{"id":1885,"date":"2026-05-12T16:04:40","date_gmt":"2026-05-12T14:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=1885"},"modified":"2026-05-12T16:04:40","modified_gmt":"2026-05-12T14:04:40","slug":"interview-mit-heiko-haller-steht-die-internationale-schiedsgerichtsbarkeit-vor-einem-wendepunkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2026\/05\/12\/interview-mit-heiko-haller-steht-die-internationale-schiedsgerichtsbarkeit-vor-einem-wendepunkt\/","title":{"rendered":"Interview mit Heiko Haller: Steht die internationale Schiedsgerichtsbarkeit vor einem Wendepunkt?"},"content":{"rendered":"<p>Ein wichtiger Mechanismus zur L\u00f6sung grenz\u00fcberschreitender Streitigkeiten ist die internationale Schiedsgerichtsbarkeit. Sie steht aber durch Geopolitik, KI, Regulierung, Kosten- und Transparenzdruck vor tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen. \u00dcber die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit ver\u00f6ffentlichte die zum Otto Schmidt Verlag geh\u00f6rende Fachzeitschrift DER BETRIEB (DB) ein Interview mit Dr. Heiko Haller, Co-Chair der deutschen Dispute-Resolution-Praxisgruppe von Baker McKenzie.<\/p>\n<p>Gefragt, welche Entwicklungen derzeit die internationale Schiedsgerichtsbarkeit am st\u00e4rksten pr\u00e4ge, antwortet Haller: \u201eMomentan dominieren drei Megatrends: Technologie, Geopolitik und regulatorische Komplexit\u00e4t. Unser Global Dispute Forecast 2026, eine Umfrage unter 600 F\u00fchrungskr\u00e4ften in sechs Volkswirtschaften, zeigt: 80 Prozent der Unternehmen stufen Technologie- und Datenrisiken als wesentliche Bedrohung ein, 79 Prozent nennen Geopolitik und Handelspolitik, 78 Prozent operative Lieferkettenst\u00f6rungen. F\u00fcr die Schiedsgerichtsbarkeit selbst identifizieren 57 Prozent der Befragten Technologie und Datensicherheit als gr\u00f6\u00dfte Herausforderung der n\u00e4chsten drei Jahre, dicht gefolgt von Geopolitik (55 Prozent) sowie Kosten\/Verfahrensdauer (54 Prozent)\u201c.<\/p>\n<p>Wie es denn mit den Ressourcen f\u00fcr Streitbeilegungen in den Unternehmen aussehe, wollte DB wissen. Haller: \u201e38 Prozent der Unternehmen halten ihr Budget f\u00fcr Streitigkeiten f\u00fcr unzureichend, weitere 39 Prozent nur f\u00fcr \u201egerade ausreichend\u201c. 77 Prozent operieren ohne finanziellen Puffer bei unerwarteten Eskalationen und 55 Prozent nennen Finanzierungs- und Ressourcenengp\u00e4sse als gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde f\u00fcr ihre Streitbeilegungsbereitschaft. Knappe Mittel sind also nicht nur Budgetthemen, sondern zeigen, dass Unternehmen in wirtschaftlich herausfordernden Situationen eben nicht auf eingepreiste Puffer zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, sondern darauf angewiesen sind, ihre Anspr\u00fcche (ggf. rechtlich) durchzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Laut Haller sehen 54 Prozent der Befragten Kosten und Dauer der Schiedsverfahren als signifikante Herausforderung. Nach einer ICC-Statistik h\u00e4tten die Parteien es aber in der Hand, die Kosten zu beeinflussen, weil ungef\u00e4hr 85 Prozent der Kosten des Schiedsverfahrens von Parteien verursachte Kosten sind. Wichtig sei daher, dass die Parteien auf eine effiziente Prozessf\u00fchrung und (interne) Fallaufbereitung achten.<\/p>\n<p>Heiko Haller sieht alternative Streitbeilegungsmethoden wie Mediation nicht als Konkurrenz zur Schiedsgerichtsbarkeit, sondern als wichtige Erg\u00e4nzung. \u201eEine Mediation kann Konflikte besonders effektiv l\u00f6sen, v.a. soweit diese Streitigkeiten langfristige Gesch\u00e4ftsbeziehungen betreffen. Dann sind konsensuale L\u00f6sungen nachhaltiger und bewahren die Gesch\u00e4ftsbeziehung. In L\u00e4ndern wie Deutschland, wo die Mediation noch kein etablierter Standard ist, bestehen jedoch weiterhin \u00fcberraschend viele Vorbehalte, sodass Mediationsvereinbarungen h\u00e4ufig abgelehnt werden.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: der-betrieb.de v. 1.4.2026<\/em><\/p>\n<p>Bild:VideoFlow &#8211; stock.adobe.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wichtiger Mechanismus zur L\u00f6sung grenz\u00fcberschreitender Streitigkeiten ist die internationale Schiedsgerichtsbarkeit. Sie steht aber durch Geopolitik, KI, Regulierung, Kosten- und Transparenzdruck vor tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen. \u00dcber die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit ver\u00f6ffentlichte die zum Otto Schmidt Verlag geh\u00f6rende Fachzeitschrift DER BETRIEB (DB) ein Interview mit Dr. Heiko Haller, Co-Chair der deutschen Dispute-Resolution-Praxisgruppe von Baker McKenzie. 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