{"id":739,"date":"2023-01-15T08:43:08","date_gmt":"2023-01-15T07:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=739"},"modified":"2023-01-15T08:43:08","modified_gmt":"2023-01-15T07:43:08","slug":"verhandeln-mit-dem-teufel-wie-vermittlung-im-krieg-funktioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2023\/01\/15\/verhandeln-mit-dem-teufel-wie-vermittlung-im-krieg-funktioniert\/","title":{"rendered":"Verhandeln mit dem Teufel: Wie Vermittlung im Krieg funktioniert"},"content":{"rendered":"<p>Der ehemalige s\u00fcdafrikanische Pr\u00e4sident Nelson Mandela brachte die Kriegsparteien in Burundi 2002 zu einem Friedensabkommen. Eine Schl\u00fcsselrolle hinter den Kulissen spielten dabei ein Schweizer und ein s\u00fcdafrikanischer Vermittler. Auch Schweizer NGOs arbeiten hinter den Kulissen f\u00fcr den Frieden. Friedensvermittlung ist ein diskreter Job. Vor allem NGOs sprechen selten dar\u00fcber, was hinter den Kulissen passiert. Dabei sind sie ein wichtiger Teil der Schweizer Diplomatie und k\u00f6nnten noch eine Rolle bei der Befriedung der Ukraine spielen.<\/p>\n<p>\u201eWenn man einen Konflikt hat, gibt es sofort eine Tendenz, die andere Seite zu entmenschlichen&#8220;, sagt Pierre Hazan, nach dem Titel seines im September 2022 ver\u00f6ffentlichten Buchs \u201eVerhandeln mit dem Teufel&#8220; gefragt. \u201eWir sprechen \u00fcber Leute, die Kriegsverbrechen begangen haben. Die Frage ist, ob man das Ausma\u00df der regionalen und internationalen Unsicherheit begrenzen, die Situation stabilisieren und zu einer L\u00f6sung beitragen kann? Wenn ja, dann muss man verhandeln, und das tut man nicht mit den Guten.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Leute h\u00e4tten ihre eigenen Interessen und meinten es vielleicht nicht ernst mit dem Frieden. \u201eM\u00f6glicherweise wollen sie dich manipulieren&#8220;, sagt Hazan. Der leitende Berater des Genfer Zentrums f\u00fcr humanit\u00e4ren Dialog (HD Center) spricht aus langj\u00e4hriger Erfahrung. Moralische Dilemmas geh\u00f6ren zum Tagesgesch\u00e4ft in der Friedensvermittlung. Hilft man beispielsweise in Syrien bei der sicheren Evakuierung von Zivilisten, um sie vor Schaden zu bewahren, tr\u00e4gt man unter Umst\u00e4nden zu den ethnischen S\u00e4uberungszielen der Kriegsparteien bei. Und wenn das Angebot lautet, ein Drittel der Gefangenen auszuw\u00e4hlen, die aus einem schrecklichen Lager der kroatischen Miliz in Bosnien entlassen werden sollen \u2013 wie entscheidet man sich dann?<\/p>\n<p>Hazan geh\u00f6rte zu einem Team von humanit\u00e4ren Helfern, die 1993 in der N\u00e4he von Mostar genau das tun mussten. Er beschreibt die entsetzlichen Bedingungen, den Gewichtsverlust der Gefangenen und das Wissen, dass die Zur\u00fcckgebliebenen sterben k\u00f6nnten, sowie den Zynismus des Lagerleiters, der nur diejenigen freilassen wollte, die &#8222;keinen Wert&#8220; hatten, sprich keine Verwandten in Deutschland, \u00d6sterreich oder der Schweiz, die ein L\u00f6segeld bezahlen k\u00f6nnten. Es kam zu keiner Einigung, doch der Offizier verweigerte pl\u00f6tzlich jede Freilassung. Die Busse, welche die freigelassenen H\u00e4ftlinge abholen sollten, blieben leer.<\/p>\n<p>Das sei ein moralischer Wendepunkt f\u00fcr ihn gewesen. \u201eIn diesen Tagen&#8220;, schreibt Hazan in seinem Buch, &#8222;wurde mir bewusst, wie schwer diese ethische Verantwortung sein kann, die darauf abzielt, die Mittel dem Ziel anzupassen, mit all den potenziell fatalen Folgen, die sich daraus ergeben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p><em>Quelle: www.swissinfo.ch v. 13.12.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ehemalige s\u00fcdafrikanische Pr\u00e4sident Nelson Mandela brachte die Kriegsparteien in Burundi 2002 zu einem Friedensabkommen. Eine Schl\u00fcsselrolle hinter den Kulissen spielten dabei ein Schweizer und ein s\u00fcdafrikanischer Vermittler. Auch Schweizer NGOs arbeiten hinter den Kulissen f\u00fcr den Frieden. Friedensvermittlung ist ein diskreter Job. Vor allem NGOs sprechen selten dar\u00fcber, was hinter den Kulissen passiert. Dabei sind sie ein wichtiger Teil der Schweizer Diplomatie und k\u00f6nnten noch eine Rolle bei der Befriedung der Ukraine spielen. \u201eWenn man einen Konflikt hat, gibt es sofort eine Tendenz, die andere Seite zu entmenschlichen&#8220;, sagt Pierre Hazan, nach dem Titel seines im September 2022 ver\u00f6ffentlichten Buchs \u201eVerhandeln mit dem Teufel&#8220; gefragt. \u201eWir sprechen \u00fcber Leute, die Kriegsverbrechen begangen haben. Die Frage ist, ob man das Ausma\u00df der regionalen und internationalen Unsicherheit begrenzen, die Situation stabilisieren und zu einer L\u00f6sung beitragen kann? Wenn ja, dann muss man verhandeln, und das tut man nicht mit den Guten.&#8220; Diese Leute h\u00e4tten ihre eigenen Interessen und meinten es vielleicht nicht ernst mit dem Frieden. \u201eM\u00f6glicherweise wollen sie dich manipulieren&#8220;, sagt Hazan. Der leitende Berater des Genfer Zentrums f\u00fcr humanit\u00e4ren Dialog (HD Center) spricht aus langj\u00e4hriger Erfahrung. 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