{"id":1659,"date":"2025-07-14T13:51:48","date_gmt":"2025-07-14T11:51:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=1659"},"modified":"2025-07-14T13:51:48","modified_gmt":"2025-07-14T11:51:48","slug":"berner-pilotversuch-zwangsmediationen-bei-zerstrittenen-eltern-erfolgreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2025\/07\/14\/berner-pilotversuch-zwangsmediationen-bei-zerstrittenen-eltern-erfolgreich\/","title":{"rendered":"Berner Pilotversuch: Zwangsmediationen bei zerstrittenen Eltern erfolgreich"},"content":{"rendered":"<p>Mediation statt Anordnungen: Dieses Modell zeigte bei zerstrittenen Eltern in einem Berner Pilotversuch Erfolg. Nun will der Bundesrat das Modell schweizweit einf\u00fchren. Jedes Jahr sind in der Schweiz rund 30.000 Kinder von einer Scheidung oder einer Trennung der Eltern betroffen. In Hunderten von F\u00e4llen sind die Eltern derart zerstritten, dass die Beh\u00f6rden eingreifen m\u00fcssen. Gerichte oder die Kindes- und Erwachsenenschutzbeh\u00f6rde (Kesb) regeln dann die gemeinsame Kinderbetreuung. Oft l\u00f6sen solche Anordnungen allerdings den Konflikt nicht, sondern versch\u00e4rfen ihn noch. Leidtragende sind dabei in erster Linie die Kinder.<\/p>\n<p>Deshalb wurde in einem Pilotprojekt in der Stadt Bern ein neuer Weg zur Streitschlichtung begangen. Stark zerstrittene Eltern wurden vom Gericht oder von der Kesb ins 2023 gegr\u00fcndete Zentrum f\u00fcr Familien in Trennung (ZFIT) geschickt. \u00dcber den Beratungszeitraum von vier Monaten m\u00fcssen die Eltern zu vier bis sechs Beratungsgespr\u00e4chen von 60 bis 90 Minuten erscheinen. Die Beratung ist aufgrund einer beh\u00f6rdlichen oder gerichtlichen Anordnung obligatorisch. Ziel dieser \u201eZwangsmediation\u201c ist es, den Konflikt zwischen den Eltern zu entsch\u00e4rfen und eine gemeinsame L\u00f6sung zur Betreuung der Kinder zu finden. (Hierzu ausf\u00fchrlich <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=zkm.2024.03.i.0086.01.a&amp;q=Pilotprojekt%20Bern\">Falkner, ZKM 2024, 86 ff.<\/a>)<\/p>\n<p>Nun wurde die zweij\u00e4hrige Pilotphase dieser Beratungsgespr\u00e4che von der Universit\u00e4t Freiburg ausgewertet. Die Bilanz f\u00e4llt positiv aus, wie die involvierten Stellen in einer Mitteilung schreiben. So konnte in mehr als zwei Drittel der F\u00e4lle eine Teileinigung oder eine Einigung der Eltern erzielt werden. In fast der H\u00e4lfte der F\u00e4lle schlossen die Eltern eine Vereinbarung ab zur gemeinsamen Kinderbetreuung und zur Handhabung des Besuchsrechts. Positiv sind solche Einigungen nicht nur f\u00fcr die zerstrittenen Eltern und die Kinder, sondern auch f\u00fcr die Beh\u00f6rden. Diese werden durch eine erfolgreiche Mediation erheblich entlastet. Denn rund 40 Prozent aller Kesb-Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr Kinder sind Beistandschaften, um das Besuchsrecht bei streitenden Eltern durchzusetzen.<\/p>\n<p>Der Kanton Bern und das Bundesamt f\u00fcr Justiz pr\u00fcfen nun eine Verl\u00e4ngerung des Projekts. Neben der formalen Genehmigung ist dazu vor allem auch Geld n\u00f6tig. Der Bundesrat will das Familienverfahrensrecht rasch modernisieren. In seinem Bericht verwies er unter anderem auf die Erfahrungen mit dem Zentrum f\u00fcr Familien in Trennung. So soll die Konfliktl\u00f6sung durch Mediation gesetzlich verankert werden. Weiter sollen die heute unterschiedlichen Zust\u00e4ndigkeiten bei verheirateten und unverheirateten Paaren vereinheitlicht werden. Heute ist bei unverheirateten Paaren die Kesb und nicht ein Gericht zust\u00e4ndig. K\u00fcnftig sollen f\u00fcr alle Paare die Gerichte zur Regelung von Kinderbelangen befugt sein und die Kesb mit dem Vollzug der von Gerichten angeordneten Kindesschutzma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><em>Quelle: www.tagesanzeiger.ch v. 17.6.2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mediation statt Anordnungen: Dieses Modell zeigte bei zerstrittenen Eltern in einem Berner Pilotversuch Erfolg. Nun will der Bundesrat das Modell schweizweit einf\u00fchren. Jedes Jahr sind in der Schweiz rund 30.000 Kinder von einer Scheidung oder einer Trennung der Eltern betroffen. In Hunderten von F\u00e4llen sind die Eltern derart zerstritten, dass die Beh\u00f6rden eingreifen m\u00fcssen. Gerichte oder die Kindes- und Erwachsenenschutzbeh\u00f6rde (Kesb) regeln dann die gemeinsame Kinderbetreuung. Oft l\u00f6sen solche Anordnungen allerdings den Konflikt nicht, sondern versch\u00e4rfen ihn noch. Leidtragende sind dabei in erster Linie die Kinder. Deshalb wurde in einem Pilotprojekt in der Stadt Bern ein neuer Weg zur Streitschlichtung begangen. Stark zerstrittene Eltern wurden vom Gericht oder von der Kesb ins 2023 gegr\u00fcndete Zentrum f\u00fcr Familien in Trennung (ZFIT) geschickt. \u00dcber den Beratungszeitraum von vier Monaten m\u00fcssen die Eltern zu vier bis sechs Beratungsgespr\u00e4chen von 60 bis 90 Minuten erscheinen. Die Beratung ist aufgrund einer beh\u00f6rdlichen oder gerichtlichen Anordnung obligatorisch. Ziel dieser \u201eZwangsmediation\u201c ist es, den Konflikt zwischen den Eltern zu entsch\u00e4rfen und eine gemeinsame L\u00f6sung zur Betreuung der Kinder zu finden. (Hierzu ausf\u00fchrlich Falkner, ZKM 2024, 86 ff.) Nun wurde die zweij\u00e4hrige Pilotphase dieser Beratungsgespr\u00e4che von der Universit\u00e4t Freiburg ausgewertet. Die Bilanz f\u00e4llt positiv aus, wie die involvierten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":80,"featured_media":1660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[532],"tags":[215,533,250,305],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1659"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/users\/80"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1659"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1662,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1659\/revisions\/1662"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}