{"id":1992,"date":"2026-09-14T16:46:12","date_gmt":"2026-09-14T14:46:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=1992"},"modified":"2026-09-14T16:46:12","modified_gmt":"2026-09-14T14:46:12","slug":"runder-tisch-zu-schichtungsstelle-bei-pauschalreisen-brachte-kontroverse-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2026\/09\/14\/runder-tisch-zu-schichtungsstelle-bei-pauschalreisen-brachte-kontroverse-diskussion\/","title":{"rendered":"Runder Tisch zu Schichtungsstelle bei Pauschalreisen brachte kontroverse Diskussion"},"content":{"rendered":"<p>Sollen Reiseunternehmen verst\u00e4rkt die \u00f6ffentlichen Schlichtungsstellen nutzen? Bei einem Runden Tisch des Bundesjustizministeriums in Berlin gab es aus der Branche diverse kritische Stimmen. Anbieter Evaneos oder Ulrich Forster Kunstreisen teilen die Bedenken nicht. Auch der ADAC urteilt positiv.<\/p>\n<p>Seit mehr als zehn Jahren ist Reiseanbieter Evaneos freiwilliges Mitglied der Schlichtungsstelle Reise und Verkehr. Ziel war und ist es, das Vertrauen der Reisenden nachhaltig zu st\u00e4rken, teilt Evaneos auf Anfrage von fvw|TravelTalk mit. Die Zusammenarbeit mit der Schlichtungsstelle sende ein klares Signal an die Kundinnen und Kunden, dass Evaneos h\u00f6chste Standards in Bezug auf Transparenz, Fairness und Verantwortungsbewusstsein verfolge.<\/p>\n<p>Insgesamt positiv sieht auch der ADAC, wie Evaneos Mitglied bei der Schlichtungsstelle Reise und Verkehr, die Streitbeilegung via Schlichtungsstelle. Es gehe nicht immer nur um finanzielle Anspr\u00fcche, sondern auch darum, mit einer entt\u00e4uschenden Reiseerfahrung Geh\u00f6r zu finden. Wie es dann am Ende ausgehe, sei manchmal gar nicht so wichtig, sagte Verbandsjuristin Ellen Stamer im Zuge des Runden Tisches.<\/p>\n<p>Der Bundesverband f\u00fcr selbstst\u00e4ndige Reiseb\u00fcros und Reiseunternehmen in Deutschland (VUSR) brachte in diesem Rahmen die Perspektive der unabh\u00e4ngigen, inhabergef\u00fchrten Reiseb\u00fcros sowie mittelst\u00e4ndischer Unternehmen ein. Diese Betriebe verf\u00fcgen oft nicht \u00fcber eigene Rechtsabteilungen. Sie tragen die Kosten juristischer Auseinandersetzungen unmittelbar selbst.<\/p>\n<p>Die Schlichtungsstelle Reise &amp; Verkehr e. V. erzielte 2025 mit rund 46.000 abgeschlossenen F\u00e4llen ein Rekordergebnis. Auf Pauschalreisen entfielen davon jedoch lediglich 531 F\u00e4lle. Den \u00fcberwiegenden Teil machten Flugreisen (82,9 %) und Bahnreisen (14,8 %) aus. Das Instrument der Schlichtung funktioniert grunds\u00e4tzlich gut. Wenn ein Verfahren eingeleitet wird, liegt die Einigungsquote bei 88 %. Das Kernproblem besteht somit nicht in der Qualit\u00e4t der Schlichtung. Es mangelt am Zugang f\u00fcr Verbraucher im Bereich der Pauschalreise.<\/p>\n<p>Bisherige Erfahrungen zeigen laut VUSR, dass sich viele Unternehmen bei Freiwilligkeit dem Verfahren entziehen. Bei der Universalschlichtungsstelle des Bundes beteiligte sich 2024 die Gegenseite in rund 43 Prozent der F\u00e4lle nicht am Verfahren. Im Luftverkehr stellt sich die Situation anders dar. Dort greift eine beh\u00f6rdliche Auffangschlichtungsstelle beim Bundesamt f\u00fcr Justiz. Dies f\u00fchre zu deutlich h\u00f6heren Fallzahlen und einer besseren Durchsetzung von Verbraucherrechten. Um eine fl\u00e4chendeckende und faire L\u00f6sung zu gew\u00e4hrleisten, fordert der VUSR eine gesetzliche Teilnahmepflicht an einer anerkannten Schlichtung. Diese sollte sich am Vorbild des Luftverkehrs orientieren und als verbindliches Auffangmodell fungieren.