{"id":620,"date":"2022-07-14T08:34:39","date_gmt":"2022-07-14T06:34:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=620"},"modified":"2022-07-14T08:34:39","modified_gmt":"2022-07-14T06:34:39","slug":"windkraftausbau-wenn-alle-am-rad-drehen-ist-mediation-gefragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2022\/07\/14\/windkraftausbau-wenn-alle-am-rad-drehen-ist-mediation-gefragt\/","title":{"rendered":"Windkraftausbau: Wenn alle am Rad drehen, ist Mediation gefragt"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich steht der Wind g\u00fcnstig: Bei einer Forsa-Umfrage gaben 80 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass sie den Landausbau der Windenergie unbedingt m\u00f6chten. Drohen die riesigen Windr\u00e4der allerdings vor die eigenen Pforten zu kommen, dann droht oft Streit und Vermittlung tut not. Das Redaktions\u00adNetzwerk Deutschland (RND) sprach mit den Mediatorinnen Emanuela Boretzki und Wiebke Heider vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) \u00fcber ihre Aufgaben.<\/p>\n<p>Warum muss das Kind \u00fcberhaupt in den Brunnen fallen? Laut Wiebke Heider seien am Anfang, wenn eine Mitwirkung an der Regionalplanung gut m\u00f6glich w\u00e4re, die Planungen noch sehr vage. Der Planungskorridor sei breit, oft w\u00fcrden mehrere Gemeinden einbezogen, man wisse noch nicht, wo die Anlagen genau stehen werden. \u201eAnfangs interessiert so ein Projekt die Leute deshalb nicht. Es gilt das St.-Floriansprinzip, man hat die Hoffnung, es m\u00f6ge den anderen treffen. Erst, wenn keine Mitwirkung mehr m\u00f6glich ist, werden die konkreten Grundst\u00fccke bekannt, auf denen gebaut wird. Und erst wenn die Planung ihr eigenes Grundst\u00fcck betrifft, werden die Leute hellh\u00f6rig und gehen auf die Barrikaden. Und das polarisiert dann die Gemeinden\u201c, hat Heider beobachtet.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter st\u00fcnden oft f\u00fcr den Klimaschutz \u2013 m\u00f6chten, dass diesbez\u00fcglich auch etwas vor der eigenen T\u00fcr passiere, hat Emanuela Boretzki beobachtet. F\u00fcr andere Beteiligte sei das Geldthema ein gro\u00dfes. Wenn Strom zu bekommen sei \u2013 Stichwort: \u201edezentrale Versorgung\u201c, vielleicht auch g\u00fcnstiger \u2013, gingen viele mit. F\u00fcr die Gegner ausschlaggebend: das Landschaftsbild, der Natur- und Vogelschutz. \u201eWindkraftanlagen m\u00fcssen erschlossen sein, sie m\u00fcssen von den Hauptstra\u00dfen auch f\u00fcr die Feuerwehr erreichbar sein. Das f\u00fchrt \u00fcber Wege, die zum Teil auch Privatpersonen geh\u00f6ren. Die k\u00f6nnen eine Anlage auch \u00fcber das Wegerecht verhindern\u201c, wei\u00df Boretzki.<\/p>\n<p>Und wie l\u00e4uft eine Windkraft-Mediation ab? \u201eWir gehen erst zu jeder einzelnen Konfliktpartei. Und wenn es 35 Parteien sind, gehen wir zu jeder einzelnen und h\u00f6ren sie an. Die fordern wir auch erst mal auf, richtig Dampf abzulassen. Wir sagen: ,Wir sind eure Blitzableiter.\u00b4 Das tut denen richtig gut\u201c, sagt Heider. Danach sehe man schnell, dass die Gruppen gar nicht so homogen sind. Da findet sich in der B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr den Rotmilan beispielsweise auch der Grundbesitzer, der sich \u00e4rgert, dass sein Grundst\u00fcck au\u00dferhalb der Vorrangfl\u00e4che liegt, dass die anderen mitverdienen und er nicht. Heider weiter: \u201eMan lernt sich so kennen, wir erweitern unser Wissen, verstehen den Menschen, wir gewinnen Vertrauen. Und durch unsere Neugier, unsere Fragen, werden die Leute nachdenklich, wo sie wirklich stehen. Oft ist es ja so: Der ist dagegen \u2013 also bin ich auch dagegen.\u201c<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Phase werden die Gruppen in vier bis f\u00fcnf Sitzungen zusammengef\u00fchrt. \u201eDie erste dient dem Beschnuppern, ab der zweiten geht es dann durch unsere Themenliste aus den Vorgespr\u00e4chen. In den Sitzungen sitzt dann auch nicht die ganze B\u00fcrgerinitiative, sondern zwei Vertreter. Alle Parteien sind gleichberechtigt und in gleicher Anzahl an einem runden Tisch\u201c, beschreibt Emanuela Boretzki das Prozedere. Sie wertet es bereits als erfolgreichen Abschluss der Mediation, wenn danach wieder miteinander statt \u00fcbereinander geredet wird.<\/p>\n<p>Manchmal, so Wibke Heider, werde auch schon an Ort und Stelle von allen eine Mediationsvereinbarung unterschrieben. \u201eAber eine Mediation ist immer eine Intervention ins Soziale, die auch Langzeitfolgen hat. Einmal hat eine Mediation, die ich als gescheitert bezeichnet hatte, zwei Jahre sp\u00e4ter doch zu einem Ergebnis gef\u00fchrt. Weil nach einer Mediation in den K\u00f6pfen so viel passiert.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle www.rnd.de v. 16.5.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich steht der Wind g\u00fcnstig: Bei einer Forsa-Umfrage gaben 80 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass sie den Landausbau der Windenergie unbedingt m\u00f6chten. Drohen die riesigen Windr\u00e4der allerdings vor die eigenen Pforten zu kommen, dann droht oft Streit und Vermittlung tut not. Das Redaktions\u00adNetzwerk Deutschland (RND) sprach mit den Mediatorinnen Emanuela Boretzki und Wiebke Heider vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) \u00fcber ihre Aufgaben. Warum muss das Kind \u00fcberhaupt in den Brunnen fallen? Laut Wiebke Heider seien am Anfang, wenn eine Mitwirkung an der Regionalplanung gut m\u00f6glich w\u00e4re, die Planungen noch sehr vage. Der Planungskorridor sei breit, oft w\u00fcrden mehrere Gemeinden einbezogen, man wisse noch nicht, wo die Anlagen genau stehen werden. \u201eAnfangs interessiert so ein Projekt die Leute deshalb nicht. Es gilt das St.-Floriansprinzip, man hat die Hoffnung, es m\u00f6ge den anderen treffen. Erst, wenn keine Mitwirkung mehr m\u00f6glich ist, werden die konkreten Grundst\u00fccke bekannt, auf denen gebaut wird. Und erst wenn die Planung ihr eigenes Grundst\u00fcck betrifft, werden die Leute hellh\u00f6rig und gehen auf die Barrikaden. Und das polarisiert dann die Gemeinden\u201c, hat Heider beobachtet. Die Bef\u00fcrworter st\u00fcnden oft f\u00fcr den Klimaschutz \u2013 m\u00f6chten, dass diesbez\u00fcglich auch etwas vor der eigenen T\u00fcr passiere, hat Emanuela Boretzki beobachtet. 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