{"id":926,"date":"2023-07-14T12:20:50","date_gmt":"2023-07-14T10:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/?p=926"},"modified":"2023-07-14T12:20:50","modified_gmt":"2023-07-14T10:20:50","slug":"chatgpt-und-das-ende-des-urheberrechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/2023\/07\/14\/chatgpt-und-das-ende-des-urheberrechts\/","title":{"rendered":"ChatGPT und das Ende des Urheberrechts?"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Alexander Duisberg, Ashurst LLP, ist Partner im Bereich Digital Economy besch\u00e4ftigt sich in einem Gastbeitrag f\u00fcr die Welt mit der Frage, welche von ChatGPT erstellten Texte urheberrechtlich gesch\u00fctzt sind und welche nicht. Grunds\u00e4tzlich sch\u00fctzt das Urheberrecht nur den Ausdruck einer menschlichen geistigen Sch\u00f6pfung. Der Prompt \u201eErstelle Gedicht im Stile Brechts&#8220; hat laut Duisberg keine Sch\u00f6pfungsh\u00f6he und dem synthetischen Text fehlt der menschlich-sch\u00f6pferische Akt, jedenfalls wenn er keine Elemente eines echten Gedichts \u00fcbernimmt. Das Ergebnis ist urheberrechtlich nicht gesch\u00fctzt, also \u201egemeinfrei&#8220;, so Duisberg. Dazu kommt: Je mehr synthetische Texte in die Trainingsdaten einflie\u00dfen, desto geringer sei das verbleibende Substrat menschlich sch\u00f6pferischer T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Gemeinfreie Texte werden nach Einsch\u00e4tzung von Alexander Duisberg schnell zunehmen, ohne dass sie von menschlichen Werken klar zu unterscheiden sind. Bei der Software-Entwicklung durch ChatGPT k\u00f6nnten immerhin spezielle Tools \u2013 wie bei Open-Source-Software \u2013 helfen, bei der Qualit\u00e4tskontrolle \u201eSnippets&#8220; aus menschlich entwickeltem, urheberrechtlich gesch\u00fctztem Code zu identifizieren. Bei synthetischen Texten ist das schon deutlich schwieriger, wenn keine eindeutig identischen Text\u00fcbernahmen menschlicher Werke vorliegen.<\/p>\n<p>Der kreative Autor ganzer Werke (und sein Urheberschutz) k\u00f6nnte so bald einer schwindenden Minderheit angeh\u00f6ren, wenn die Verlockung gro\u00df ist, Texte ohne Herkunftsangabe ganz oder teilweise mit ChatGPT zu erstellen. Auch Leistungsschutzrechte f\u00fcr die Nachbearbeitung synthetischer Texte st\u00fcnden nicht zur Verf\u00fcgung, so Duisberg. Damit k\u00f6nnte das Urheberrecht aus den Angeln gehoben und zu einem Gutteil obsolet werden \u2013 eine in Trageweite und Dramatik noch nicht \u00fcberschaubare Folge.<\/p>\n<p><em>Quelle: WELT Online v. 28.4.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Alexander Duisberg, Ashurst LLP, ist Partner im Bereich Digital Economy besch\u00e4ftigt sich in einem Gastbeitrag f\u00fcr die Welt mit der Frage, welche von ChatGPT erstellten Texte urheberrechtlich gesch\u00fctzt sind und welche nicht. Grunds\u00e4tzlich sch\u00fctzt das Urheberrecht nur den Ausdruck einer menschlichen geistigen Sch\u00f6pfung. Der Prompt \u201eErstelle Gedicht im Stile Brechts&#8220; hat laut Duisberg keine Sch\u00f6pfungsh\u00f6he und dem synthetischen Text fehlt der menschlich-sch\u00f6pferische Akt, jedenfalls wenn er keine Elemente eines echten Gedichts \u00fcbernimmt. Das Ergebnis ist urheberrechtlich nicht gesch\u00fctzt, also \u201egemeinfrei&#8220;, so Duisberg. Dazu kommt: Je mehr synthetische Texte in die Trainingsdaten einflie\u00dfen, desto geringer sei das verbleibende Substrat menschlich sch\u00f6pferischer T\u00e4tigkeit. Gemeinfreie Texte werden nach Einsch\u00e4tzung von Alexander Duisberg schnell zunehmen, ohne dass sie von menschlichen Werken klar zu unterscheiden sind. Bei der Software-Entwicklung durch ChatGPT k\u00f6nnten immerhin spezielle Tools \u2013 wie bei Open-Source-Software \u2013 helfen, bei der Qualit\u00e4tskontrolle \u201eSnippets&#8220; aus menschlich entwickeltem, urheberrechtlich gesch\u00fctztem Code zu identifizieren. Bei synthetischen Texten ist das schon deutlich schwieriger, wenn keine eindeutig identischen Text\u00fcbernahmen menschlicher Werke vorliegen. Der kreative Autor ganzer Werke (und sein Urheberschutz) k\u00f6nnte so bald einer schwindenden Minderheit angeh\u00f6ren, wenn die Verlockung gro\u00df ist, Texte ohne Herkunftsangabe ganz oder teilweise mit ChatGPT zu erstellen. Auch Leistungsschutzrechte f\u00fcr die Nachbearbeitung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":80,"featured_media":946,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[255],"tags":[258,256,259],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/users\/80"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=926"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":927,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions\/927"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/media\/946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.otto-schmidt.de\/zkm-report\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}