In einem Gastbeitrag der Frankfurter Rundschau warnt Chris Coulter, Executive Director der Berghof Foundation, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für friedliche Lösungen gewaltsamer Konflikte einsetzt, vor deutschen Kürzungen bei der Krisenprävention. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Konfliktlösung und war zuvor als Beraterin für das schwedische Außenministerium tätig.
Angesichts sich zuspitzender geopolitischer Rivalitäten und einer zunehmend fragilen Sicherheitsordnung werden friedenspolitische Instrumente für Deeskalation und die Stabilität ganzer Regionen noch wichtiger. Die Mittel für humanitäre Hilfe und Krisenprävention im Bundeshaushalt wurden für das Jahr 2025 aber von 2,69 auf 1,43 Milliarden Euro gekürzt. Dabei sind die Vorteile von Prävention gut belegt. Selbst bei einer Erfolgsquote von nur 50 Prozent spart jeder in Krisenprävention investierte Dollar langfristig 16 Dollar an Kosten für militärische Interventionen, Wiederaufbau und humanitäre Notlagen.
Gleichzeitig hat die Bundesregierung angekündigt, die für Krisenprävention, Friedensförderung und humanitäre Hilfe zuständige Abteilung im Auswärtigen Amt aufzulösen – genau jene Abteilung, die in den vergangenen Jahren systematisch Kompetenzen im Bereich der Mediation aufgebaut hat. Damit werden auch Netzwerke und Vertrauen, die für die Unterstützung komplexer Friedensprozesse unerlässlich sind, geschwächt.
Konflikte bleiben selten lokal begrenzt, wie die Eskalationen im Nahen Osten sowie der Krieg im Sudan zeigen. Sie destabilisieren ganze Regionen, treiben Fluchtbewegungen, fördern Extremismus und stärken organisierte Kriminalität. Das hat auch Auswirkungen auf Deutschlands innere Sicherheit und politische Stabilität. Frühzeitige Krisenprävention und Mediation schützen wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen. Die Vermittlung des Getreideabkommens im Krieg gegen die Ukraine 2022 ermöglichte zeitweise den Export von Millionen Tonnen Getreide und verhinderte eine dramatische Verschärfung der globalen Ernährungskrise.
Staaten wie Katar, das im Nahen Osten und Ostafrika als Vermittler auftritt, setzen Mediation gezielt als Instrument der Außenpolitik ein. Auch China hat kürzlich damit begonnen, sie als Instrument seiner Machtpolitik zu verwenden, nicht zuletzt um sein Ansehen zu erhöhen.
Deutschland sollte anerkennen, dass sich Sicherheit nicht allein militärisch entscheidet, sondern auch in Verhandlungen, in denen Gewalt noch verhindert werden kann. Mediation darf deshalb nicht als Randnotiz in Sicherheitsdebatten verkommen, sondern muss als strategisches Mittel zum Schutz nationaler Interessen bis ins Bundeskanzleramt verankert werden.
Wer in Mediation investiert, stärkt Handlungsfähigkeit. Damit kann Deutschland seinen Ruf als verlässlicher und konstruktiver Mediator bewahren und gezielt für sich nutzen – in multilateralen Verhandlungen ebenso wie in der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, die oft entscheidende Impulse für tragfähige Lösungen liefern. Soft Power ist kein Luxus. Sie ist eine Voraussetzung für Sicherheit.
Quelle: fr.de v. 14.05.2026
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