{"id":879,"date":"2023-05-14T12:29:45","date_gmt":"2023-05-14T10:29:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=879"},"modified":"2023-05-14T12:29:45","modified_gmt":"2023-05-14T10:29:45","slug":"trennung-und-scheidung-pilotprojekt-zur-gerichtsmediation-im-kanton-waadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2023\/05\/14\/trennung-und-scheidung-pilotprojekt-zur-gerichtsmediation-im-kanton-waadt\/","title":{"rendered":"Trennung und Scheidung: Pilotprojekt zur Gerichtsmediation im Kanton Waadt"},"content":{"rendered":"<p>Im Kanton Waadt ist ein Pilotprojekt in einem Gerichtsbezirk angelaufen: Eltern sollen sich friedlich trennen, damit die Scheidungskinder weniger Schaden an Psyche und Gesundheit nehmen. Kinder sollen schon vor dem ersten Gerichtstermin angeh\u00f6rt werden. Und die Eltern bekommen eine Mediation.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund steigender Scheidungszahlen ist zum Schutz der kleinsten Betroffenen im Kanton Waadt in der Schweiz ein Pilotprojekt angelaufen. Die Waadtl\u00e4nder Justiz, Gerichte und Sozialdienste haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, k\u00fcnftig m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig Einfluss nehmen, bevor der Konflikt eskaliert. Eltern, die sich trennen, m\u00fcssen k\u00fcnftig zuerst an einem Informationstermin teilnehmen \u2013 und zwar getrennt, wenn n\u00f6tig. Dort werden sie an ihre elterlichen Pflichten erinnert. Sie werden ermahnt, die Kinder aus ihren Streitereien rauszuhalten, sie nicht als Spione oder Boteng\u00e4nger einzusetzen.<\/p>\n<p>Auch die Kommunikation mit dem Gericht wird angepasst: Scheidungsbegehren sollen k\u00fcnftig keinen Platz mehr lassen f\u00fcr Anschuldigungen und Angriffe, das vergifte nur die Stimmung. Daher erfragen Formulare k\u00fcnftig nur noch die n\u00f6tigsten Informationen: Familienstruktur, Einkommen, Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>Zwei weitere Schritte sollten k\u00fcnftig schon vor dem ersten Gerichtstermin erfolgen: Erstens werden die Kinder angeh\u00f6rt und zweitens schwere Vorw\u00fcrfe wie beispielsweise eine Drogensucht beh\u00f6rdlich abgekl\u00e4rt. Nach der ersten Anh\u00f6rung vor Gericht sollen die Trennungswilligen k\u00fcnftig an einer Mediation teilnehmen. F\u00fcnf Sitzungen werden bezahlt. Ziel sei ein von den Eltern selbst ausgehandelter Kompromiss. Das sei nachhaltiger als ein richterlicher Entscheid.<\/p>\n<p>Der Kanton Waadt ist nicht der erste Kanton, der mehr Einvernahme bei Scheidungen will: Schweizer Vorreiter in diesem Bereich ist Basel-Stadt, wo es \u201eangeordnete Beratungen\u201c gibt. Das Wallis hat vor zwei Jahren ein \u00e4hnliches System eingef\u00fchrt und in mehreren Kantonen laufen derzeit entsprechende Projekte.\u00a0Zur Mediation zwingen k\u00f6nnen die Kantone Eltern nicht; aber sie k\u00f6nnen diese st\u00e4rker dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Das Projekt im Kanton Waadt ist vorerst auf einen Gerichtsbezirk beschr\u00e4nkt. Ist die Bilanz in zwei Jahren positiv, wird ausgeweitet. Gemessen wird der Erfolg anhand der Dauer der Gerichtsverfahren und der Zahl der Rechtsmittel. Man verspricht sich aber auch eine Verbesserung des psychischen Befindens der von Trennung betroffenen Kinder.<\/p>\n<p>Im Jahr 2021 wurden in Deutschland durch richterlichen Beschluss rund 142.800 Ehen geschieden. Etwas mehr als die H\u00e4lfte (51,5 %) der 2021 geschiedenen Ehepaare hatte minderj\u00e4hrige Kinder. Von diesen hatten wiederum 49,5 % ein Kind, 39,5 % zwei und 11,0 % drei oder mehr Kinder. Insgesamt waren allein im Jahr 2021 etwa 121.800 Minderj\u00e4hrige von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.<\/p>\n<p><em>Quelle: www.srf.ch v. 19.12.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kanton Waadt ist ein Pilotprojekt in einem Gerichtsbezirk angelaufen: Eltern sollen sich friedlich trennen, damit die Scheidungskinder weniger Schaden an Psyche und Gesundheit nehmen. Kinder sollen schon vor dem ersten Gerichtstermin angeh\u00f6rt werden. Und die Eltern bekommen eine Mediation. Vor dem Hintergrund steigender Scheidungszahlen ist zum Schutz der kleinsten Betroffenen im Kanton Waadt in der Schweiz ein Pilotprojekt angelaufen. Die Waadtl\u00e4nder Justiz, Gerichte und Sozialdienste haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, k\u00fcnftig m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig Einfluss nehmen, bevor der Konflikt eskaliert. Eltern, die sich trennen, m\u00fcssen k\u00fcnftig zuerst an einem Informationstermin teilnehmen \u2013 und zwar getrennt, wenn n\u00f6tig. Dort werden sie an ihre elterlichen Pflichten erinnert. Sie werden ermahnt, die Kinder aus ihren Streitereien rauszuhalten, sie nicht als Spione oder Boteng\u00e4nger einzusetzen. Auch die Kommunikation mit dem Gericht wird angepasst: Scheidungsbegehren sollen k\u00fcnftig keinen Platz mehr lassen f\u00fcr Anschuldigungen und Angriffe, das vergifte nur die Stimmung. Daher erfragen Formulare k\u00fcnftig nur noch die n\u00f6tigsten Informationen: Familienstruktur, Einkommen, Bed\u00fcrfnisse. Zwei weitere Schritte sollten k\u00fcnftig schon vor dem ersten Gerichtstermin erfolgen: Erstens werden die Kinder angeh\u00f6rt und zweitens schwere Vorw\u00fcrfe wie beispielsweise eine Drogensucht beh\u00f6rdlich abgekl\u00e4rt. Nach der ersten Anh\u00f6rung vor Gericht sollen die Trennungswilligen k\u00fcnftig an einer Mediation teilnehmen. 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