts eines Anteils am Betriebsverm\u00f6gen einer Kommanditgesellschaft f\u00fcr Zwecke der Erbschaftsteuer darf nach \u00a7 97 Abs. 1a Nr. 1 lit. a BewG ein positives Kapitalkonto des Erblassers nach Ansicht des FG D\u00fcsseldorf (FG D\u00fcsseldorf, Urt. v. 20.10.2017 \u2013 4 K 3022\/16 F, ErbStB 2018, 7) nicht mit den negativen Kapitalkonten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":154,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions\/154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}