<\/p>\n<p>Anders sieht das Albin Loidl, Pr\u00e4sident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Die Pauschalreise sei bereits heute eines der am st\u00e4rksten verbraucherrechtlich abgesicherten Produkte \u00fcberhaupt. Reisende profitierten von einem umfassenden gesetzlichen Schutz und einem bew\u00e4hrten System, das auf schnelle und kundenorientierte L\u00f6sungen ausgerichtet sei. Laut Loibl w\u00fcrde eine verpflichtende Schlichtung den Verbrauchern keinen zus\u00e4tzlichen Nutzen bringen, sondern vor allem Kosten und Verfahrensaufwand erh\u00f6hen. Anders als in vielen anderen Branchen st\u00fcnde Reisenden bei einer Pauschalreise w\u00e4hrend der gesamten Reise direkte Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung. Reiseleitungen und lokale Partner w\u00fcrden viele Probleme bereits am Urlaubsort l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Eine verpflichtende Teilnahme an Schlichtungsverfahren w\u00fcrde vor allem zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie schaffen. Die Kosten des Verfahrens tragen regelm\u00e4\u00dfig die Unternehmen \u2013 unabh\u00e4ngig vom Ausgang. Scheitert eine Schlichtung, schlie\u00dfe sich h\u00e4ufig dennoch ein Gerichtsverfahren an. Damit entstehe dann ein zus\u00e4tzlicher Verfahrensschritt, ohne dass grundlegende Rechtsfragen gekl\u00e4rt oder eine einheitliche Rechtsprechung geschaffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Pauschalreiserichtlinie und ihre Umsetzung in deutsches Recht haben die Verbraucherrechte in den vergangenen Jahren weiter gest\u00e4rkt und europaweit harmonisiert. Der DRV begr\u00fc\u00dft daher, dass im Rahmen der Revision der EU-Pauschalreiserichtlinie keine Verpflichtung zur Teilnahme an alternativen Streitbeilegungsverfahren eingef\u00fchrt wurde. Stattdessen bleibt es bei einer freiwilligen Teilnahme. Die Reiseveranstalter h\u00e4tten ein hohes Eigeninteresse daran, Probleme schnell und kundenorientiert zu l\u00f6sen. Zus\u00e4tzliche verpflichtende Schlichtungsstrukturen w\u00fcrden vor allem Kosten und B\u00fcrokratie erh\u00f6hen, ohne einen erkennbaren Mehrwert f\u00fcr Verbraucherinnen und Verbraucher zu schaffen, so DRV-Pr\u00e4sident Loibl.<\/p>\n<p><em>Quelle: fvw.de v. 24.8.2026, vusr.de v. 13.8.2026 omnibusrevue.de v. 14.8.2026<\/em><\/p>\n<p>Foto:\u00a0\u00a9Tempe Gembus &#8211; stock.adobe.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollen Reiseunternehmen verst\u00e4rkt die \u00f6ffentlichen Schlichtungsstellen nutzen? Bei einem Runden Tisch des Bundesjustizministeriums in Berlin gab es aus der Branche diverse kritische Stimmen. Anbieter Evaneos oder Ulrich Forster Kunstreisen teilen die Bedenken nicht. Auch der ADAC urteilt positiv. 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