{"id":1934,"date":"2026-07-14T10:09:18","date_gmt":"2026-07-14T08:09:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=1934"},"modified":"2026-07-14T10:09:18","modified_gmt":"2026-07-14T08:09:18","slug":"soft-power-ist-kein-luxus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2026\/07\/14\/soft-power-ist-kein-luxus\/","title":{"rendered":"\u201eSoft Power ist kein Luxus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In einem Gastbeitrag der Frankfurter Rundschau warnt Chris Coulter, Executive Director der Berghof Foundation, einer Nichtregierungsorganisation, die sich f\u00fcr friedliche L\u00f6sungen gewaltsamer Konflikte einsetzt, vor deutschen K\u00fcrzungen bei der Krisenpr\u00e4vention. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Konfliktl\u00f6sung und war zuvor als Beraterin f\u00fcr das schwedische Au\u00dfenministerium t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Angesichts sich zuspitzender geopolitischer Rivalit\u00e4ten und einer zunehmend fragilen Sicherheitsordnung werden friedenspolitische Instrumente f\u00fcr Deeskalation und die Stabilit\u00e4t ganzer Regionen noch wichtiger. Die Mittel f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe und Krisenpr\u00e4vention im Bundeshaushalt wurden f\u00fcr das Jahr 2025 aber von 2,69 auf 1,43 Milliarden Euro gek\u00fcrzt. Dabei sind die Vorteile von Pr\u00e4vention gut belegt. Selbst bei einer Erfolgsquote von nur 50 Prozent spart jeder in Krisenpr\u00e4vention investierte Dollar langfristig 16 Dollar an Kosten f\u00fcr milit\u00e4rische Interventionen, Wiederaufbau und humanit\u00e4re Notlagen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat die Bundesregierung angek\u00fcndigt, die f\u00fcr Krisenpr\u00e4vention, Friedensf\u00f6rderung und humanit\u00e4re Hilfe zust\u00e4ndige Abteilung im Ausw\u00e4rtigen Amt aufzul\u00f6sen \u2013 genau jene Abteilung, die in den vergangenen Jahren systematisch Kompetenzen im Bereich der Mediation aufgebaut hat. Damit werden auch Netzwerke und Vertrauen, die f\u00fcr die Unterst\u00fctzung komplexer Friedensprozesse unerl\u00e4sslich sind, geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Konflikte bleiben selten lokal begrenzt, wie die Eskalationen im Nahen Osten sowie der Krieg im Sudan zeigen. Sie destabilisieren ganze Regionen, treiben Fluchtbewegungen, f\u00f6rdern Extremismus und st\u00e4rken organisierte Kriminalit\u00e4t. Das hat auch Auswirkungen auf Deutschlands innere Sicherheit und politische Stabilit\u00e4t. Fr\u00fchzeitige Krisenpr\u00e4vention und Mediation sch\u00fctzen wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen. Die Vermittlung des Getreideabkommens im Krieg gegen die Ukraine 2022 erm\u00f6glichte zeitweise den Export von Millionen Tonnen Getreide und verhinderte eine dramatische Versch\u00e4rfung der globalen Ern\u00e4hrungskrise.<\/p>\n<p>Staaten wie Katar, das im Nahen Osten und Ostafrika als Vermittler auftritt, setzen Mediation gezielt als Instrument der Au\u00dfenpolitik ein. Auch China hat k\u00fcrzlich damit begonnen, sie als Instrument seiner Machtpolitik zu verwenden, nicht zuletzt um sein Ansehen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Deutschland sollte anerkennen, dass sich Sicherheit nicht allein milit\u00e4risch entscheidet, sondern auch in Verhandlungen, in denen Gewalt noch verhindert werden kann. Mediation darf deshalb nicht als Randnotiz in Sicherheitsdebatten verkommen, sondern muss als strategisches Mittel zum Schutz nationaler Interessen bis ins Bundeskanzleramt verankert werden.<\/p>\n<p>Wer in Mediation investiert, st\u00e4rkt Handlungsf\u00e4higkeit. Damit kann Deutschland seinen Ruf als verl\u00e4sslicher und konstruktiver Mediator bewahren und gezielt f\u00fcr sich nutzen \u2013 in multilateralen Verhandlungen ebenso wie in der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, die oft entscheidende Impulse f\u00fcr tragf\u00e4hige L\u00f6sungen liefern. Soft Power ist kein Luxus. Sie ist eine Voraussetzung f\u00fcr Sicherheit.<\/p>\n<p><em>Quelle: fr.de v. 14.05.2026<\/em><\/p>\n<p>Bild: \u00a9misu &#8211; stock.adobe.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Gastbeitrag der Frankfurter Rundschau warnt Chris Coulter, Executive Director der Berghof Foundation, einer Nichtregierungsorganisation, die sich f\u00fcr friedliche L\u00f6sungen gewaltsamer Konflikte einsetzt, vor deutschen K\u00fcrzungen bei der Krisenpr\u00e4vention. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Konfliktl\u00f6sung und war zuvor als Beraterin f\u00fcr das schwedische Au\u00dfenministerium t\u00e4tig. Angesichts sich zuspitzender geopolitischer Rivalit\u00e4ten und einer zunehmend fragilen Sicherheitsordnung werden friedenspolitische Instrumente f\u00fcr Deeskalation und die Stabilit\u00e4t ganzer Regionen noch wichtiger. Die Mittel f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe und Krisenpr\u00e4vention im Bundeshaushalt wurden f\u00fcr das Jahr 2025 aber von 2,69 auf 1,43 Milliarden Euro gek\u00fcrzt. Dabei sind die Vorteile von Pr\u00e4vention gut belegt. Selbst bei einer Erfolgsquote von nur 50 Prozent spart jeder in Krisenpr\u00e4vention investierte Dollar langfristig 16 Dollar an Kosten f\u00fcr milit\u00e4rische Interventionen, Wiederaufbau und humanit\u00e4re Notlagen. Gleichzeitig hat die Bundesregierung angek\u00fcndigt, die f\u00fcr Krisenpr\u00e4vention, Friedensf\u00f6rderung und humanit\u00e4re Hilfe zust\u00e4ndige Abteilung im Ausw\u00e4rtigen Amt aufzul\u00f6sen \u2013 genau jene Abteilung, die in den vergangenen Jahren systematisch Kompetenzen im Bereich der Mediation aufgebaut hat. Damit werden auch Netzwerke und Vertrauen, die f\u00fcr die Unterst\u00fctzung komplexer Friedensprozesse unerl\u00e4sslich sind, geschw\u00e4cht. 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