{"id":312,"date":"2022-06-27T12:40:10","date_gmt":"2022-06-27T10:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/erbschaftsteuerrecht\/?p=312"},"modified":"2022-06-27T12:40:10","modified_gmt":"2022-06-27T10:40:10","slug":"welcher-freibetrag-gilt-fuer-urenkelinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/steuerrecht\/2022\/06\/27\/welcher-freibetrag-gilt-fuer-urenkelinnen\/","title":{"rendered":"Welcher Freibetrag gilt f\u00fcr Urenkel*innen?"},"content":{"rendered":"<p>Das ErbStG (\u00a7\u00a7 15, 16 ErbStG) enth\u00e4lt <strong>keine ausdr\u00fccklichen Regelungen f\u00fcr Urenkel*innen<\/strong>. Erwerbe von Urenkel*innen sind nach Steuerklasse\u00a0I zu besteuern (Abk\u00f6mmlinge der in \u00a7\u00a015 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG genannten Kinder und Stiefkinder). Unter \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG fallen Urenkel sowie die Eltern und Voreltern. Unter \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG fallen Enkel, soweit deren Eltern noch leben (Enkelfreibetrag 200.000\u00a0\u20ac), und unter \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG (Kinderfreibetrag 400 000\u00a0\u20ac), soweit die Eltern vorverstorben sind.<\/p>\n<p>Der Freibetrag betr\u00e4gt nach \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG grunds\u00e4tzlich 100.000\u00a0\u20ac (\u00fcbrige Personen der Steuerklasse\u00a0I); ebenso BFH v. 27.7.2020 \u2013 II B 39\/20 (AdV), BStBl.\u00a0II 2021, 28 = EStB 2020, 477.<\/p>\n<p>Die <strong>Besonderheit des Falles<\/strong> bestand hier darin, dass im Zeitpunkt des Erwerbs der Urenkelin (hier Stief-Urenkelin; insoweit stehen Stiefkinder, Stiefenkel usw. den Kinder gleich; siehe \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 2 und 3 ErbStG) von Uroma der Vater der Urenkelin (also der Enkel der Erblasserin) sowie auch dessen Mutter (also die Tochter der Erblasserin) schon verstorben waren. Die Kl\u00e4gerin begehrte in Anlehnung an \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG den h\u00f6heren (Enkel-)Freibetrag \u00fcber 200.000\u00a0\u20ac.<\/p>\n<p>Das Nieders\u00e4chsische FG hat entscheiden, dass <strong>Urenkel*innen auch bei Vorversterben beider vorangegangener Generationen keinen Anspruch auf einen h\u00f6heren als den in \u00a7\u00a016 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 ErbStG vorgesehenen Freibetrag haben. <\/strong>Der Enkelfreibetrag gilt nach \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG gilt nur f\u00fcr Kinder der Kinder i.S.d. Steuerklasse nach \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG. Urenkel z\u00e4hlen nicht zu den dort genannten Kindern. Nach ausf\u00fchrlicher Urteilsbegr\u00fcndung sei es <strong>ausgeschlossen<\/strong>, dass die Erfassung aller Abk\u00f6mmlinge in Stkl. I (\u00a7 15 Abs. 1 Nr. 2-4 ErbStG) auch \u2013 in einer erweiterten Auslegung \u2013 zu einer Gleichstellung von Urenkeln mit Kindern in \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 2 und 3 ErbStG f\u00fchren m\u00fcsse.<\/p>\n<p><strong>Es ist davon auszugehen<\/strong>, dass bis auf weiteres Urenkel*innen nur ein Freibetrag von 100.000\u00a0\u20ac gew\u00e4hrt wird. Im Zuge des allgemeinen Anstiegs der Lebenserwartung d\u00fcrften auch h\u00e4ufiger Erwerbe von Urenkel*innen vorkommen. Der Freibetrag wird gew\u00f6hnlich von Amts wegen gew\u00e4hrt. Ohne Gesetzes\u00e4nderung d\u00fcrfte die gerichtliche Durchsetzung eines h\u00f6heren Freibetrags statt des Freibetrages von 100.000\u00a0\u20ac bei Schenkungen\/Erbanf\u00e4llen der Urgro\u00dfeltern kaum aussichtsreich sein.<\/p>\n<p>Allerdings hat das Gericht f\u00fcr den hier <strong>vorliegende Sonderfall<\/strong>, in dem die Eltern und Gro\u00dfeltern zum Zeitpunkt des Erbanfalls bereits verstorben waren\/sind, die <strong>Revision <\/strong>zur Kl\u00e4rung der Frage, ob Urenkeln ein h\u00f6herer als der in \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG ausgewiesene Freibetrag <strong>nach erweiterter Auslegung des \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 2 und 3 ErbStG zusteht<\/strong>, zugelassen. Vergleichbare F\u00e4lle k\u00f6nnte offengehalten werden.<\/p>\n<p>Zu Lebzeiten der Gro\u00dfeltern k\u00f6nnte eine \u201eVerbesserung\u201c ggf. durch sog. <strong>Kettenschenkungen<\/strong> erreicht werden.<\/p>\n<p>Nds. FG v. 28.2.2022 \u2013 3 K 210\/21 (rkr.), ErbStB 2022, 195<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ErbStG (\u00a7\u00a7 15, 16 ErbStG) enth\u00e4lt keine ausdr\u00fccklichen Regelungen f\u00fcr Urenkel*innen. Erwerbe von Urenkel*innen sind nach Steuerklasse\u00a0I zu besteuern (Abk\u00f6mmlinge der in \u00a7\u00a015 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG genannten Kinder und Stiefkinder). Unter \u00a7 16 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG fallen Urenkel sowie die Eltern und Voreltern. 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